| 20:12 Uhr

Wo Geschichte Pilger auf jedem Schritt begleitet

Rilchingen-Hanweiler. Der Pilgerstab mit der Jakobsmuschel steht wie eine stumme Aufforderung im modernen Arbeitszimmer von Alfred Klopries (Foto: Becker&Bredel). Der Stab ist ein knorriges Symbol für die Bereitschaft zum Aufbruch, für das Vertrauen auf Gott. Und für die Hilfsbereitschaft entlang des Weges, auf die Menschen angewiesen sind Von SZ-Redakteur Frank Kohler

Rilchingen-Hanweiler. Der Pilgerstab mit der Jakobsmuschel steht wie eine stumme Aufforderung im modernen Arbeitszimmer von Alfred Klopries (Foto: Becker&Bredel). Der Stab ist ein knorriges Symbol für die Bereitschaft zum Aufbruch, für das Vertrauen auf Gott. Und für die Hilfsbereitschaft entlang des Weges, auf die Menschen angewiesen sind. Ob sie nun eine Etappe meistern oder den ganzen zweitausend Kilometer langen Marsch nach Santiago de Compostela zurücklegen wollen.Klopries, Hausoberer und Heimleiter in den Einrichtungen der Barmherzigen Brüder in Rilchingen-Hanweiler, hat sie schon erlebt, jene Kraft, die vom Pilgern auf dem Jakobsweg und von seinen Herausforderungen an Geduld und Kondition ausgeht: "Ich war in Nordportugal unterwegs. Und ich legte das Stück von Hornbach bis hierher zurück. Das Entscheidende ist das Auf-dem Weg-sein. Dazu gehört auch, seine Grenzen zu erfahren, sei es, weil die Blase am Fuß schmerzt, sei es, weil die Beine schwer werden."Klopries ist stolz darauf, dass Pilger in der weitläufigen Anlage der Barmherzigen Brüder direkt an der Grenze eine Herberge suchen - und finden. "Die Pilgersaison hat ja jetzt angefangen, und wir können Menschen, die sich auf den Jakobsweg gemacht haben, bei uns eine Unterkunft anbieten." Einzelne, zwei oder drei Pilger, die gemeinsam unterwegs sind, und sogar Gruppen bis zu 20 Personen finden problemlos ein Dach über dem Kopf. "Ein bis zwei Tage vorher Bescheid zu sagen, das reicht schon. Wir sind bei solchen Anmeldungen flexibel." Aus Überzeugung. "Pilgern eine Gelegenheit zur Rast zu geben ist zentrale Aufgabe von Ordensgemeinschaften, auch der Barmherzigen Brüder." Eine Tradition, der Klopries sich verpflichtet fühlt - auch wenn er kein Ordensmann ist. Denn: "Diese Gäste bringen ihre Erfahrungen mit zu uns, und sie bereichern damit unser Leben." Alfred Klopries freut sich denn auch über jeden, der, auf dem Weg Richtung Metz von der Wintringer Kapelle kommend, die Auersmacher Pfarrkirche passiert hat und nach Durchqueren des Bergwaldes das Gelände der Barmherzigen Brüder erreicht. Ihn freut die Vielfalt, die mit den wandernden Christen ins Haus kommt."Pilger, das sind Menschen aus allen Altersgruppen, die auf der Suche sind: die Jungen, die den Weg komplett gehen, die Gruppen mittleren Alters zwischen 40 und 60 Jahren, die sich eine Etappe vornehmen, die Rentner, die uns in Dreier-Grüppchen erreichen."Von der wunderschönen Anlage aus führt der Pilgerweg die frisch gestärkten Wanderer schon nach wenigen hundert Metern zur Preußischen Brücke. Von dort geht's über die Grenze Richtung Welferdingen. In jenen Ort also, mit dem die Christen in Hanweiler durch die Seelsorge schon vor Jahrhunderten verbunden waren. "Der Pfarrer kam mit dem Floß und hat Hanweiler mitversorgt", sagt Klopries. Genau diese Einbettung in eine lange Geschichte macht den Verlauf des Jakobsweges in seinen Augen so wertvoll für Menschen, die dieser Geschichte auf Schritt und Tritt nachspüren wollen. "Die Pilger durchquerten schon im 14. Jahrhundert die Saar durch eine Furt, um im Kloster auf der anderen Seite zu übernachten." Wer sich heute auf den Weg macht, den sieht Klopries in der Tradition dieser Christen. "Pilgerwege sind Routen, die durch die Geschichte Europas führen und an gemeinsame Wurzeln erinnern." Wer auf diesem Weg Rilchingen-Hanweiler erreicht, soll den Park als einen Teil dieser Tradition erleben. Mit seiner Pflanzenpracht, der in den Weg eingearbeiteten Jakobsmuschel und den Gebäuden, etwa der Mariengrotte und dem historischen Quellturm, der an die lange Geschichte des Heilwassers an dieser Stelle erinnert. Wichtig ist Klopries auch das Pilgerkreuz als Erinnerung an den Grund für den weiten Weg, den die Pilger auf sich nehmen. "Dieses Kreuz ist das Ergebnis einer Zusammenarbeit mit dem Ausbildungszentrum Burbach, ein wichtiger Partner bei unserer Arbeit am Wert dieser Anlage." Damit die Bewohner dort Kraft schöpfen - und Pilger mit neuer Energie dem Ziel zustreben können. "Diese Gäste bringen ihre Erfahrungen mit zu uns. Und sie bereichern damit unser Leben."Heimleiter Alfred Klopries über die Bedeutung der Pilger



StichwortAls Jakobswege wird das Netz der Pilgerwege zum Grab des Apostels Jakobus in Santiago de Compostela in Spanien bezeichnet. Auf dem Gebiet der Gemeinde Kleinblittersdorf verläuft ein Teil der Route zwischen Hornbach und Metz. Infobroschüre: "Jakobswege - Rilchingen-Hanweiler - ein Ort am südlichen Jakobsweg", herausgegeben von der Gemeinde Kleinblittersdorf. Verantwortlich für den Inhalt: Arbeitskreis Dorfgeschichte, Dorfgeschichten, Denkmalpflege Rilchingen Hanweiler (Vorsitzender: Franz-Ludwig Strauss). Weitere Infos bei der Gemeinde, Tel. (06805) 200 80.Wanderführer: "Jakobswege an Saar, Blies und Mosel - Wanderführer für die Region", Paul Burgard/Ludwig Linsmayer (Hrsg.), Echolot-Verlag, ISBN: 3-980 85 56-5-1. Barmherzige Brüder: Kontakt-Tel. (06805) 96 00. ole