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Wirrungen im Burghotel

Hassel. Es braucht zehn Gäste, um wieder in die schwarzen Zahlen zu kommen, das Burghotel Schlosshof. Doch was so einfach klingt, stellt sich als großes Verwirrspiel heraus. Angebliche Buchhändlerin, Heiratsschwindler und ein „verlorener Gast“ - das Niederwürzbacher Theater wusste sie zu ordnen. Jörg Martin

"Wo fria mei Läwwa war, do hann isch heid e Minibar" - dieser Trinkspruch war nur einer von vielen, den Tonja Stüberle (Petra Enders) in einer regelrechten Tirade von Versen vom Stapel lies. Der Hotelgast hielt beim Stück "Burghotel Schlosshof - Kredit wird nicht gegeben" von Evelyn Köster gerade eine spontane Schnapsorgie Die Niederwürzbacher Theatergruppe "So ein Theater" (Leitung: Veronika Kiesel) war an zwei Tagen des letzten Wochenendes in der ausverkauften Alten Schulturnhalle der Einladung des Heimat- und Verkehrsvereins Hassel gefolgt. Die Zechkumpanin von Stüberle ist die neugierige Rezeptionistin des Burghotels Schlosshof, Pitrella Partinowa (Elvira Lenhard). Dort herrscht große Anspannung. Wenn nicht endlich schwarze Zahlen in den Bilanzen vorzufinden sind, will Frau von Zitzewitz (Kerstin Würtz) von der Finanz & Bilanz AG in zehn Tagen die Abrissbagger anrücken und aus dem Gebäude eine Einkaufsmeile machen lassen. Und die Bücher dürfen natürlich nicht gefälscht sein. Doch, welcher der Gäste ist der Spion, der darüber wacht? Im Domizil hat man jedenfalls schon lange keine Gäste mehr gesehen. Zehn müssen es aber sein, damit der Laden wieder in Schwung kommt. Hoteldirektor Helmwald Fröhlitsch (Heiko Schwartz), steht sehr unter Druck, sein Unternehmen am Leben zu halten. Da macht er sogar beim Schnell-Flirt-Kurs von André Faber (Philipp Groh) mit, der eigentlich wie Frau Stüberle Heiratsschwindler ist, was aber keiner weiß. Faber unterrichtet gerade Rüdiger von Zickenmeyer (Sebastian Groh), der eigentlich auf Michaela Grauer (Lea Hunsicker) steht. Die angebliche Buchhändlerin findet jedoch nicht das Wohlwollen von Rüdis Mutter, Elvira von Zickenmeyer (Gerda Groh). Die Wolfersheimerin Michaela wird als Landpomeranze eingestuft. Wie sich herausstellt, ist sie jedoch die nach der Geburt abgegebene Tochter von Hotel-Servicekraft Hannelore Prügelhausen (Stefanie Brettar). Zwischendurch huschen immer mal wieder drei Gestalten durchs Geschehen: Zwei Geister (Marco Wust und Jessica Bieg), die während der Aufführung in ihren Wandgefächern alles beobachten und zwischendrin ihre Kommentare beisteuern. Völlig lautlos erscheint auch immer wieder "Der verlorene Gast" (Josef Schömann), der seit zehn Jahren sein Zimmer sucht und die Hotelangestellten in den Wahnsinn treibt. Doch die Krise wird gemeistert: Hannelore verabreicht der von Zickenmeyer eine Burggraben-Schlammpackung. Die hat zuvor den Direktor vernascht. Michaela könnte Rüdigers Schwester sein. Doch, wer ist der Spion, der Frau von Zitzewitz informiert? Der Dreiakter gewinnt vor allem im letzten Teil so was von Fahrt, dass man gut aufpassen musste. Am Ende finden sich jedoch alle.