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Kinowerkstatt
Zum Jahreswechsel gibt’s Wim Wenders

Szene aus „Der Wein und der Wind“: Die Geschwister Jérémie (François Civil), Jean (Pio Marma) und Juliette (Ana Girardot) bei der Weinprobe.
Szene aus „Der Wein und der Wind“: Die Geschwister Jérémie (François Civil), Jean (Pio Marma) und Juliette (Ana Girardot) bei der Weinprobe. FOTO: Filmverleih studiocanal
St. Ingbert. „Im Lauf der Zeit“ von Wim Wenders läuft am 30. Dezember in der Kinowerkstatt. Auf dem Program steht auch ein Werk von Werner Herzog. red

) „Der Wein und der Wind“ (Frankreich 2017) ist weiterhin in der Kinowerkstatt am Freitag, 29. Dezember, um 20 Uhr, und am Montag, 1. Januar, um 18 Uhr zu sehen. Regie: Cédric Klapisch, Buch: Cédric Klapisch, Santiago Amigorena, Musik: Loïc Dury, Christophe Minck, mit Pio Marmaï, Ana Giradot, Francois Civil, Jean-Marc Roulot, Maria Valverde, Yamée Couture. Es ist Spätsommer im Burgund und die Weinernte steht bevor. Der 30-jährige Jean (Pio Marmaï) kehrt nach vielen Jahren der Funkstille auf das idyllische Familienweingut zurück. Sein Vater liegt im Sterben und seine Geschwister Juliette (Ana Girardot) und Jérémie (François Civil), die das Gut in der Zwischenzeit aufrechterhalten haben, können jede Unterstützung gebrauchen. So wie sich jedes Erntejahr nach den Jahreszeiten richtet, erkennen die Geschwister, dass manch offene Wunden auch über die Jahre hinweg nicht heilen. Gemeinsam müssen sie entscheiden, ob die Familientradition weitergeführt werden soll oder jeder seinen eigenen Weg geht…


Ein besonderer Film von Wim Wenders ist „Im Lauf der Zeit“ (BRD 1975), Kamera: Robby Müller, Martin Schäfer, Darsteller: Rüdiger Vogler, Hanns Zischler, Lisa Kreuzer, Rudolf Schündler, Marquard Bohm, Dieter Traier, Franziska Stömmer und Wim Wenders, Schnitt: Peter Przygodda, Ton: Martin Müller, Aufnahmeleitung: Heinz Badewitz, Musik: Improved Sound Limited. „Im Lauf der Zeit“, den die Kinowerkstatt am Samstag, 30. Dezember, um 20 Uhr zum Jahreswechsel zeigt, gehört zu den schönsten deutschen Filmen der 70er Jahre. Robert Lander (Hans Zischler) rast mit seinem VW-Käfer mit Karacho in die Elbe, gerade an der Stelle, wo Bruno Winter (Rüdiger Vogler) in seinem Lkw die Nacht verbracht hat und so der einzige Zeuge der aberwitzigen Tat wird. Er fischt den Lebensmüden aus dem Wasser. Gemeinsam reisen die beiden in dem alten Möbelwagen weiter, entlang der innerdeutschen Grenze vom Wendland bis nach Hof. Unterwegs repariert Bruno in Provinzkinos die Projektoren. Sein Job. Zwischen dem Kinotechniker und dem Kinderpsychologen entsteht eine wortkarge Freundschaft. Das Roadmovie entstand ohne festes Drehbuch. Gedreht wurde chronologisch, mit Originalton und in Schwarz-Weiß. Der Film ist ein fotografisches Dokument der Bundesrepublik um 1974. Wohl kaum ein anderer hat mit so viel Konzentration die ländlichen Zonenrandgebiete portraitiert: Landstraßen, Telefonzellen, Telefone, die alten Kinos, Verkehrsschilder, VW-Käfer, Opel Kadetts.

Die Kinowerkstatt zeigt nur am Montag, 1. Januar, um 20 Uhr „Die Höhle der vergessenen Träume“ in 3D (Frankreich/Kanada/USA/ Großbritannien/Deutschland 2011), Prädikat: besonders wertvoll, FSK: ab 6, Länge: 90 min.) von Werner Herzog. Die Zuschauer sind eingeladen zu einem Ausflug in die Ardèche zu den Chauvet-Höhlen, die an Weihnachten 1994 entdeckt wurden. Mehr als 30 000 Jahre hat die Menschheit gebraucht, um von der Höhlenmalerei zum Tafelbild zu kommen. Dann ging es ruckzuck: vom Tafelbild zum Tablet-PC – lumpige Jahrhunderte. Vielleicht lohnt es nicht, über so etwas nachzudenken, aber Fragen nach dem Woher und Wohin von Kunst und Kultur drängen sich auf, wenn man mit Werner Herzog in die Chauvet-Höhle im französischen Ardèche-Tal hinabsteigt. Dem Regisseur ist es, als wäre hier „die Seele des modernen Menschen erwacht“ – im Finstern, denn die Künstler des Paläolithikums haben nur dort gemalt, wo kein Tageslicht mehr hinreichte. Mehr als 8000 Quadratmeter umfasst das Höhlensystem, rund 470 Tier- und Symboldarstellungen sind im Laufe von mehreren Jahrtausenden darin entstanden – die ältesten, die bekannt sind. Für die Öffentlichkeit sind diese Bilder nicht zugänglich.

Anders als die Höhle von Lascaux, die geschlossen werden musste, weil sich durch den Atem der Touristen Schimmel gebildet hatte, wurde Chauvet gleich nach der Entdeckung in den Neunzigern von der Wissenschaft in fürsorglichen Gewahrsam genommen.

Werner Herzog durfte die Höhle mit einem Miniteam stundenweise betreten, gefilmt wurde mit einer semiprofessionellen Kamera. Atemberaubende Bilder in 3D sind entstanden.



Regisseur Werner Herzog (Zweiter von rechts) und sein Team bei den Dreharbeiten zum Film „Die Höhle der vergessenen Träume“.
Regisseur Werner Herzog (Zweiter von rechts) und sein Team bei den Dreharbeiten zum Film „Die Höhle der vergessenen Träume“. FOTO: Ascot Elite / dpa