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Kreisentscheid des Vorlesewettbewerbs
Wo der Spaß am Buch deutlich wird

Diese 15 Schülerinnen und Schüler, hier im Kreis von Jury und Organisatoren, stellten sich am Mittwoch dem Kreisentscheid des 59. Vorlesewettbewerbs des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, den am Ende Elisabeth Schwan (mitte, gelbes T-Shirt) für sich entscheiden konnte.
Diese 15 Schülerinnen und Schüler, hier im Kreis von Jury und Organisatoren, stellten sich am Mittwoch dem Kreisentscheid des 59. Vorlesewettbewerbs des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, den am Ende Elisabeth Schwan (mitte, gelbes T-Shirt) für sich entscheiden konnte. FOTO: Thorsten Wolf
St. Ingbert/ Homburg. Elisabeth Schwan vom Homburger Gymnasium Johanneum gewann den Kreisentscheid des 59. Vorlesewettbewerbs. Sie musste wie alle Teilnehmer aus ihrem Lieblingsbuch und einem Fremdtext lesen. Von Thorsten Wolf

Ein bisschen scheint es derzeit so, als entwickle sich Homburg inhaltlich und örtlich zum „Zentrum des Lesens“ in unserer Region: Erst kürzlich absolvierten 17 neue ehrenamtliche Leselernhelfer ihre Ausbildung und sind nun an Grundschulen in Homburg und der Region unterwegs. Zusätzlich stellten Oberstufenschüler des Homburger Mannlich-Gymnasiums in dieser Woche ihre „Digitale Schnitzeljagd“ vor. Mit diesem Projekt können Besucher zukünftig auf elektronisch unterstütztem Weg die Homburger Stadtbücherei erkunden (wir berichteten). Am Mittwoch nun komplettierte der Kreisentscheid zum 59. Vorlesewettbewerb des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, ausgetragen im kleinen Sitzungssaal des Homburger Forums, das Bild der Kreis- und Universitätsstadt als Ort der Lesebegeisterung. Konkret ging es für 15 Schülerinnen und Schüler der Klassenstufe 6 von Schulen aus dem ganzen Saarpfalzkreis darum, den Sprung in die nächste Runde, den Landesentscheid, zu schaffen. Am Ende machte Elisabeth Schwan vom Homburger Gymnasium Johanneum das Rennen.


Wer nun eine sehr seichte Vorstellung von einem solchen Vorlese-
wettbewerb hat, der irrt. Tatsächlich mussten sich die 15 Teilnehmer und Teilnehmerinnen am Mittwoch einer kompetenten Jury stellen. Die bestand aus der Vorjahressiegerin Frida Wachter, Andrea Sailer als Leiterin der Stadtbibliothek Homburg, Bernhard Becker, dem Leiter Fachbereich Kultur und Heimatpflege der Kreisverwaltung, und aus Reiner Marx, ebenfalls vom Fachbereich Kultur und Heimatpflege. Alle vier hatten ein sehr aufmerksames Ohr für das, was ihnen da vorgelesen wurde. Und auch bei der Auswahl der Texte gab es eine Herausforderung: So lasen die Schülerinnen und Schüler zuerst drei Minuten lang aus einem von ihnen selbst gewählten Buch. Zusätzlich galt es dann noch, weitere zwei Minuten lang aus einem fremden Werk vorzutragen.

Hier hatte sich Jury-Mitglied Andrea Sailer, ganz Fachfrau, für das Buch „Wir werden von Kannibalen zum Essen eingeladen - oder gegrillt“ aus der Feder von C. Alexander London entschieden. „Es handelt sich dabei um ein großes Abenteuer in den Ferien, das ein Geschwisterpaar bestehen soll. Und wir werden sehen und hören, ob das so ist.“ Es war also alles bestens angerichtet für den Vorlesewettbewerb, die Angehörigen der teilnehmenden Kinder waren genauso gespannt wie die Jury.

Und über alles wachte Beate Hussong, Jugendpflegerin beim Saarpfalz-Kreis und am Mittwoch für die Organisation und den ordnungsgemäßen Ablauf zuständig – samt kleinem Glöckchen, mit der sie sekundengenau die Lesezeiten ordnete. Doch bevor mit Julian Solomeyer vom Saarpfalz-Gymnasium, er las aus Michael Endes „Der Wunschpunsch“, der erste Kandidat seinen Auftritt hatte, war es an Saarpfalz-Landrat Theophil Gallo, den Schülerinnen und Schülern sowie den Machern des Wettbewerbs Respekt für ihren Einsatz zu zollen. „Das ist schon etwas Besonderes, dass wir uns hier zu einer solchen Veranstaltung zusammenfinden – wenn man überlegt, dass auf der Welt um die 900 Millionen Menschen gibt, die nicht lesen können. In Deutschland sind es wohl um die sieben Millionen.“ Dabei sei Lesen wichtig für eine gesellschaftliche Teilhabe. Und: Die Teilnehmer des Wettbewerbs seien auch Vorbilder dafür, dass es nicht nur elektronische Medien wie Smartphones gebe. „Es ist deswegen schön, dass Ihr eurem Hobby, eurer Profession folgt“, so Gallo in Richtung der Schülerinnen und Schüler.

Doch was genau ist der Vorlesewettbewerb? Ein paar Fakten aus der Feder der Veranstalter selbst: Der Vorlesewettbewerb des Deutschen Buchhandels steht unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten und zählt zu den größten bundesweiten Schülerwettbewerben. Er wird zudem von der Kultusministerkonferenz empfohlen. Rund 600 000 Schülerinnen und Schüler beteiligen sich jedes Jahr. Mitmachen können alle sechsten Schulklassen. Wer gerne liest und Spaß an Büchern hat, ist eingeladen sein Lieblingsbuch vorzustellen und eine kurze Passage daraus vorzulesen. Der Vorlesewettbewerb wird dabei seit 1959 jedes Jahr vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels in Zusammenarbeit mit Buchhandlungen, Bibliotheken, Schulen und kulturellen Einrichtungen veranstaltet. Im Detail bewertet die Jury bei den Entscheidungen die entsprechende Lesetechnik, die Interpretation und die Textauswahl.