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Ziel für „genussvolle Entdecker“

 Thomas Debrand und Melanie Fritsch (Zweiter und Dritte von links) von der Wirtschaftsförderung der Stadt St. Ingbert waren während der Erstellung des Tourismuskonzepts die Ansprechpartner von Pia Wehling und Alexander Seiz, die die Ergebnisse auch in einer Broschüre zusammenstellten. Foto: Cornelia Jung
Thomas Debrand und Melanie Fritsch (Zweiter und Dritte von links) von der Wirtschaftsförderung der Stadt St. Ingbert waren während der Erstellung des Tourismuskonzepts die Ansprechpartner von Pia Wehling und Alexander Seiz, die die Ergebnisse auch in einer Broschüre zusammenstellten. Foto: Cornelia Jung FOTO: Cornelia Jung
St Ingbert. St. Ingbert steht in vielen Bereichen im Vergleich zu anderen Kommunen der Region gut da. Ein Feld ist aus Sicht von Experten aber noch zu beackern: der Tourismus. Die Mittelstadt habe nämlich gute Voraussetzungen, nicht nur Geschäftsreisende anzulocken. Cornelia Jung

Vor einem Jahr war Alexander Seiz von "Kohl & Partner", einer Firma aus Schwäbisch-Gmünd, die sich mit der Erarbeitung von Tourismuskonzepten befasst, erstmals in St. Ingbert . Nun, nach einer Imageanalyse, Workshops mit St. Ingbertern sowie mehreren Befragungen, stellte Seiz am Freitagabend solch ein Konzept für die Mittelstadt im Rathaus vor. "Es zeigt, wie wir St. Ingbert in Zukunft touristisch darstellen könnten", führte Oberbürgermeister Hans Wagner in die Präsentation ein, "manchmal ist es gut, wenn mal jemand von draußen auf uns schaut." Die Mitarbeiter von "Kohl & Partner" nahmen nicht nur St. Ingbert unter die Lupe, recherchierten Fakten, fragten Einheimische und Ortsfremde nach ihrer Wahrnehmung der Stadt, sondern erstellten eine 18-seitige Broschüre, die die Ergebnisse der Arbeit zusammenfasste. In ihr sind die Ausgangslage und Zielsetzung, Trends und Rahmenbedingungen, Handlungsfelder und Empfehlungen für künftiges Handeln niedergeschrieben. Nun müsse man laut Wagner dieses vorbereitete Feld nur noch beackern, um die Früchte ernten zu können. Während des Vortrags wurde deutlich, dass es dafür noch viel Fleißarbeit bedarf, um passende Strategien zu entwickeln. Seiz lobte die Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung, verwies aber auch darauf, dass man den Tourismus in St. Ingbert bisher wie ein Stiefkind behandelt habe. "Es gibt hier tolle Angebote, aber es fehlt eine touristische Idee", sagte er. Außerdem rührten die hohen Übernachtungszahlen zum großen Teil von Geschäftsreisenden her. Hier gebe es noch Luft nach oben, um zusätzlich "genussvolle Entdecker" in die Gegend zu locken. St. Ingbert weise eine stolze Zahl an Ferienwohnungen auf und habe bereits ein gutes Image. Es werde als sauber, charmant, modern und von manchen auch als "skurril" wahrgenommen. Attribute, mit denen man "hausieren" gehen könnte. "Der Auftritt von St. Ingbert kann ruhig schräg und kokett sein, dass die Leute Lust haben, euch hier zu besuchen", so Seiz. Potenzielle Gäste hätten hohe Ansprüche, seien naturverbunden und aktiv. Man habe die Biosphäre bewusst nicht in den Mittelpunkt gerückt, sondern verstehe sie eher als angenehmen Begleiteffekt. Mit der Stadt-Land-Beziehung, der Industriekultur, vielen kulturellen Highlights und Messen habe man Dinge, die man gut vermarkten könne. "Die Menschen mögen das mittelstädtische Flair. Bleiben Sie dabei", so Seiz' Rat.


Die Verknüpfung von Stadt und Biosphäre sei eine "sensationelle Ausgangslage", auch mit der Nähe zu Frankreich. Es gebe schon tolle Themen und Projekte, die zusammengebracht und optimiert werden müssten, unter Beteiligung der Menschen vor Ort. Begonnen werden könne mit Starterprojekten, die schnell und ohne viel Geld umgesetzt werden könnten. Für die Schlüsselprojekte, so etwas wie die "touristischen Leuchttürme", sei ein längerer Atem und größerer finanzieller Rahmen notwendig. Zu letzteren zählte Seiz die Baumwollspinnerei, den Stadtpark, den Biosphärenbahnhof, Fans der Stadt als Tourismusbotschafter und den Mint-Campus. "Ich beglückwünsche die Stadt, dass sie sich diesem Prozess unterzogen hat", sagte die Chefin der Tourismus Zentrale, Birgit Grauvogel, "man muss sich professionell mit dem Thema Tourismus beschäftigen, wenn man gewinnen will. Das ist nichts für nebenher. Sie haben nun ein kompaktes, in die Zukunft gerichtetes Konzept."

Gerhard Mörsch lobte das Konzept vor allem deshalb, weil es von den Stärken ausgehe, die die Stadt schon mitbringe. "Das ist mit Sicherheit ein Konzept, das nicht in der Schublade verschwindet", so der Geschäftsführer des Biosphärenzweckverbandes.