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Turmfalken in St. Ingbert
Turmfalken bremsen Renovierung

Das Gerüst, das an der St. Konradkirche angebracht war, ist wieder abgebaut. Denn auf dem Turm brühten Falken.
Das Gerüst, das an der St. Konradkirche angebracht war, ist wieder abgebaut. Denn auf dem Turm brühten Falken. FOTO: Tobias Fuchs
St. Ingbert. Weil Turmfalken an der St. Konradkirche nisten, kann an Uhr und Turm nicht gearbeitet werden. Von Michael Aubert

Falco tinnunculus – der Turmfalke. Er ist der häufigste Falke in Mitteleuropa. Weil er sich auch die Städte als Lebensraum erobert hat, gehört er zweifelsohne zu den Gewinnern. Im Volksmund wird der Turmfalke unter anderem auch Dom- oder Kirchfalke gerufen. Wie der Name schon sagt, nistet er eben gerne hoch oben. Wie etwa in der St. Josefkirche oder seit vergangenem Jahr auch in der St. Konradkirche in St. Ingbert. Im Grunde sind sie dort auch gern gesehene Gäste. Doch die Falken in der St. Konradkirche verhindern nun die Renovierung der Uhr und des Turms.


„Die Uhren“, sagt St. Ingberts Pfarrer Andreas Sturm, „laufen schon lange nicht mehr synchron“. Und bei der Begutachtung des Turms sei dann festgestellt worden, dass auch die Fassade renoviert werden muss. Das Gerüst, das das Planungsbüro Michaeli und Partner aus Rohrbach nach dem weißen Sonntag für 2400 Euro aufstellen hat lassen, ist bereits wieder abgebaut. „Mit der Nähe zur Schule war es uns einfach zu riskant, das Gerüst drei Monate stehen zu lassen“, sagt Andreas Michaeli. Dass sich dort im Turm Falken eingenistet haben, sei überraschend gewesen, „sonst hätten wir das Gerüst doch gar nicht erst aufgestellt“, sagt Michaeli.

Denn, und das ist auch ihm bewusst: „Greifvögel stehen unter strengem Schutz“, sagt Gabi Stein, vom Nabu St. Ingbert. In Deutschland leben nach Angaben des Naturschutzbundes knapp 50 000 Turmfalken-Paare, in Europa 350 000. Etwa zehn davon in St. Ingbert. Und jeweils eines in den genannten Kirchen. Vieles, so Gabi Stein, wie etwa die Tatsache, dass sich beide immer in der Nähe des Turms aufhalten, deute darauf hin, dass das Falkenpärchen im Turm der Konradkirche auch brütet. Und das bedeutet: Die beiden Falken brauchen Ruhe.

Und so muss sich die Kirchengemeinde wohl noch gedulden, bis mit den Renovierungsarbeiten begonnen werden kann, „bis die Jungen das Neste verlassen“, sagt Stein. Irgendwann im Verlauf der zweiten Junihälfte werde es so weit sein. Wie bei den anderen Falken in St. Ingbert. Nach Angaben von Gabi Stein, gebe es in der Mittelstadt noch fünf weitere „sichere“ Nistplätze. Etwa in der Hasseler Chaussée, auf dem Klebergelände, einem Privatgebäude in der Dudweiler Straße und St. Hildegard. „Es gibt noch mehr Falken in St. Ingbert“, erzählt sie, „aber genau lassen sie sich oft nicht lokalisieren.“

Die Voraussetzungen für die Falken in der Mittelstadt scheinen gegeben, ebenso wie die Akzeptanz. Denn grundsätzlich ist die Anwesenheit des Greifvogels auch für St. Ingberts Pfarrer Andreas Sturm ein Segen. „Die Falken freuen uns sehr“, sagt Andreas Sturm. Ihnen ist es schließlich zu verdanken, dass sich die Tauben in und um die Gotteshäuser nicht zu wohl fühlen. Ihr Kot greift die Sandsteinmauern der Kirche an. Eine Reinigung ist, so Pfarrer Sturm, mit einem enormen Kostenaufwand verbunden. Die Tauben scheinen vor den Falken etwas mehr Respekt zu haben, als vor den Dohlen. Weil diese nämlich schon seit jeher den für die Falken bestimmten Nistkasten im Turm der Josefskirche besetzen, hat der Nabu einen weiteren „offenen Nistkasten“ für die Falken im Kirchenschiff gesetzt – mit Erfolg. Es muss also auch nicht immer ganz oben sein – der Falke passt sich eben an.



Ein Turmfalke.
Ein Turmfalke. FOTO: dpa / Daniel Karmann