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Wohnungslosigkeit in Homburg
Bezahlbarer Wohnraum ist Mangelware

Im „Zimmer auf der Straße“ diskutierten Homburgs Oberbürgermeister Rüdiger Schneidewind (links) und Andreas Heinz vom Caritas-Zentrum Saarpfalz (Dritter von links) im Kreis von Vertretern der Stadt, der Caritas und des Kreises die Problematik der Obdachlosigkeit.
Im „Zimmer auf der Straße“ diskutierten Homburgs Oberbürgermeister Rüdiger Schneidewind (links) und Andreas Heinz vom Caritas-Zentrum Saarpfalz (Dritter von links) im Kreis von Vertretern der Stadt, der Caritas und des Kreises die Problematik der Obdachlosigkeit. FOTO: Thorsten Wolf
Homburg. Mit einem „Zimmer“ auf dem Christian-Weber-Platz in Homburg machte die Caritas auf einen Missstand aufmerksam, der längst kein Großstadt-Problem mehr ist. Auch in Homburg sind günstige Wohnungen und Häuser rar. Von Thorsten Wolf

Die französische Sprache kann vieles, vor allem kann sie aber jeder noch so schlechten Situation zummindest in Sachen Klang etwas Positives abgewinnen und Bilder jenseits der tristen Wirklichkeit erzeugen. Ein Beispiel dafür ist das Wort „Clochard“. Da glaubt man einen zu sehen, der der bürgerlichen Existenz bewusst entsagt hat und sein Leben frei und ungebunden lebt. Diese romantisierte Vorstellung verfliegt aber ganz schnell, wenn man dieses Wort ins Deutsche übersetzt: Obdachloser, Wohnsitzloser.


Da verändern sich die Bilder im Kopf, statt des gesellschaftlichen Aussteigers hat man den vor Augen, der mit der Flasche in der Hand in irgendeiner Straßenecke mit seinem sieben Sachen auf einem Stück Pappe sitzt – ein Bild vor allem in Großstädten.

In einer Stadt wie Homburg gehört das nicht zum öffentlichen Bild, oder zumindest nur sehr selten. Tatsächlich ist aber Wohnungslosigkeit auch in Homburg ein Problem. 49 Menschen sind es derzeit, die hier keine feste Bleibe haben. So die Zahlen der Caritas. Das Beunruhigende an dieser Erhebung ist, dass unter diesen 49 immerhin 33 unter 35 Jahren alt sind. Und: Mit dem Bild des Obdachlosen, ganz gleich ob in der geschönten französischen Version oder der harten deutschen Großstadtausgabe, haben diese Obdachlosen nichts gemein. Tatsächlich sind diese Menschen fast unsichtbar, ihr Problem ist eines, das im Stillen existiert. Genau das will die Caritas so nicht hinnehmen, will stattdessen sichtbar machen, was zu oft nicht wahrgenommen wird.



Gestern nun machten Vertreter des katholischen Wohlfahrtsverbandes gemeinsam mit der Stadt Homburg auf dem Christian-Weber-Platz auf die Situation von Wohnungslosen aufmerksam, nicht nur mit Blick auf die Kreis- und Universitätsstadt – mit der Aktion „Zimmer auf der Straße“. Und tatsächlich hatte das Team des Caritas-Zentrums Saarpfalz um dessen Leiter Andreas Heinz inmitten der City ein kleines „Wohnzimmer“ aufgebaut. Dort standen Heinz und Homburgs Oberbürgemeister Rüdiger Schneidewind dann auch Rede und Anntwort zu dem, was ist und dem was im besten Falle werden kann und soll. „Wir wollen heute darauf aufmerksam machen, dass Wohnungslosigkeit ein zunehmendes Problem ist. Und das nicht nur in den Großstädten, sondern auch in Mittelstädten wie Homburg“, verdeutlichte Andreas Heinz. Heinz betonte auch die veränderte Situation gerade mit Blick auf den Umstand, dass vor allem jüngere Menschen nun mit dem Problem der Wohnungslosigkeit zu kämpfen hätten. Zudem seien, beispielhaft genannt, von den 49 in Homburg ohne Wohnung lebenden nur 28 dem Jobcenter bekannt und erhielten entsprechende Leistungen.

Die Gründe für die von der Caritas ins Licht gerückte Wohnungslosigkeit seien vielschichtig, als Teil der Ursachen nannte Heinz auch, dass der soziale Wohnungsbau in den vergangenen Jahren vernachlässigt worden sei. Als einen Schlüssel zur Lösung des Problems nannte Andreas Heinz ein Bündniss aller wichtigen Akteure, „damit alle, die mit dem Thema ‚Wohnungslosigkeit‘ zu tun haben, an einen Tisch kommen“. Mit an diesem Tisch würde dann auch die Stadt Homburg sitzen. Deren Oberbürgermeister Rüdiger Schneidewind beschrieb die Situation auf dem freien Wohnungsmarkt als schwierig, „da ist derzeit alles komplett zu. Deswegen bin ich auch froh, dass die Bebauung am Warburgring kommt, auch mit Mietpreis-Bindung.“ Heinz und Schneidewind machten aber auch deutlich, dass die Wohnungslosigkeit mitunter in den persönlichen Lebensumständen der Betroffenen begründet sei. Heinz: „Gerade die Zahl von jungen Menschen steigt, die sich im Leben nicht zurecht finden, die nicht in ‚Arbeit und Brot‘ ankommen.“

Den Ansatz der Caritas, vor diesem Hintergrund die Koordination zwischen allen beteiligten Instanzen zu verbessern, nannte Schneidewind „genau richtig. Das muss jetzt dringend stattfinden“.