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„Ich freue mich jetzt schon auf den Sonntag“

„Ich freue mich jetzt schon auf den Sonntag“

Der Terroranschlag beim Marathon in Boston hat auch die Läufer in der Region schockiert. Von einem Start in St. Wendel hält sie dies nicht ab. Im Gegenteil. Eine kleine Umfrage unter Läufern zeichnet ein Stimmungsbild.

Am Montag, 15. April, stand nicht nur die Laufszene weltweit unter Schock. Bomben explodierten in Boston beim ältesten Stadtmarathon der Welt. "So etwas war für mich nicht vorstellbar", sagt Guido Joerg, der für die Lauftreff-Freunde (LTF) aus Marpingen an den Start geht. 122 Marathonläufe hat der 54-Jährige Langläufer schon absolviert. "Ich fühlte mich an die Olympischen Spiele 1972 in München erinnert", so der Sportler.

Plötzlich hätten ihm die Worte des damaligen Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Avery Brundage, "The Games must go on", wieder im Ohr geklungen. In Bezug auf seine Meldung beim Marathonlauf in St. Wendel an diesem Sonntag verspürt er keine Ängste. "Wenn ich am Wochenende in Hamburg gemeldet hätte, hätte ich sicherlich mit Angst am Start gestanden", gesteht er ein. St. Wendel sei im Vergleich ein kleiner Citymarathon, wo man sich sicher fühlen könne. "Wenn jetzt irgendwo ein Zugunglück passiert, denke ich auch daran", erklärt Anne Christ aus Hermeskeil. Sie habe wegen der Anschläge von Boston nie daran gedacht, deswegen nicht in St. Wendel zu starten. "Wenn ich jetzt hinter jeder Ziellinie eine Bombe vermuten würde, dann bräuchte ich mich doch gar nicht mehr raustrauen", so die Ausdauerathletin, die in St. Wendel so gut wie keine Laufveranstaltung verpasst. "Ich freue mich jetzt schon auf den Sonntag", sagt Christ.

Erschüttert und schockiert sei er gewesen, so Ramon Bernardon (LTF Marpingen), als ihn die Meldung von der Wahnsinnstat erreicht hat. "Direkt im Zielleinlauf die Bomben zu platzieren, was geht Leuten die so was tun, nur durch den Kopf?", so der 33-Jährige aus Türkismühle. "Klar sind mir die Dinge, die da passiert sind, bei den Trainingsläufen durch den Kopf gegangen", berichtet Bernardon. Man überlege schon, ob man für einen großen Marathon, wie beispielsweise in Hamburg melden solle. Die 42,195 Kilometer in St. Wendel will er bei seiner sechsten Teilnahme weit vorne beenden. Das sind zwei schöne Runden", ist Bernardon bereits auf seinen Lauf fokussiert.

"Im ersten Moment, als ich von den Terroranschlägen beim Boston-Marathon erfahren habe, klang das extrem unrealistisch für mich", erzählt Halbmarathonläufer Gerd Barth aus Nonnweiler. Deswegen aber habe er nie über eine Stornierung der Teilnahme in St. Wendel nachgedacht. "Ich habe auch jetzt keine Angst an solchen Laufveranstaltungen teilzunehmen. Bei Boston habe ich gleich an einen Einzelfall gedacht", sagt Barth.

Übrigens: Für die Welt des Laufsports hat der London-Marathon am vergangenen Sonntag ein Zeichen gesetzt. Rund 35 000 Läufer gingen in London an den Start. Viele von ihnen trugen als Zeichen des Mitgefühls für die Opfer des Anschlages beim Boston-Marathon ein schwarzes Band. Am gleichen Tag liefen 21 000 Sportler nach einer Schweigeminute beim Hamburg-Marathon auf die Strecke. Mit der Aufschrift "Run for Boston" trugen auch sie Armbändchen, um ihre Verbundenheit mit mit den betroffenen Opfer zu zeigen. Die Sicherheitsvorkehrungen waren in Hamburg aber nicht weiter verschärft worden.

Zum Thema:

Auf einen BlickDer Globus-Marathon startet am Sonntag, 28. April in St. Wendel. Dies hat auch Straßensperrungen zur Folge. Wie die Polizei St. Wendel mitteilte, werden bereits am Samstag, 27. April, ab 13 Uhr, Teilbereiche der Bahnhofstraße und Wendalinusstraße gesperrt. Entsprechende Umleitungen werden ausgeschildert. Am Sonntag, 28. April, werden weitere Straßen in St. Wendel gesperrt: Linxweiler Straße, Mommstraße, Kelsweiler Straße, Jahnstraße, Hauptstraße Urweiler, Werkstraße, Parkstraße, Tholeyer Str., St. Annenstraße, Alsfassener Straße und Teilbereiche der Wendalinusstraße. Die Bundesstraße 41 zwischen den Anschlussstellen Niederlinxweiler und St. Wendel-City ist ebenso betroffen. Eine ausgeschilderte Umleitungsstrecke wird durch den Bauhof der Stadt St. Wendel eingerichtet. Die Verkehrssperrungen werden Sonntag ab 5.30 Uhr eingerichtet. Je nach Veranstaltungsverlauf ist mit der teilweisen Aufhebung der Sperrungen erst ab 17 Uhr zu rechnen.Für spezielle Anfragen zu Verkehrsbeeinträchtigungen hat die Polizei St. Wendel ein Bürgertelefon eingerichtet. Dieses ist wie folgt zu erreichen: heute und Freitag jeweils von 9 bis 16 Uhr, am Sonntag, von 6 Uhr bis Veranstaltungsende. Bügertelefon: Tel. (0 68 51) 89 81 11. red