| 20:46 Uhr

Leibniz-Gymnasium
„Versucht, was in der Welt zu ändern“

Diese 74 Schülerinnen und Schüler erhielten am Leibniz-Gymnasium ihre Abitur-Zeugnisse.
Diese 74 Schülerinnen und Schüler erhielten am Leibniz-Gymnasium ihre Abitur-Zeugnisse. FOTO: Cornelia Jung
St. Ingbert. 74 Abiturientinnen und Abiturienten feierten am St. Ingberter Leibniz-Gymnasium erstmals in eigenen Räumen das Ende der Schulzeit. Von Cornelia Jung

Das Leibniz-Gymnasium war am Freitag nur eine von vier St. Ingberter Schulen, die an diesem Tag ihre Entlassfeiern durchführten. Deshalb war die Stadthalle an diesem Abend ein begehrter Veranstaltungsort. Und so kam es, dass das Leibniz in der neuen Multifunktionshalle am Schulstandort eine Premiere feierte. Erstmalig fand die Zeugnisausgabe in den eigenen Räumlichkeiten statt und auch der Abiball einen Tag später ging nicht in der Mittelstadt, sondern in der Gebläsehalle in Neunkirchen über die Bühne.


Das dürfte den 74 Abiturienten aber egal gewesen sein, denn es zählte nur eines – sie hatten es geschafft. Mit dem Abitur in der Tasche waren sie „gechillt“. Dieser Jahrgang gehöre mit einem Gesamtdurchschnitt von 2,43 nicht zu den besten, wie Gerhard Graf sagte. „Doch gemessen an den menschlichen Qualitäten liegt ihr ganz weit vorn“, so der Abteilungsleiter Oberstufe. Es dürfte also auch für den Schulleiter ein Vergnügen gewesen sein, diese Schüler an seiner Schule gehabt zu haben. „Junge Menschen auf Ihrem Weg zu mündigen jungen Erwachsenen begleiten zu dürfen ist meiner Meinung nach ein Privileg und mit das Schönste an unserem Beruf“, sagte denn auch Erik Brill an die Absolventen gerichtet, die nun den „Schonraum Schule“ verließen. „Leben Sie ihr Leben, treffen Sie Entscheidungen und nehmen Sie deren Konsequenzen an. Umschiffen Sie Hindernisse oder räumen Sie sie aus dem Weg.“

Das Abi- Motto „Abi heute – Captain Morgen“ griff auch Thomas Freude mit seiner Elternrede auf. Der Schulelternsprecher hat selbst vor 30 Jahren am Leibniz sein Abi gemacht und ging auf die Wandlungen, die seitdem stattfanden, ein. Damals schien die Rente sicher, es gab die Wiedervereinigung. „Wir lernten die Wichtigkeit des Umweltschutzes so wie ihr heute die des Datenschutzes. Es hat sich seit 1988 wirklich viel verändert - die Technik, die Gesellschaft, das Klima, alles ist im Wandel.“ Und die damaligen Schüler sind Vater oder Mutter geworden. „Als so genannte Helikoptereltern werden wir in die Geschichte eingehen. Wir schwebten voller Achtsamkeit über euch, um unsere Kinder zu beschützen oder zu versorgen. Ich hoffe, es hat euch nicht zu sehr geschadet.“ Die Schüler hätten am Leibniz-Gymnasium auch (zwangsweise) gelernt, flexibel zu sein, denn deren Anpassungsfähigkeit sei durch jahrelange Umbaumaßnahmen an den Schulgebäuden perfektioniert worden.



Einen Rückblick auf die gemeinsame Schulzeit gab es mit der Lehrerrede von Britta Fichter und Florian Winkler, die über Gruppenzugehörigkeiten (eigentlich die Zuteilung der Schüler zum sprachlich-geisteswissenschaftlichen oder naturwissenschaftlichen Zweig) und die damit verbundenen Fakten und Klischees „philosophierten“. Nicht nur Aufsätze von Mädchen vs. Mathearbeiten von vorwiegend Jungs boten Gelegenheiten, Sprachler und Naturwissenschaftler auf die Schippe zu nehmen. „Doch egal, wie gegensätzlich die Bezugskurse (…) sich in vielen Bereichen zeigten – ein gemeinsames Ziel, auf das ihr geschlossen zusteuertet, verband euch und führte letztlich zur Überwindung jeglicher Gegensätze und Unterschiede: das Abitur!“ Beide Lehrer wünschten den Abiturienten, dass sie in Zukunft Vorurteilen und Klischees mit Humor und Toleranz begegnen und dabei nie ihre Begabung, Interessen und persönlichen Ziele aus den Augen verlieren mögen.

Das hat zumindest Carl Jung, der die Abiturientenrede hielt, nicht vor. Seine Generation sei mit Facebook und Co. groß geworden, Nachrichten von Kriegen habe sie begleitet und sie habe Angst vor Terroranschlägen. Diesen Problemen müsse man sich stellen, so der Abiturient. „Wer, wenn nicht wir. Versucht was in der Welt zu ändern“, rief er seinen Schulkameraden zu, „die Schule endet, etwas Neues fängt an. Was es ist, entscheiden allein wir. Ich bin gespannt, was uns erwartet.“