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Traditionsmarkt in der Mittelstadt
Traditionspflege beim Einkauf in der Fußgängerzone

Einkaufen gegen die Kälte: Geneviève Sehn (links) freut sich über ihre neuen Wollhandschuhe. Auch ihr Mann Michael (rechts) schaut sich um.
Einkaufen gegen die Kälte: Geneviève Sehn (links) freut sich über ihre neuen Wollhandschuhe. Auch ihr Mann Michael (rechts) schaut sich um. FOTO: Cornelia Jung
St. Ingbert. Der Lichtmessmarkt in der St. Ingberter Innenstadt ist bei den Bürgern der Mittelstadt beliebt. Er geht auf einen alten Feiertag zurück. Von Cornelia Jung

Gestern fand in der Fußgängerzone der Lichtmessmarkt statt – bei optimalem Wetter. Morgens war es kalt, später zeigte sich sogar die Sonne. Das nutzten die St. Ingberter zum Flanieren und Einkaufen. Cremes, Seifen, Tischdecken, Strümpfe, Wurst, Käse, Reiniger, Bürsten und Kleidungsstücke – das waren nur einige der auf dem Traditionsmarkt in der Mittelstadt angebotenen Waren.


Doch was ist Lichtmess eigentlich? „Das ist die Tag- und Nachtgleiche“, lag ein Händler falsch. Auch Torsten Becker, der Erzeugnisse vom Grumbachtalrind anbot, war ratlos. So wie ihm, Jahrgang 1982, geht es vielen. Als Bauern wussten seine Vorfahren noch, was es mit diesem auf den 2. Februar datierten Feiertag auf sich hatte, der eine besondere Bedeutung im Bauernjahr hatte. Mägde und Knechte bekamen ihren Jahreslohn in Naturalien und Geld, und sie erfuhren, ob ihr Dienstverhältnis verlängert wird. Lichtmess geht auf das Imbolc-Fest zurück, das einzige Frauenfest der vier großen gallischen Jahresfeste.

Auch im Volksglauben spielte es eine Rolle, wie Gunter Altenkirch vom Museum für dörfliche Alltagskultur in Rubenheim weiß. So gebe es drei Wintersonnenwenden, deren erste der Odilien- oder Lucientag am 13. Dezember auch gleichzeitig der dunkelste Tag im Jahreslauf ist. An Silvester wiederum ist der dunkelste Vormittag. An Lichtmess ist der Nachmittag eine Stunde länger hell, am Vormittag sind es 30 Minuten. Also wurde bei unseren Altvorderen der Tag mit eineinhalb Stunden mehr Helligkeit, an dem sie wieder ihrer landwirtschaftlichen Arbeit nachgehen konnten, immer gefeiert – eben Lichtmess.



Das Ereignis hat eigene Bräuche hervorgebracht, die vielfach mit Licht, Kerzen und Wachs in Verbindung standen. Es gibt diverse Lichtmess-Sprüche, die regional verschieden sind. „Lichtmess, spinne vagess, bei Daa ze Naad gess“, erinnert sich ein 80-jähriger Marktbesucher. Auch wenn er die Bedeutung von Lichtmess nicht kennt, ist ihm doch der Spruch noch von seinen Eltern und Großeltern vertraut.

„Mit Spinnen sind hier keine kleinen Tierchen gemeint, sondern die Winterarbeit am Spinnrad“, erklärt Museumsmann Altenkirch. Eins wird anhand dieses überlieferten Satzes aber deutlich: dass es noch hell war, während man bereits das Abendessen zu sich nahm. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Die Mitarbeiter des St. Ingberter Ordnungsamtes, die die Märkte organisieren, können nicht genau sagen, seit wann es den Lichtmessmarkt gibt, sind sich aber einig, dass es mehr als 40 Jahre sein müssen.

Das ist untertrieben, denn bereits Ausgang des 19. Jahrhunderts ist er laut Gunter Altenkirch schon verbrieft. Es gibt Aufzeichnungen, die belegen, dass die Menschen zum Teil von weit her kamen, um dort industriell hergestellte Eierfarben für die Ostereier zu kaufen. Für die Dengmerter und die Leute aus dem Umland, besonders aus dem Bliesgau, war der Tag des Lichtmessmarktes ein ganz besonderer, weil arbeitsfreier Tag.

„Man ging nòò Dengmert uff de Markt“, hieß es damals. Man besuchte bei dieser Gelegenheit aber auch gern Verwandte und Bekannte, die durch die Industrialisierung aus dem ländlichen Raum des Bliesgaus in die heutige Mittelstadt umgesiedelt waren.