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Traumergebnis für Abbau-Gegner

Bei der Auszählung der Stimmen (von links): Stephan Schepp-Weyrich, Axel Kammerer und Willi Klein. Foto: Erich Schwarz
Bei der Auszählung der Stimmen (von links): Stephan Schepp-Weyrich, Axel Kammerer und Willi Klein. Foto: Erich Schwarz FOTO: Erich Schwarz
Wolfersheim. Selten gibt es solch eine dermaßen hohe Wahlbeteiligung wie bei der Bürgerbefragung zum Kalksteinabbau in Wolfersheim. Es liegt den Leuten am Herzen, diesen zu verhindern: 98,5 Prozent, also fast alle, stimmten gegen den Abbau, nur 1,5 Prozent der Abstimmungsteilnehmer sind dafür. Erich Schwarz

Eigentlich hatte jeder ein klares Ergebnis erwartet. Aber die Höhe der Bürgerbeteiligung wie auch die absolute Ablehnung der Wolfersheimer war dann in dieser Klarheit doch schon überraschend: Mit knapp 84 Prozent der Wolfersheimer Wahlberechtigten bei der Abstimmung über den Kalksteinabbau auf dem Rubenheimer Hanickel hatte man, so Ortsvorsteher Stephan Schepp-Weyrich, ein "Traumergebnis" erzielt (wir berichteten). Und Axel Kammerer, Sprecher der "Bürgerinitiative gegen den Kalk-Tagebau im Bliesgau" hatte sich im Internet informiert: Bürgerbefragungen mit einer derart hohen Beteiligung kommen eigentlich nie vor. Ein Grund zum Jubeln - zumindest für die Wolfersheimer - war auch das Ergebnis. "Industrieller Kalksteinabbau auf dem Hanickel - dafür oder dagegen", darüber sollten die Bürger abstimmen. Insgesamt 336 Bürgerinnen und Bürger (98,5 Prozent) sind gegen den Abbau, lediglich knapp 1,5 Prozent (fünf Stimmen) sprachen sich für den Kalksteinabbau aus. Vier Stimmzettel wurden als ungültig eingestuft. Punkt 18 Uhr hatte man wie angekündigt mit der Auszählung begonnen, ein knappes Dutzend Bürgerinnen und Bürger wollten die Auszählung miterleben. Ausgezählt wurden die Befragungszettel von Ortsvorsteher Stephan Schepp-Weyrich und vier Mitgliedern des Ortsrates. "Der Kalksandsteinabbau in Rubenheim wird für Wolfersheim das beherrschende Thema der nächsten Jahrzehnte sein", prophezeite der Sprecher der Bürgerinitiative, Axel Kammerer. Derweil wies Ortsvorsteher den Vorwurf zurück, es handele sich bereits um eine vorgezogene Wahlkampfaktion: "Das hat überhaupt nichts mit Wahlkampf zu tun. Wir waren im Ortsrat einstimmig gegen die Erweiterung des Steinbruchs und wollten einfach nur wissen, ob das die Bevölkerung im Dorf genau so sieht", unterstrich der bei der Kommunalwahl nicht mehr kandidierende Ortsvorsteher. Mit der Bürgerbefragung habe man das Thema noch einmal öffentlichkeitswirksam in den allgemeinen Fokus rücken wollen. "Und an der Wahlbeteiligung kann man dann auch ablesen, wie dieses Thema die Bürgerinnen und Bürger bewegt, wie hier die Emotionen hochgehen", unterstrich Schepp-Weyrich. Aber er räumte auch ein, dass die Bürgerbefragung keine juristischen Konsequenzen nach sich ziehe. Axel Kammerer stellte fest, "dass der Kalktagebau auf dem Hanickel bei der Bevölkerung in der Region keinerlei Akzeptanz besitzt".

Die hohe Wahlbeteiligung und das eindeutige Ergebnis zeigten, dass "sich die Bürgerinnen und Bürger bisher von der Politik und den Behörden verraten und im Stich gelassen" fühlten. Er forderte alle politischen Kräfte auf, sich "umgehend gegen das Zielabweichungsverfahren im Zuge der beantragten Erweiterung einzusetzen". Die Landesplanung dürfe sich nicht über alle Bedenken zu Gunsten eines einzelnen Unternehmers hinwegsetzen. "Der Kalktagebau inmitten der Naturschutzgebiete und direkt neben der Kernzone der Biosphäre schadet auf vielfältige Weise nicht nur der Natur, er schadet vor allem auch den Menschen", so der Sprecher der Bürgerinitiative.