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Leserbrief
Welcher Elefant jongliert gerne?

Wildtiere im Zirkus red

Natürlich fängt Tierschutz Zuhause an; allein schon zum Beispiel bei der Ernährung, sich nicht zu sehr von Fleischesgier leiten zu lassen. Diese Weisheit ist aber wahrlich keine Kolumne wert.


Fakt: Das Elend der Zirkustiere verröchelt seit Jahrhunderten im Würgegriff kommerzieller Vermarktung. Waren es früher arme exotische Kreaturen der menschlichen Spezies, „Zwerge oder Riesen“, nach Europa verschleppte Schwarze, Indianer, Eskimos, sind es heute „nur“ noch Tiere, die in kleinen Schaukäfigen durch klimatisch fremde Lande gekarrt und dann einem wohlig schaudernden Publikum vorgeführt werden. Zirkustiere sind zwangsläufig schlimmster körperlicher Beengtheit, unvermeidbarem oft qualvollem Dressur-Drill ausgesetzt. Welcher Elefant jongliert beispielsweise schon gerne freiwillig seinen tonnenschweren Körper im „Handstand“ auf zwei Beinen, oder welchem Tiger wurde in die Wiege gelegt, freudig durch brennende Ringe zu springen? Tiere sind empfindsame Mitgeschöpfe, keine Dressur-Marionetten.
Was ist das für ein „Spaß“, sich an solchen Mätzchen zu erfreuen, die den Tieren auf mehr oder minder humane Art eingebleut wurden? Stereotype Beteuerungen der Zirkusleute betreff „vorzüglicher Tierhaltung“ sind schlichter Unfug, da es eine gute „Wildtierhaltung“ im Zirkus systembedingt nicht gibt.

Im Gegensatz zu Haus- und so genannten Nutztieren haben Zirkus-Wildtiere den Prozess der Haustierwerdung (Domestikation) noch nicht durchlaufen. Sie sind – selbst wenn sie in Gefangenschaft geboren sind – hinsichtlich ihres Verhaltens und ihrer Bedürfnisse immer noch Wildtiere. Kein noch so großes Gehege, geschweige denn die Transportbehältnisse können den Raum ersetzen, den ein Tiger, eine Giraffe oder eine Elefantenherde in freier Wildbahn oft kilometerweit durchstreift. Wildtiere werden nicht umsonst Wildtiere benannt. Ja, zu Spaß, Spiel und zirzensischen Kunststücken – aber ohne (Wild-)Tiere. Jeder Zirkusbesucher muss sich darüber im Klaren sein, daß er mit seinem Eintrittsgeld indirekt übelsten Tiermissbrauch unterstützt. „Tierfreund“ heißt im Sinne des Wortes „Freund des Tieres“. So mag ein Zirkusbesucher vielleicht ein „Hund-Katze-Maus-Freund“ sein – ein ernsthafter Tierfreund (dieser Begriff umfasst alle Tierspezies) ist er aber nicht.