| 20:24 Uhr

Kinowerkstatt
Strandgeschichten in der Kinowerkstatt

Florence Ponting (Saoirse Ronan) und Edward Mayhew (Billy Howle) in einer Szene des Films „Am Strand“.
Florence Ponting (Saoirse Ronan) und Edward Mayhew (Billy Howle) in einer Szene des Films „Am Strand“. FOTO: dpa / -
St. Ingbert. Mit „Am Strand“ und „Swimming with Men“ läuft in St. Ingbert ein sommerliches Programm. Zudem wird ein Künstler an der Kamera gewürdigt. red

Ein Film, der aktuell im Kino läuft und die Stimmung der 60er Jahre widerspiegelt ist „Am Strand“ (UK 2017) Regie: Dominic Cooke. Buch: Ian McEwan, Kamera: Sean Bobbitt. Mit: Saoirse Ronan, Billy Howle, Anne Marie-Duff, Adrian Scarborough, zu sehen am Samstag, 14. Juli, am Sonntag, 15. Juli, jeweils um 20 Uhr. Er passt gut in die Reihe „50 Jahre 68er“: Die Liebesgeschichte eines jungen britischen Paares in den Sechzigerjahren, die den Traum von einer besseren Sexualität aufscheinen lässt. Die Verfilmung des Romans „Am Strand“ von Ian McEwan erinnert daran, wie das so gewesen sein mag, damals, kurz vor der sexuellen Revolution der 68er. Erst mit der 68er-Generation begannen die Erkenntnisse der Psychologie in der Breite zu zirkulieren, als Taschenbuch-Wissen, das jeder nutzen konnte, um mit sich und seinem Partner glücklich oder zumindest ein bisschen weniger unglücklich zu werden. Es ist ein Film über soziale Zwänge, aber auch über die Freiheit.


Sie sind seit wenigen Stunden Mann und Frau. Wie sie sich kennenlernten: Er hatte eine Eins in seinem Studium gehabt und niemandem, dem er es erzählen konnte. Also trank er irgendwo ein Pint, geisterte in der Stadt herum, spazierte ziellos in ein Treffen für nukleare Abrüstung und erblickte dort ein Mädchen in einem cremefarbenen Kleid. Er sah sie aus dem Türrahmen an, als hätte er sie eben herbeigeträumt, nur für sich. Sie verliebte sich in diesen verträumten Blick, in seine achtlos hochgekrempelten Hemdsärmel, in seine Socken, die nie zueinander passten. Er war gebannt von ihrem schwanenhaften Rücken, von der Konzentration, mit der sie Geige übte, auch wenn für sie, Tochter aus besserem Hause, Chuck Berry nur fröhlicher Lärm war. Also ab zum Altar. Nun aber, in der „Honeymoon Suite“, fällt ihnen nichts mehr ein, als über das allmählich lauwarme Festmenü hinweg unentwegt „I love you“ zu sagen.

Es könnte alles so einfach sein, draußen am Strand. Dessen wollüstiges Rauschen dringt durch das offene Fenster herein. Niemand könnte sie davon abhalten, die Schuhe in eine Ecke des Raums zu pfeffern und den Strand entlangzuwandern, sich den Schaum über die nackten Füße spülen zu lassen. Hin und wieder würden sie einen Schluck Wein aus der Flasche nehmen. So etwas würden junge Menschen in Scharen ein paar Jahre später machen. Im Augenblick geht das aber noch nicht. Die beiden haben noch was zu erledigen. Im hinteren Teil der Suite. In dem großen, bedrohlichen Bett: Panik in der Hochzeitssuite! Er hat ihr Zögern bis zur Hochzeitsnacht akzeptiert und ist nun hin- und hergerissen zwischen sengendem Begehren und der Angst, alles falsch zu machen, denn er war noch nie mit einer Frau zusammen. Sie kennt Sex nur aus einem Handbuch für angehende Ehefrauen. Dort standen gruselige Worte wie „Penetration“...

Weiter läuft die skurrile britische Komödie „Swimming with Men“ (UK 2018) Regie: Oliver Parker mit Rob Brydon, Rupert Graves, Adeel Akhtar, Jim Carter, am Freitag, 13. Juli, um 20 Uhr und am Sonntag, 15. Juli, um 18 Uhr. Ein Leben auf der Überholspur sieht anders aus – Eric (Rob Brydon) steckt in seinem Job als Buchhalter fest, während seine Frau Heather (Jane Horrocks) Karriere als Lokalpolitikerin macht. Eric fühlt sich abgehängt. Auch sein pubertierender Sohn kann inzwischen gut auf den alten Herren verzichten. Stoisch kämpft sich Eric durch den Alltag und zieht allabendlich seine monotonen Runden im Hallenbad. Doch eines Abends macht er eine besondere Entdeckung.

Bisher ist Eric nicht aufgefallen, dass auch die Herren einer Synchronschwimm-Mannschaft ihre eleganten Figuren im Wasser üben. Die bunt zusammengemischte Männergruppe sucht noch einen weiteren Mitstreiter, um wirklich komplexe Figuren wie die Pyramide oder die Blume zu üben. Eric findet in der Gruppe langsam wieder zu sich selbst. Gemeinsam mit der Trainerin Susan (Charlotte Riley) bereiten sich die eleganten Schwimmer auf die Weltmeisterschaft vor.



Als „Tribute to Robby Müller“, Kameramann, sein Beiname war „Meister des Lichts“, läuft am Montag, 16. Juli, nur um 20 Uhr „Falsche Bewegung“ (Deutschland 1975) Regie: Wim Wenders, mit Rüdiger Vogler, Hanna Schygulla, Nastassja Kinski, Hans Christian Blech, Peter Kern. Am 3. Juli ist der niederländische Kameramann gestorben. Er fotografierte Meisterwerke von Wim Wenders, Jim Jarmusch und Lars von Trier. Robby Müller versuchte, so weit wie möglich mit natürlichem Licht zu filmen, was in dem Film „Falsche Bewegung“ sehr schön zu sehen ist. Wim Wenders’ Drama „Falsche Bewegung“ erhielt insgesamt sechs deutsche Bundesfilmpreise (Film, Drehbuch, Kamera, Musik, Regie, Schnitt). Das Drehbuch von Peter Handke basiert auf den Motiven von Goethes „Wilhelm Meisters Lehrjahre“. „Ein fast einzigartiges Beispiel für eine gelungene Verbindung zwischen literarischem und filmischem Anspruch“ (Der Neue Deutsche Film). Prädikat: besonders wertvoll. Wilhelm (Rüdiger Vogler) will Schriftsteller werden und begibt sich auf Themensuche. Er reist von Glückstadt über Hamburg und Bonn bis nach Frankfurt. Unterwegs trifft er ein ungleiches Paar, verliebt sich und freundet sich mit einem umherschweifenden Dichter an. Doch was Wilhelm in der Ferne sucht, kann er nur bei sich selbst finden. Seine Reise endet auf der Zugspitze in der berühmt gewordenen Einstellung, die Caspar David Friedrichs Gemälde „Der Wanderer über den Wolken“ darstellt.

Der niederländische Kameramann Robby Müller.
Der niederländische Kameramann Robby Müller. FOTO: dpa / Sophia Kembowski