1. Saarland

"Ich bin in Saarbrücken zuhause"

"Ich bin in Saarbrücken zuhause"

Saarbrücken. Seit wenigen Wochen hat der gebürtige Syrer Tarek Hakki (38) auch die deutsche Staatsbürgerschaft. Aus dem Portemonnaie zieht der Doppelstaatler seinen neuen Personalausweis. "Der ist viel praktischer", sagt der promovierte Pharmazeut. "Früher musste ich, wenn ich beispielsweise nach Luxemburg gefahren bin, immer meinen syrischen Reisepass einstecken

Saarbrücken. Seit wenigen Wochen hat der gebürtige Syrer Tarek Hakki (38) auch die deutsche Staatsbürgerschaft. Aus dem Portemonnaie zieht der Doppelstaatler seinen neuen Personalausweis. "Der ist viel praktischer", sagt der promovierte Pharmazeut. "Früher musste ich, wenn ich beispielsweise nach Luxemburg gefahren bin, immer meinen syrischen Reisepass einstecken." In seinem Ausweis steht Schlüchtern als Geburtsort: "Ein kleiner Ort in Hessen, wo ich die ersten acht Jahre meines Lebens verbrachte. Mein Vater hat dort als Facharzt gearbeitet."1983 zog die Familie zurück nach Syrien in die Hauptstadt Damaskus. "Mein Großvater war gestorben, und mein Vater wollte sich danach um seine Familie kümmern." Den Umzug in das für ihn fremde Land empfand er als schwierig. "Es war ja eine völlig andere Kultur. Ich konnte kein Arabisch. Meine erste Sprache war Deutsch." Zwischen all den Umzugskartons war auch "eine Kiste mit alten VHS", erinnert er sich. "Mein ein Jahr jüngerer Bruder und ich haben oft die alten Videokassetten mit den deutschen Kinderfilmen geguckt", schmunzelt er. "Pippi Langstrumpf war dabei, Captain Future, Dick & Doof". Die Erinnerungen an Deutschland und die Sprache blieben ihm also auch in Damaskus. "Ich habe sogar in den Sommerferien gelegentlich Deutschkurse am Goethe-Institut besucht."

Dass er später zurückkehren würde, ahnte er damals aber nicht. "Ich habe nach meinem Pharmazie-Studium Lust gehabt, meine Magisterarbeit im Fach Labordiagnostik im Ausland zu machen." 20 Jahre später kehrte er nach Deutschland zurück, wurde Gastwissenschaftler in Homburg und bekam später ein Stipendium und eine Promotionsstelle am Saarbrücker Institut für Biochemie. "Mein Professorin Rita Bernhardt war nicht nur wissenschaftlich ein Glücksfall, sondern auch menschlich. Sie hat sich immer für uns Ausländer eingesetzt. Sie ist mit uns zur Saarschleife gefahren, hat im Sommer für uns Grillfeste organisiert und für uns gekocht. Ich bin ihr dankbar für ihr Interesse und die große Unterstützung." Auch die wissenschaftliche Arbeit läuft gut: "Wir haben zwei Patente angemeldet. Eines ist ein Medikament zur Behandlung des Blutdrucks, bei dem anderen haben wir aus einem Pilz ein Enzym gewonnen", erklärt er zufrieden. Aber er erfuhr auch Ablehnung. "Bei Bewerbungsgesprächen ging es nicht um wissenschaftliche Themen, sondern ich wurde über Syrien ausgefragt. Vielleicht dachten sie, ich würde nach ein, zwei Jahren im Job zurückkehren. Jetzt, mit meinem deutschen Pass, werden sich diese Gedanken hoffentlich nicht mehr einstellen."

Im Moment hat er sich von der Forschung verabschiedet und absolviert in einer Saarbrücker Apotheke ein praktisches Jahr, um eine Apothekerlizenz zu erhalten. Der neue Pass, die neuen beruflichen Perspektiven sind ein Signal, sagt er: "Ich will damit zeigen, dass ich hier bleibe. Ich will mein Leben hier aufbauen. Vielleicht mal eine Apotheke übernehmen. Ich bin in Saarbrücken zuhause." Und Syrien? "Ich vermisse meine Familie. Wegen der politischen Lage im Land mache ich mir große Sorgen. Wenn ich sie anrufe, frage ich nicht: Wie geht es? Ich frage: Lebt ihr noch?"

Hakki ringt nach Worten und sagt: "Das Herkunftsland sucht man sich nicht aus. Ich liebe Syrien. Das Land, aus dem man stammt, liebt man wie seine Mutter. Deutschland habe ich mir ausgesucht. So wie man sich eine Ehefrau aussucht. Auch die liebt man. Es sind zwei Lieben, die in meinem Herzen schlagen." ceg