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Wenn sich Schneeflöckchen zusammentunSo bekommen Hausbesitzer die Dachlawinen in den Griff

Gunnar Klein vom Ortsverband St. Ingbert des THW zeigt, was er für die Schneelastmessung auf Dächern braucht. Foto: Cornelia Jung
Gunnar Klein vom Ortsverband St. Ingbert des THW zeigt, was er für die Schneelastmessung auf Dächern braucht. Foto: Cornelia Jung
St. Ingbert. Spätestens seit dem Einsturz des Daches der Eissporthalle in Bad Reichenhall stellen sich jedes Jahr bei ausgiebigem Schneefall Hausbesitzer die Frage, ob ihr Dach das aushält. Sie selbst können es nicht einschätzen, aber dafür gibt es unter anderem die Spezialisten vom Technischen Hilfswerk. Das THW St Von SZ-Mitarbeiterin Cornelia Jung

St. Ingbert. Spätestens seit dem Einsturz des Daches der Eissporthalle in Bad Reichenhall stellen sich jedes Jahr bei ausgiebigem Schneefall Hausbesitzer die Frage, ob ihr Dach das aushält. Sie selbst können es nicht einschätzen, aber dafür gibt es unter anderem die Spezialisten vom Technischen Hilfswerk. Das THW St. Ingbert ist einer von drei Ortsverbänden im Saarland, die sich diesem Thema gewidmet haben. Gunnar Klein, stellvertretender Ortsbeauftragter und Baufachberater beim hiesigen THW, lässt keinen Zweifel daran, dass es keine schönen Einsätze sind, solch eine Schneelast zu messen und im Gefahrenfall wegzuschaufeln, obwohl das Messverfahren simpel ist. Es ist immer eine große Aktion, die mit viel Arbeit verbunden ist, manchmal über mehrere Stunden hinweg. Als die nötige Ausbildung absolviert, die nötige Software auf dem Computer installiert und die vergleichsweise einfache Ausrüstung, bestehend aus mehreren für diese Zwecke umgerüsteten Plastikrohren, einer Maurerkelle, einer Waage und einem Kaminputzer, angeschafft war, konnte es Anfang 2010 mit den Messungen beginnen. "Es war mal ganz groß in Mode, so ein Dach von Schnee und Eis zu räumen", so Klein, doch in drei Jahren gab es gerade mal zwei Einsätze, einen an der Uni in Saarbrücken und einen auf dem Dach eines Supermarktes in Friedrichsthal. Man müsse unterscheiden, ob es sich um einen Notfall handelt oder wirtschaftliche Interessen bestehen. Im letzten Fall würde man eher das Gelände sperren, "denn unter Einsatz des Lebens der ehrenamtlichen Kräfte räumen wir keine Discounter mehr." Dabei ist für die Messung und Bewertung der Schneelast ein umfangreiches Fachwissen erforderlich, das Gunnar Klein als Bauingenieur aufweisen kann. So muss, wenn Schneemassen vom Dach geschippt werden, auch der seitliche Druck auf ein Haus ausgeschlossen werden, der sich durch die anfallenden Schneeberge schnell aufbauen kann. Eine Schneelastproblematik gibt es grundsätzlich auf allen Dächern, egal, ob steil oder flach. Eine zunehmende Anzahl von Photovoltaikanlagen auf den Dächern verschärft das Problem noch, da dieses Gewicht noch zusätzlich auf die Dachflächen drückt. Handelt es sich "nur" um Schnee und Eis, wird mit einem Rohr ein Prüfkörper ausgestochen, der gewogen und über die Dachfläche hochgerechnet wird. Da jedes Dach eine definierte Traglast hat, kann über diese Verfahren schnell eine "Diagnose" gestellt werden. Sollte wirklich einmal Gefahr im Verzug sein, ist schweres Gerät fehl am Platz. In Handarbeit wird das Dach geräumt. Pro freigeschaufeltem Quadratmeter kann ein Mann mehr aufs Dach, um zu helfen, da es Spitzenlasten zu vermeiden gilt. "Zurzeit haben wir in St. Ingbert aber keine bedenklichen Schneelasten", so Klein. Und das ist gut so, denn auf dem Dach lauern für die Leute vom THW immer wieder "Fallstricke" unter anderem in Form von instabilen Lichtbändern oder -kuppeln.


St. Ingbert. Schnee auf den Dächern ist nicht nur ein gewichtiges Problem im Hinblick auf die Gesamtlast (siehe Haupttext). Gefährlich wird's auch dann, wenn sich die Masse in Bewegung setzt und als Lawine mehrere Meter vom Dach rutscht. Für entstandene Schäden können Hausbesitzer haftbar gemacht werden, doch so weit muss es nicht kommen. Timo Meyer, Wehrführer der St. Ingberter Feuerwehr, hat einen Tipp: "Wenn es möglich ist, einfach ein Dachfenster öffnen und etwa mit Hilfe eines Besens die Schneemasse vom Dach lösen." Hilft das nicht und die Lawinengefahr ist akut, rät Meyer, einen Dachdecker zu rufen. Ist der nicht verfügbar, rückt schlimmstenfalls die Feuerwehr aus. "Das entscheidet auch der Leiststellen-Disponent", so Meyer.

Die Stadt empfiehlt, Warnschilder aufzustellen oder schützende bauliche Maßnahmen zu treffen. Zur Abwehr sich anbahnender Gefahren darf kurzzeitig auch der Gehweg gesperrt werden. obe



Dachlawinen-Warnung in der Pfarrgasse. Foto: Oliver Bergmann
Dachlawinen-Warnung in der Pfarrgasse. Foto: Oliver Bergmann