| 20:17 Uhr

Wenn Punk auf Flower-Power trifft

Die Sänger des MGV Frohsinn St. Ingbert beim Neujahrskonzert in der Stadthalle St. Ingbert. Foto: Jörg Martin
Die Sänger des MGV Frohsinn St. Ingbert beim Neujahrskonzert in der Stadthalle St. Ingbert. Foto: Jörg Martin
St. Ingbert. In einer Zeit, die von ständiger Veränderung und immer fortschreitendem Wandel geprägt ist, freut man sich, wenn es konstante Größen gibt. So ist das auch mit dem Kulturleben einer Stadt. Das zweite gesellschaftliche Ereignis des neuen Jahres innerhalb der ersten Kalenderwoche - gleichsam das zweite Neujahrskonzert 2013 - zählt gewiss dazu Von SZ-Mitarbeiter Jörg Martin

St. Ingbert. In einer Zeit, die von ständiger Veränderung und immer fortschreitendem Wandel geprägt ist, freut man sich, wenn es konstante Größen gibt. So ist das auch mit dem Kulturleben einer Stadt. Das zweite gesellschaftliche Ereignis des neuen Jahres innerhalb der ersten Kalenderwoche - gleichsam das zweite Neujahrskonzert 2013 - zählt gewiss dazu. Am Freitagabend war die Stadthalle wieder Ort des Neujahrskonzertes, welches bereits seit 13 Jahren stattfindet.



Der Männergesangverein (MGV) Frohsinn St. Ingbert, der übrigens dieses Jahr 120 Jahre alt wird, fiel diesmal vor allem durch eine gelungene Programmauswahl der drei Chöre, nämlich des Canticum Novum (Leitung und Klavier: Markus Schaubel), des Kuckuckschors Hassel (Leitung: Hans-Jürgen Spengler) und des MGV selbst (Leitung und Klavier: Markus Schaubel/Schlagzeug: Wolfgang Schmelzer) sowie der Orchestergemeinschaft Musik verbindet Oberwürzbach (Leitung: Marc Stutz-Boukouya) auf. Die Zuschauer erlebten ein Kontrastprogramm, wie man es nicht jeden Tag findet. Da muss man Moderator Andreas Herold zweifelsohne recht geben.

Da traf beispielsweise beim MGV das Potpourri "Maske in Blau" aus der gleichnamigen Fred Raymond-Operette auf den aktuellen Charttitel der Düsseldorfer Punkband Die Toten Hosen, nämlich "Tage wie diese". Wann hat man einen Männerchor schon einmal mit diesem Lied gehört? Der ein oder andere im Publikum musste sich zwar erst noch ein wenig orientieren, schien aber offen für Neues zu sein. Apropos Publikum: Da gab es kaum einen Titel, der nicht mit "Bravo!"-Rufen goutiert wurde. Die Oberwürzbacher Orchestergemeinschaft nahm die St. Ingberter gleich mit auf eine südamerikanische Reise. "Santana a portrait" mit dem Saxofon-Solo von Antje Herrmann beeindruckte hier genauso wie der "Florentiner-Marsch" von Julius Fucik, bei dem das Publikum auch zum Solo von Trompeter Frank Hubertus mitklatschte.

Und dann hatte der Hasseler Kuckuckschor Premiere: das erste Neujahrskonzert seit seiner Eigenständigkeit. Hier eroberte ein Mann sofort die Herzen der Konzertbesucher: Solist Theo Anselmann. Er sorgte für eine Stimmungsmischung aus Seemannslied-Feeling und Ivan Rebroff. "Die Wolga fließt ins Abendrot hinein" begeisterte das Publikum. Auch bei "Feuerige Herzen, roter Wein", überzeugten Wolfgang Hubertus (Solo-Gesang) und Geiger Rudi Anselmann. Evergreens aus längst vergangenen Tagen waren der Schwerpunkt beim Chor Canticum Novum. Erinnerte man zunächst mit dem Louis-Armstrong-Titel "What a wonderful world" an den Vietnamkrieg, brachte "California dreamin'" Erinnerungen an die Flower-Power-Zeit zurück. Und auch das hat Tradition beim MGV: Am Ende sangen alle gemeinsam den Flieger- und den Steigermarsch. Letzterer musste als Zugabe gar wiederholt werden. Ja, Abende wie dieser...