1. Saarland

Hüftschwung mit Hüttenschwung

Hüftschwung mit Hüttenschwung

Bergweiler. Eine verschworene Gemeinschaft von zehn Männern, die durch musikalische Auftritte, oft als Bergmänner, Piraten oder Tiroler verkleidet, weit über die Grenzen ihrer nordsaarländischen Heimat hinaus bekannt ist. Kein Wunder, denn gegründet hat sich die Gruppe, die den Namen Hüttenschwung 85 trägt, in Südtirol

Bergweiler. Eine verschworene Gemeinschaft von zehn Männern, die durch musikalische Auftritte, oft als Bergmänner, Piraten oder Tiroler verkleidet, weit über die Grenzen ihrer nordsaarländischen Heimat hinaus bekannt ist. Kein Wunder, denn gegründet hat sich die Gruppe, die den Namen Hüttenschwung 85 trägt, in Südtirol. Dort nämlich haben zehn Fußballkameraden aus Bergweiler und Umgebung regelmäßig ihren Skiurlaub verbracht. "Wir dachten uns, Skifahren kann jeder. Wir wollten was Besonderes machen. Kurzerhand haben wir einen bayerischen Abend veranstaltet, im Speisesaal des Hotels", erinnert sich Mitglied Wolfgang Recktenwald (63). Verkleidet als urstämmige Bayern - zwei Saarländer steckten gar in Dirndl - begeisterten sie mit Gesang, Musik und Späßen die Gäste von nah und fern. Daraus wurde eine Tradition: Als Piraten oder Cowboys traten sie während ihres jährlichen Urlaubs in den Alpen auf. Doch auch in der Heimat folgten Auftritte, also musste ein Name her. Recktenwald: "Beim Skifahren braucht man Schwung, mit Schwung kehrt man auch mal in eine Skihütte ein. Daher unser Name: Hüttenschwung, gegründet 1985."Persönliche Verpflichtungen verlangten Opfer, gemeinsame Proben wurden immer schwieriger, sodass die zehn Herren im Laufe der Zeit immer seltener auf die Bühne traten. Seit 1995 ging es auch nicht mehr gemeinsam nach Südtirol. Vor etwa zwei Jahren, während des monatlichen Stammtisches, dann die Idee: Warum nicht wieder öfters auftreten? "Mittlerweile waren wir ja alle im Ruhestand, Zeit und Lust waren also vorhanden. Außerdem sprachen uns viele Leute auf unsere Auftritte an", sagt Recktenwald.

Der Hüttenschwung mit neuem Schwung - und neuem Programm: Als Bergmänner verkleidet, erfreuen sie ihr Publikum. Recktenwald: "Wir wollen damit auch an die Bergbautradition im Saarland erinnern, die allmählich in Vergessenheit gerät." Dabei sei es ihnen wichtig, dass ihre Requisiten authentisch seien. "Im Laufe der Zeit besorgten wir uns Kleidung und Zubehör für unsere Bergmannsauftritte. Wie das so im Saarland ist: Irgendjemand kannte irgendjemanden, der noch eine alte Steigerlampe oder eine Bergmannsuniform hatte", erläutert Recktenwald. Die Auftritte laufen dann so ab: Nach der eigens gedichteten Hüttenschwung-Hymne folgt ein Programm aus Liedern wie "Glück auf!" mit musikalischer Begleitung und Erläuterungen zum Bergbau.

Die Erklärungen seien das Spezialgebiet von Recktenwald: "Opa und Vater waren auf der Grube beschäftigt, ich selber habe nur ab und an in den Ferien unter Tage geschafft. Also habe ich etwas Vorwissen." Höhepunkt sei das gemeinsam vorgetragene Steigerlied, danach verteilen die Zehn Grubenhähnchen - das traditionelle Bergleutefrühstück, bestehend aus einem Viertel Ring Lyoner, einem halben Weck und einem Humpen Bier - und Schnaps an die Zuschauer.

Doch auch ohne Kostüme sind die Männer des Hüttenschwungs zu sehen, sei es auf Dorffesten oder beim Adventssingen.

Besonderen Wert würden sie mittlerweile auf den sozialen Aspekt ihrer Auftritte legen. Recktenwald: "Dieser Gesichtspunkt ist uns ganz wichtig, daher treten wir beispielsweise oft in Altersheimen auf. Es ist immer wieder schön, die Reaktionen unserer älteren Zuschauer zu sehen."