"Hut ab vor der Entscheidung"

Kreis Neunkirchen. Die Nachricht über den Rücktritt von Benedikt XVI. ist für viele überraschend gekommen. "Ich habe zuerst an einen Aprilscherz am Rosenmontag gedacht", gibt Pfarrer Jochen Gabriel aus Furpach zu. Auch Pfarrer Michael Wilhelm aus Neunkirchen hat die Nachricht zunächst für einen Scherz gehalten

Kreis Neunkirchen. Die Nachricht über den Rücktritt von Benedikt XVI. ist für viele überraschend gekommen. "Ich habe zuerst an einen Aprilscherz am Rosenmontag gedacht", gibt Pfarrer Jochen Gabriel aus Furpach zu. Auch Pfarrer Michael Wilhelm aus Neunkirchen hat die Nachricht zunächst für einen Scherz gehalten. "Ich habe das Fernsehen angemacht und dann die Meldung bestätigt gefunden", beschreibt er seine erste Reaktion auf die Nachricht. Er sei total überrascht gewesen, habe aber sofort einen tiefen Respekt vor dem Menschen und seiner Entscheidung gehabt, wie Wilhelm sagt.Den Respekt teilen auch andere Amtskollegen - unabhängig von der Konfession. Gerhard Koepke, Superintendent des Kirchenkreises Saar Ost sagte zum Rücktritt: "Ich rechne ihm das hoch an." Er sei voller Respekt, wenn jemand mit Blick auf das eigene Alter sage, dass er nicht mehr in der Lage ist, das Amt auszuführen. Dechant Olaf Harig aus Spiesen-Elversberg äußert "große Anerkennung für einen Menschen, der seine Grenzen kennt und um seine Verantwortung weiß." Er habe großen Respekt, dass der Papst seine eigene Person hinter das Amt stellt. Michael Wilhelm ist der Meinung, dass Benedikt XVI. durch seinen Rücktritt das Papstamt sogar ein Stück weit relativiert hat. "Es wurde bewusst gemacht, dass es ein Amt auf Zeit ist, von dem man zurücktreten kann."

Fragt man, welche Wesensmerkmale das Pontifikat geprägt haben, fallen die Antworten sehr ähnlich aus. Als zurückhaltend und bescheiden beschreibt den Papst Giacomo Santalucia, der 2008 eine 20-köpfige Saar-Delegation nach Rom geführt hat. "Er hatte eine Aura, die einen einnimmt", so Santalucia weiter. Für Olaf Harig war das erstaunlichste am Pontifikat Benedikts XVI. die menschliche Wärme, seine Klarheit und Aufrichtigkeit. Aber auch die Kompromisslosigkeit, beispielsweise im Umgang mit dem Missbrauchskandal, sei bemerkenswert.

Für Michael Wilhelm, der mit Jugendlichen aus dem Dekanat auch bei Weltjugendtagen war, sind Attribute wie Demut, Einfachheit, Bescheidenheit und Frömmigkeit herausragende Merkmale des scheidenden Papstes.

Jochen Gabriel sieht im Rücktritt ein "fundamentales Zeichen hin auf Veränderung in der Kirche", warnt aber gleichzeitig davor, die Erwartungen an den Nachfolger zu hoch zu hängen. Trotzdem wünscht er sich, dass sich in der Kirche etwas tut. Keine Änderung der Werteeinstellung sei vonnöten, wohl aber eine Orientierung an der Moderne. Das heiße zum Beispiel nicht, die Meinung über die Ehe zu revidieren, trotzdem aber auch Menschen, deren Ehe gescheitert ist, nicht aus den Augen zu verlieren. Dechant Olaf Harig wünscht sich, wie auch Superintendent Gerhard Koepke, dass der Nachfolger Benedikts XVI. sich weiter um die Ökumene bemüht. Giacomo Santalucia kann den Rücktritt aus menschlicher Sicht voll und ganz verstehen, hätte sich trotzdem gewünscht, dass der amtierende Papst weitergemacht hätte. Der Rücktritt sei in einer Zeit, in der die Kirche ohnehin mit einem Vertrauensverlust zu kämpfen habe, etwas unglücklich. Santalucia wünscht sich einen spirituellen Papst, der es versteht, den Menschen - auch angesichts von Leiden - Mut zu machen. Er rechnet mit einem farbigen Papst als Nachfolger. Auch Gerhard Koepke sagt: "Vielleicht wäre es nicht verkehrt, wenn es jemand aus dem außereuropäischen Raum wird." Für Michael Wilhelm muss der Nachfolger "in Gott verankert und den Menschen zugewandt" sein. Er sollte die Nähe zu den Menschen in ihren Sorgen und Fragen suchen, wünscht sich Wilhelm.

Benedikt der XVI. wird vielen in Erinnerung bleiben - nicht zuletzt durch seine Bücher. Diese haben sowohl Olaf Harig und Jochen Gabriel als auch Michael Wilhelm nach eigenen Angaben sehr berührt. Gabriel sieht in den Schriften sogar ein Fundament, auf dem ein Nachfolger eine neue, offene Pastoral entstehen lassen könnte. "Wenn wir alles umsetzen, was er in seinen Büchern geschrieben hat, würde sich in der Kirche einiges ändern", ist sich Gabriel sicher.

Papst Benedikt, der nach seinem Rücktritt in einem Kloster leben will, wünschen die Befragten für den weiteren Lebensweg alles Gute. Michael Wilhelm: "Er geht mit einem positiven Paukenschlag - das gönne ich ihm." Foto: Elias

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