| 21:46 Uhr

Blieskastel
Wenn der Kragen platzt

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Blieskastels Bürgermeisterin Annelie Faber-Wegener ist in dieser Woche der Kragen geplatzt und hat einen geharnischten Brief an Landrat Theophil Gallo geschrieben. Hintergrund: Nach gut 30 Jahren wird das Sanierungsgebiet „Stadtmitte Blieskastel“ abgewickelt. Von Joachim Schickert

Aus diesem Grunde hatte kürzlich eine Infoveranstaltung mit dem Gutachterausschuss des Saarpfalz-Kreises in der Bliesgau-Festhalle stattgefunden, bei der zahlreiche betroffene Anwohner zugegen waren. In der Folge war es zu vielen Bürgerbeschwerden gekommen – nicht nur wegen der unverständlichen Sprache, vor allem auch wegen einiger Aussagen der Vertreter des Gutachterausschusses, die als überheblich und arrogant wahrgenommen wurden. Ratlos waren die Teilnehmer auch bei der Beamer-Präsentation, die schon in der ersten Besucherreihe nicht mehr zu erkennen war. Die Verwaltungschefin hat sich in ihrem Brief ans Homburger Landratsamt vernehmlich im Ton („Sehr geehrter Herr Landrat“), aber eindeutig in der Sache hinter diese Kritik der Bürgerinnen und Bürger gestellt. Sie hat den Landrat gebeten, dass er seine Mitarbeiter für die demnächst anstehenden Erörterungen in dieser Sache nochmals sensibilisieren möge. Sie sollten Sorgen und Nöte der Anwohner ernst nehmen, Fragen wohlwollend behandeln und Einwände neutral und mit der notwendigen Objektivität betrachten und abwägen. Die mahnenden Worte der Bürgermeisterin sind durchaus nachzuvollziehen. Denn schon der Titel der „Informationsveranstaltung“ in der Bliesgau-Festhalle war sehr sperrig gewesen: „Ermittlung sanierungsbedingter Bodenwerterhöhung im Sanierungsgebiet Stadtmitte Blieskastel“. Dabei ging es doch, und das interessiert die Leute, darum, dass ihre Grundstücke nach Jahrzehnten der Sanierung jetzt mehr Wert sind und sie deshalb demnächst zur Kasse gebeten werden. So waren denn auch nach der Veranstaltung Kommentare wie „Frechheit“ oder „unverschämt“ zu hören. Bei allem Respekt vor Genauigkeit und Rechtssicherheit brauchen die Betroffenen Erläuterungen in einer Sprache, die Otto Normalverbraucher auch verstehen kann. Vom 9. Juli bis zum 24. August können sich die Grundstückseigentümer individuell informieren. Hoffentlich wird man wenigstens dann dem Anspruch gerecht, dass die Leute begreifen, um was es bei ihnen konkret geht. Wie hieß es doch von Seiten der Anwohner schon vor der Infoveranstaltung: „Die wollen nur unserer Bestes – unser Geld.“ Wenigstens das war den meisten schon klar.