HTW-Saar nimmt an internationaler Betonboot-Regatta teil

HTW Saar : Mit dem Betonboot zur Regatta

Studenten der HTW Saar nehmen an einem kuriosen Wettbewerb teil. Die Kanus sind dabei alle aus einem bleischweren Baustoff.

Dass ein Kanu aus Beton schwimmen kann, ist für manche Menschen nur schwer vorstellbar. Doch Bauingenieursstudenten der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) in Saarbrücken wollen dies im Zuge der 17. Deutschen Betonkanu-Regatta erneut unter Beweis stellen. Zum siebten Mal nimmt die Hochschule nun an der Veranstaltung teil, die am kommenden Freitag und Samstag in Heilbronn stattfindet. Mit dabei sind zirka 60 Teams aus Deutschland, Finnland, den Niederlanden, Österreich oder der Schweiz. Prämiert werden nicht nur sportliche Leistungen, sondern auch Kreativität beim Entwurf der Kanus sowie originelle Mannschaftsauftritte.

Die Regatta findet alle zwei bis drei Jahre statt, dieses Jahr geht die HTW Saar mit dem Boot „Saartanic“ ins Rennen. Die 18 Studenten aus dem vierten Semester arbeiten seit Januar an dem Projekt. An die 40 verschiedene Betonmischungen haben die Studierenden getestet, bis sie die ideale Zusammensetzung gefunden hatten. Erstmals verwendeten sie eine sogenannte Negativschalung. Das heißt, der Beton wurde von außen auf die Form – ein herkömmliches Kunststoffkanu – aufgetragen. In den vergangenen Monaten haben sie gelernt, wie man ein Projekt organisiert, was es heißt, im Team zu arbeiten, und flexibel zu sein, wenn man auf Probleme stößt. „Manchmal wurden zum Beispiel Materialien zu spät geliefert, und dann muss man eben umdenken“, erzählt die Studentin Chiara Stang. Es sei eine tolle Gelegenheit, die theoretischen Kenntnisse aus dem Studium in die Praxis umzusetzen und so einen Einblick in das spätere Berufsleben zu bekommen. Das Projekt, das außerdem als Studienarbeit für zwei Semester angerechnet wird, fordert die Studierenden auf verschiedenen Ebenen. Klar im Vordergrund steht die Konstruktion des Kanus. Doch auch Design, Koordination verschiedener Arbeitsgruppen, Entwurf der Teamshirts, logistische Leistungen beim Planen des Events oder das Paddeltraining sind nicht außer Acht zu lassen.

Dass das zirka 100 Kilogramm schwere Boot schwimmt, lässt sich physikalisch erklären. „Theoretisch schwimmt jedes wasserundurchlässige Material, Beton ist nur etwas unüblicher als zum Beispiel Stahl oder Holz“, so Team-Kapitän Alexander Linz. Erklärung hierfür ist das Archimedische Prinzip. Der Überlieferung nach entdeckte der griechische Gelehrte eher zufällig in der Badewanne, dass die Menge Wasser, die er durch seinen Körper verdrängt, genau seinem Körpervolumen entspricht. „Die Auftriebskraft, die ein Körper in einer Flüssigkeit erfährt, ist genauso groß wie die Gewichtskraft des vom Körper verdrängten Mediums.“ Je nach Dichte und Volumen schwimmen also auch die schwersten Betonkanus.

Auch wenn der an die 1912 gesunkene Titanic angelehnte Name „Saartanic“ an den Schwimmkräften des Kanus zweifeln lässt, sind die Teilnehmer zuversichtlich. Professor Dietrich Wullschläger, der das Projekt leitet, interpretiert den Namen eher als sa(ar)tanisch – also „teuflisch gut“.

Trotz starker Konkurrenz ist der Ehrgeiz des saarländischen Teams groß. Gegneruniversitäten wie die TU Dresden oder die ETH Zürich verfügen über mehr Geld und Möglichkeiten, ihre Boote zu perfektionieren, so Wullschläger. Doch die Studierenden haben hart gearbeitet und hoffen auf zusätzlichen Erfolg durch ihr kreatives Design. Vorbild war auch hier die Titanic: ein Rumpf in den Farben Rot, Schwarz und Weiß sowie vier gelb-schwarze Schornsteine. Letzteres haben die Studierenden besonders fantasievoll umgesetzt: Zwei der Schornsteine werden durch Paddler in gelben T-Shirts mit schwarzen Hüten ersetzt.

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