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Viele Gäste gingen freiwillig ins Gefängnis

In Sträflingskleidung oder in Polizeiuniform präsentierten sich die Organisatoren des Events von WSSI. Foto: Cornelia Jung
In Sträflingskleidung oder in Polizeiuniform präsentierten sich die Organisatoren des Events von WSSI. Foto: Cornelia Jung FOTO: Cornelia Jung
St Ingbert. Die Initiative „Wir sind St. Ingbert“ brachte am Wochenende Leben in das stillgelegte Gefängnis der Stadt. Am Freitag gab es Open-Air-Kino, am Samstag musikalische Action auf der Bühne, beides unter freiem Himmel. Cornelia Jung

Open-Air-Veranstaltungen kommen in dieser Jahreszeit immer gut an. Mit Kino unter freiem Himmel hat auch die St. Ingberter Kinowerkstatt gute Erfahrungen gemacht. Also organisierte am Freitag die Initiative "Wir sind St. Ingbert " (WSSI) das erste Mal mit dieser zusammen eine Filmvorführung im ehemaligen Gefängnis in der Alten Bahnhofstraße. Bereits beim Einlass merkte man, wo man war, denn (falsche) Polizisten sorgten "für Recht und Ordnung", wie Frank Leyendecker von WSSI, an diesem Abend selbst Sheriff, sagte. Man hatte sich wegen der Sitzplatzorganisation bei den Mitarbeitern der Kinowerkstatt informiert, mit wie vielen Besuchern zu rechnen ist. "Pro Abend kamen dort zwischen 40 und 60 Personen nach Rohrbach", sagte Alexander Eich von WSSI, "also haben wir mal 100 Stühle aufgestellt." Diese waren schnell voll, so dass noch einige Bockmöbel besorgt werden mussten. Insgesamt waren es um die 130 St. Ingberter, die sich den Film "Escape Plan" mit Sylvester Stallone und Arnold Schwarzenegger nicht entgehen lassen wollten. Diesen Gefängnis-Ausbrecher-Film hatte die "Gefängnisleitung" von WSSI ausgesucht, "weil er heute gut zu dieser Räumlichkeit passt", so Wolfgang Blatt. Oberbürgermeister Hans Wagner freute sich mit seiner Frau, dass "mich der Gefängnisdirektor persönlich begrüßt". Er hatte sogar Klappstühle dabei. Doch bevor bei einbrechender Dunkelheit der Hauptfilm anfing, gab es noch einen Film über St. Ingbert von 1960, der auch bei YouTube die Runde macht. "Escape Plan" selbst war Spannung pur bis zur letzten Minute. Die dramatisierende Musik wurde zeitweise nur vom Vorbeirauschen der Züge sowie dem Licht und dem "Plopp" des Popcorn-Makers unterbrochen. Diese Geräusche waren am Samstag beim Auftritt von "All That", die damit werben, das Beste der "schwarzen Musik" zu präsentieren, nicht mehr zu hören, denn der Auftritt der drei Sänger und einer Sängerin nahm bereits zu Beginn Fahrt auf. Es waren zwar nicht ganz so viele Zuhörer wie am Tag zuvor, aber diejenigen, die gekommen waren, hatten ihre ganz eigene Sommerparty. Wurde am Tag zuvor ein Action-Film gezeigt, bei dem die Zuschauer sitzend die Handlung verfolgten, gab es am Samstag im Innenhof des Gefängnisses den "Aktiv-Tag zum Mitmachen". Die Bänke wurden nicht lange benötigt, denn die meisten tanzten ausgelassen vor der Bühne, manche mit einem der bunten Smoothies in der Hand, die es statt Cocktails gab. Da störte auch nicht, dass die Vorgruppe abgesagt hatte, denn "All That" begann einfach früher. Manche Besucher zog es an beiden Tagen ans Gefängnis und von vielen war zu hören, dass sie sich schon auf ein nächstes Mal freuen.

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