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Stiftung baut Wohnung für Senioren
Vom Kindergarten zur Seniorenwohnung

Jürgen de Giuli (Zweiter von rechts) erläutert dem Stiftungsvorstand und ersten Wohnungs-Interessenten die Pläne für den Umbau der ehemaligen Kita St. Michael. Geplant sind fünf seniorengerechte Wohnungen und eine Gästewohnung.
Jürgen de Giuli (Zweiter von rechts) erläutert dem Stiftungsvorstand und ersten Wohnungs-Interessenten die Pläne für den Umbau der ehemaligen Kita St. Michael. Geplant sind fünf seniorengerechte Wohnungen und eine Gästewohnung. FOTO: Cornelia Jung
St. Ingbert. Die Günter-Dörr-Stiftung baut die ehemalige Kita St. Michael zu einem altersgerechten Gebäude um. Von Cornelia Jung

Bezahlbarer Wohnraum in schöner Lage, barrierefrei und modern ist in St. Ingbert rar und deshalb sehr begehrt. Die Nachfrage übersteigt das Angebot, so wie beim Bläse-Haus in der Kaiserstraße, in das die Stadt am 9. Oktober zum Tag der offenen Tür einlädt. Noch ist das seniorengerechte Gebäude mit 13 Wohneinheiten und (Rück-)Blick auf die Gustav-Clauss-Anlage nicht fertig, aber die Liste der Interessenten ist mit bisher 70 recht lang. Umso interessanter dürfte unter diesem Gesichtspunkt ein Bauvorhaben im Mühlwald sein, das unter der Federführung der Günter-Dörr-Stiftung (siehe Infokasten) durchgeführt wird und am Donnerstag vorgestellt wurde.


Wie der Stiftungsvorsitzende, Oberbürgermeister Hans Wagner, bei der Vorstellung des Projektes in der Ostheimerstraße sagt, werde der Ertrag der Mieten aus den Wohnungen und Häusern des Stiftungsvermögens seit jeher karitativen Zwecken zugeführt. Nach dem Tod Dörrs wurde die Stadt Eigentümerin von mehreren Studentenwohnungen unter anderem in Mainz, Ludwigshafen und Kaiserslautern, deren Bewirtschaftung mit der Zeit sehr teuer wurde, so dass nicht mehr ausreichend finanzielle Mittel übrig blieben, um dem eigentlichen Zweck der Stiftung gerecht zu werden. Aus diesem Grund entschloss sich der Stiftungsvorstand zum Verkauf und überlegte, mit dem Geld ein Wohnprojekt in St. Ingbert auf die Beine zu stellen.

Als die Pfarrei Heiliger Ingobertus die ehemalige Kita St. Michael, Baujahr 1960, zum Kauf anbot, haben „wir die Gelegenheit beim Schopfe gepackt“, wie Wagner sagt. Geplant ist nun eine Nutzungsänderung, indem fünf altersgerechte Seniorenwohnungen und eine Gastwohnung mit Flächen zwischen 38 und knapp 86 Quadratmetern entstehen. Es wird ein energetisch hochwertiger Bau, den der St. Ingberter Architekt Jürgen de Giuli verantwortet. Mittlerweile sind die umfangreichen Planungsarbeiten und Ausschreibungen abgeschlossen, die Bauarbeiten vergeben und zum Teil schon begonnen. Von einer Rohbaufirma wurde das Gebäude bereits entkernt und für den Umbau fit gemacht.



Jemand, der sich für eine der Wohnungen interessiert, ist Otto Fischer, der derzeit in St. Ingberts Süden wohnt. Das Schild mit Hinweis auf den geplanten Bau hing erst ein paar Tage, da zeigte er bei der Stadt bereits sein Interesse. Das spricht für die Qualität des Wohngebiets, in das der langjährige „Mühlewäldler“ gern wieder zurück möchte. „Damit hätte ich die Gelegenheit, zu meinen Wurzeln zurückzukehren. Hier habe ich einen Großteil meiner Jugendzeit verbracht“, sagt der 80-Jährige. Interessiert schaut er sich mit seiner Lebensgefährtin, deren Eigenheim nur einen Steinwurf vom „Günter-Dörr-Haus“ entfernt ist, beim Pressetermin im künftigen Wohnhaus um. Er hat viele Fragen an den Architekten und kann sich den hinteren Garten, der zur gemeinsamen Nutzung der Mieter zur Verfügung steht, und die fertigen Wohnungen mit den angeschlossenen Terrassen, die man derzeit nur anhand des Grundrisses erahnen kann, anscheinend schon lebhaft vorstellen. Jede Wohnung wird einen Pkw-Stellplatz bekommen, im Keller gibt es Räume für Fahrräder, Waschmaschinen oder andere Geräte.

Doch der Clou ist die Flexibilität der Räume. De Giuli hat die tragenden Wände erhalten, um nicht in die Statik einzugreifen. Die Wohnungen werden sehr offen gehalten, Rigips-Wände können je nach Bedarf gestellt werden. „Da sie direkt auf den Estrich kommen, können sie herausgenommen und der Grundriss so variabel gestaltet werden“, beschreibt der Architekt das Vorhaben. Otto Fischer und seine Lebensgefährtin sind angetan von den Plänen und bedauern nur, dass die Oberlichter, die die Räume derzeit mit Licht fluten, aufgrund der Entfernung des alten Daches und Dämmarbeiten weichen müssen. Doch die großen, beiderseitigen Fensterfronten entschädigen dafür.

Im Idealfall sollte die Chemie zwischen den künftigen Bewohnern stimmen, denn der Bau wird so ausgelegt, dass es genügend Freiraum gibt, um miteinander ins Gespräch zu kommen. Das „Schmuckstück“, wie es Wagner jetzt schon nennt, soll im Frühsommer 2019 bezugsfertig sein.

So sieht die Kita St. Michael nach ihrer Entkernung aus.
So sieht die Kita St. Michael nach ihrer Entkernung aus. FOTO: Cornelia Jung