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Ulli Meyer: „Nicht erst fünf vor zwölf handeln“

Der vom Abriss bedrohte Schornstein der ehemaligen Brauerei (rechts) mit dem Beckerturm. Foto: Cornelia Jung
Der vom Abriss bedrohte Schornstein der ehemaligen Brauerei (rechts) mit dem Beckerturm. Foto: Cornelia Jung FOTO: Cornelia Jung
St Ingbert. Der Hochkamin der ehemaligen Becker-Brauerei ist für St. Ingberts Ortsvorsteher ein Präzedenzfall für den Umgang mit historischen Gebäuden. Im konkreten Fall fordert Meyer baldige Gespräche mit dem Eigentümer. red

. "Zum Bild St. Ingberts gehören die Alte Kirche, die Josefskirche und die Becker-Brauerei. Daher würde mit dem Abriss des Schornsteins neben dem Beckerturm auch irgendwie ein Stück St. Ingbert fehlen", meint Ortsvorsteher Ulli Meyer. Aufgrund von Abrissplänen für den Schornstein auf dem Brauerei-Gelände hat dieser am vergangenen Dienstag mit Stefan Braun, dem Geschäftsführer des Innovationspark Beckertum, ein Gespräch geführt. Dabei signalisierte der Eigentümer nach Meyers Angaben die Bereitschaft zu einer Sondierung mit der Stadt, wie die Verkehrssicherungspflicht angesichts von Schäden am Turm, die Wirtschaftlichkeit und eines Stück St. Ingberts gegebenenfalls unter Beteiligung der Stadt in Einklang gebracht werden könnten.

Der Ortsvorsteher begrüßt die Bereitschaft des Eigentümers des Innovationsparks zu einem Dialog mit der Stadt und lobt zugleich das große Engagement, mit dem Stefan Braun das Areal denkmalgerecht entwickelt. Der Ortsvorsteher regt einen Ortstermin mit Eigentümer, Oberbürgermeister, Bauausschuss und Landesdenkmalamt an, um sich die Schäden, die Kosten einer Sanierung, aber auch mögliche Wege zum Erhalt des Schornsteins und des Ensembles erläutern zu lassen. Seine Befürchtung: Der Abriss des Schornsteins könnte ein Präzedenzfall für andere wichtige Gebäude sein. Aus Sicht des Ortsvorstehers gilt es jedoch aus den Diskussionen der vergangenen Monate Lehren zu ziehen. "Wir diskutieren über die Rettung historischer Gebäude in der Regel erst dann, wenn es fünf vor zwölf ist. Mit diesem kurzfristigen Denken können wir die wichtigen Gebäude nicht erhalten."

Daher rege er eine offensive Strategie an, um zu verhindern, dass weitere wichtige St. Ingberter Gebäude erst dem Verfall und dann der Abrissbirne preisgegeben werden. "Wir brauchen eine strategische Planung in St. Ingbert, welche Gebäude wir langfristig erhalten wollen und welche es wert und welche es nicht wert sind, unseren Nachkommen übergeben zu werden", sagt Meyer. Notwendig sei in St. Ingbert eine lebendige Diskussion mit Sachverständigen (zum Beispiel Landesdenkmalamt und Stiftung Baukultur), Stadt und St. Ingbertern, wie man in den nächsten Jahrzehnten ein modernes St. Ingbert mit historischem Erbe erreichen könne.



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