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Von der Kunst des Malens auf Wasser

Es ist jedes Mal ein spannender Moment, wenn die Ebru-Kunstwerke das Wasserbad verlassen. Gülhan Efkar (rechts) leitete einen Kursus bei der Awo St. Ingbert. Foto: Cornelia Jung
Es ist jedes Mal ein spannender Moment, wenn die Ebru-Kunstwerke das Wasserbad verlassen. Gülhan Efkar (rechts) leitete einen Kursus bei der Awo St. Ingbert. Foto: Cornelia Jung FOTO: Cornelia Jung
St Ingbert. Kursleiterin Gülhan Efkar hat an einer Fachoberschule für Kunst in der Türkei eine anatolische Gestaltungskunst kennen- und so sehr lieben gelernt, dass sie sie auch in St. Ingbert bekannt machen wollte. Jetzt gibt sie Kurse. con

. Malen auf Wasser, geht denn das? Ja, und sogar sehr effektvoll, wie Kursleiterin Gülhan Efkar in ihren Ebru-Kursen, die sie derzeit für die Arbeiterwohlfahrt in St. Ingbert anbietet, eindrucksvoll beweist. "Ebru" ist ein alt-türkisches Wort für Wolken und beschreibt eine Kunst aus dem 15. Jahrhundert, die teilweise unter dem Namen "Türkisches Marmorpapier" in Europa bekannt wurde. Hierzulande lernte man die Kunst des Malens auf dem Wasser, die aus Zentralasien stammt, erst 200 Jahre später kennen. Das Marmorpapier diente im Osmanischen Reich sowohl als Grundelement kunstvoller Kalligrafien als auch für Vorsatzblätter und Einbände wertvoller Bücher sowie als Grundlage fälschungssicherer Dokumente. Denn die Struktur jedes "Produkts" ist einzigartig und damit ein Unikat.

Frauen, die den Kursus der Türkin besuchen, wollen weder Bücher noch Urkunden verschönern, sondern lieben einfach nur die friedvolle Ruhe, die dann herrscht, wenn die Abzüge aus den mit Wasser, Kleister aus Pflanzenstärke, Farben und Ochsengalle präparierten Tauchschalen entnommen werden. "Für mich ist das wie Meditation", bestätigt die Kursleiterin, während sie einem Gast die Technik erklärt. Nachdem das Papier aber dem "Wasserbad" entnommen wurde, ist es mit der Ruhe vorbei. Jedes Werk wird mit Freude "begrüßt" und die Muster und Farben begutachtet. Doch es ist kein normales Marmorieren, sondern Ebru erlaubt vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten von der Tropfen- über die Kamm- bis hin zur Wellentechnik. Letztere sieht im Ergebnis aus wie der Faltenwurf eines Stoffes. Gülhan Efkar hat dieses Handwerk an einer Fachoberschule für Kunst in der Türkei erlernt und wollte diese Technik auch in St. Ingbert bekannt machen. Für den Kurs machten Bekannte aus Überzeugung so viel Werbung, das eine zweite Gruppe eingerichtet werden musste. Fast vier Monate trafen sich die Frauen wöchentlich für jeweils drei Stunden, um sich nicht nur gemeinsam an den Farben ihrer Werke zu berauschen, sondern auch Spaß zu haben. Und weil das Beschäftigen mit dieser Kunstform Freude macht und die Geselligkeit auch nicht zu kurz kommt, wird es für einige Teilnehmerinnen eine Fortsetzung bei Gülhan Efkar geben. Im Herbst wird solch ein Kurs auch für Kinder angeboten, die bei der Beschäftigung mit Ebru entschleunigen. Auf ihrer Homepage spricht Gülhan Efkar von Ebru als "legaler Sucht", die obendrein noch gesund und günstig ist. Anlässlich des 100.Geburtstages des Fidelishauses in St. Ingbert zeigt die Awo dort ab dem 20. Juli eine Woche lang, welche Effekte sich mit Ebru erzeugen lassen. Doch man muss vor dem Besuch der Ausstellung warnen, besteht doch die Gefahr, sich mit dem Ebru-Virus zu infizieren.



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Auf einen BlickWen diese faszinierende Ebru-Kunst interessiert und einen solchen Kurs besuchen will, kann sich telefonisch mit der Kursleiterin Gülhan Efkar unter (01 57) 74 31 79 56 in Verbindung setzen. Ab September startet ein Kurs für Kinder zwischen neun und 14 Jahren am Mathildenstift in den Räumlichkeiten der "St. Ingberter Tafel". Im Herbst werden auch die Frauenkurse neu angeboten oder fortgesetzt. Anschauen kann man sich die Ergebnisse der Kurse auf der Internetseite www.EFKAR.de. con