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Über die Brennerei von einst

Die „Branntweinbrennerey aus Grundbirnen“ war in Niederbexbach bis in die jüngste Vergangenheit hinein ein verbreiteter Erwerbszweig. 1844 waren in dem Dorf zehn Brennhäuser in Betrieb. Fotos: Martin Baus
Die „Branntweinbrennerey aus Grundbirnen“ war in Niederbexbach bis in die jüngste Vergangenheit hinein ein verbreiteter Erwerbszweig. 1844 waren in dem Dorf zehn Brennhäuser in Betrieb. Fotos: Martin Baus
Saarpfalz-Kreis. Die landwirtschaftliche Brennerei hatte in der Saarpfalz einen hohen Stellenwert, unter anderem in Niederbexbach. Dies ist jetzt Thema der neuen Ausgabe der Saarpfalz. Außerdem geht es um Prozessionen zu Fronleichnam. Von SZ-Mitarbeiter Martin Baus

"Endlich ist das an einzelnen Orten außerordentlich zunehmende Laster des Branntweintrinkens zu erwähnen. Die Branntweinbrennereyen aus Kartoffeln vermehren sich von Tag zu Tag. Je mehr indessen gebrannt wird, desto je wohlfeiler wird das Produkt, der Branntwein, und folgenderweise steigt auch die Trinklust. Wo diese aber einmal eingerissen, ist dieselbe von außerordentlichen Folgen und ruiniert oft ganze Familien, ja ganze Gemeinden in ethischer, moralischer und ökonomischer Beziehung": Welche dramatischen Folgen der seinerzeit weit verbreitete Konsum von Kartoffelschnaps hatte, fasste der Homburger Landcomissär Siebenpfeiffer im Jahr 1830 in seinem Verwaltungsbericht an die königlich-bayrische Regierung in München zusammen.

Dabei betonte er, dass bei allem Übel die "Brennereyen" für die Viehzucht, einem der stärksten Wirtschaftszweige in seinem Zuständigkeitsbereich, unerlässlich seien. Dass insbesondere in Niederbexbach die landwirtschaftliche Brennerei ein starkes Fundament hatte, das stellt Hubert Roeder in der neuen Ausgabe der "Saarpfalz" heraus. Der Vorsitzende des Vereins für Heimatkunde Höcherberg lässt in den "Blättern für Geschichte und Volkskunde" - der 117. Nummer inzwischen - Revue passieren, dass Branntwein "ein billiges und wirkungsvolles Getränk und vor allem in den unteren Bevölkerungsschichten weit verbreitet war. So gab es denn 1844 allein in Niederbexbach zehn Bauerngehöfte, die mit einem "Brennhaus" versehen waren.

Mit einem weiteren "Bexbacher Thema" befasst sich Hans-Joseph Britz: Er geht auf die Entwicklung der Prozessionen zu Fronleichnam in der Höcherberg-Stadt ein. In eine dunkele Phase der deutschen Geschichte blickt der frühere Limbacher Ortsvorsteher Gerd Imbsweiler zurück. Dass sich der damalige Gemeinderat verhielt wie in rund 4000 anderen Kommunen auch und Hitler wie Hindenburg die Ehrenbürgerschaft antrug, um den "Führer" und seinem Steigbügelhalter die Willfährigkeit zu beweisen, arbeitet der Autor eindringlich heraus.

Und er zeichnet nach, wie handelnde Personen, die bis dahin nicht in dem Ruch standen, den Nazis nahe zu stehen, zusehends serviler wurden und sich dem braunen Zeitgeist anpassten. Die Limbacher Kirche, die 1702 noch "eher einem Viehstall als einem Gotteshaus" geglichen habe, bearbeitet Karl Lillig anhand eines von ihm im Archiv der Herzog-Wolfgang-Stiftung in Zweibrücken gefundenen Dokumentes, Bernhard Bonkhoff beleuchtet die Zielsetzung von Medaillen, die zu Saargebietszeiten vornehmlich zur antifranzösischen Agitation herausgegeben wurden und Horst Weingart zitiert die Aufzeichnungen des Mimbacher Pfarrers Aign, die sich mit dem Beginn des deutsch-französischen Krieges 1870/71 und den Geschehnissen im Bliestal befassen. Wolfgang Laufer schließlich, der frühere Direktor des Landesarchivs Saarbrücken, erläutert die abenteuerliche, inzwischen fast legendäre Flucht der Blieskasteler Gräfin Marianne von der Leyen vor den französischen Revolutionstruppen 1793.

Dabei geht er insbesondere auf ihre Fluchthelfer ein und legt dar, wie diese für ihr Verhalten mitunter "lebenslänglich" belohnt wurden.


Zum Thema:

Auf einen BlickSaarpfalz - Blätter für Geschichte und Volkskunde - Ausgabe 2/2013 64 Seiten, sieben Beiträge, eine Buchvorstellung, 23 Abbildungen; Kalendarium "historischer Veranstaltungen im dritten Quartel 2013. Bezug: Amt für Heimat- und Denkmalpflege des Saarpfalz-Kreises, Zimmer 417, Landratsamt Homburg, Tel. (0 68 41) 1 04 84 09, E-Mail: marianne.hepp@saarpfalz-kreis.de sowie im Buchhandel und bei den Kultur- und Verkehrsämtern der Kommunen. Preis: 3,25 Euro. bam