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Stadtrat stimmt gegen den Abriss

Der 55 Meter hohe Schornstein auf dem ehemaligen Brauereigelände in St. Ingbert soll nach dem Willen der Mehrheit im Stadtrat als Denkmal bestehen bleiben. Foto: Jörg Jacobi
Der 55 Meter hohe Schornstein auf dem ehemaligen Brauereigelände in St. Ingbert soll nach dem Willen der Mehrheit im Stadtrat als Denkmal bestehen bleiben. Foto: Jörg Jacobi FOTO: Jörg Jacobi
St Ingbert. Mit Mehrheit hat sich der St. Ingberter Stadtrat in einer geheimen Abstimmung am Dienstagabend dafür ausgesprochen, den Hochschornstein auf dem Brauereigelände zu erhalten. In der Sondersitzung blieb allerdings ungeklärt, wie die Sanierung dieses das Stadtbild prägenden Bauwerk finanziert werden kann. Von SZ-RedakteurManfred Schetting

. Spannend hat es der St. Ingberter Stadtrat am Dienstagabend mit seiner Entscheidung zum geplanten Abriss des Hochschornsteins im Innovationspark am Beckerturm gemacht. Nach einer fast dreistündigen Debatte fiel diese erst in einer geheimen Abstimmung. Dabei votierten 22 von 37 anwesenden Stadtratsmitgliedern für den Erhalt des Schornsteins, 15 Mandatsträger favorisierten hingegen dessen Abbruch. Bei seinem Votum gegen den von Stefan Braun, dem Inhaber des Innovationspark am Beckerturm, gestellten Abrissantrag für den Schornstein stützte sich der Stadtrat auf eine Satzung über die Erhaltung baulicher Anlagen in der Innenstadt. Darin gibt es für die Stadt die Möglichkeit, den Abbruch einer baulichen Anlage zu versagen, weil diese das Ortsbild prägt und von städtebaulicher, insbesondere geschichtlicher Bedeutung ist.

Trotz ausführlicher Beratung - der OB zählte immerhin 35 Wortmeldungen - mussten Beobacher der Sondersitzung, in die der Stadtrat vierzehn Tage zuvor die Entscheidung vertagt hatte, veränderte Sachstände zu dem Schornstein mit der Lupe suche. Eine Neuigkeit hatte am ehesten der Chef des Innovationsparks parat. Nach dessen Angaben habe sich die "Gefahr im Verzug", die von dem Hochkamin ausgeht, seit der jüngsten Sitzung nochmals verschärft. Mit Fotos und einem Lageplan veranschaulichte Braun, dass sich der Radius auf dem Brauereigelände nochmals erweitert habe, wo von dem Schornstein abplatzende Steine Gebäude treffen. Braun: "Steine fallen inzwischen auf das Dach des Sudhauses. Im Biergarten dürfte sich eigentlich niemand mehr aufhalten."

Reinhard Schneider vom Landesdenkmalamt beschrieb hingegen die Situation für seine Behörde so, wie sie schon ein Aktenvermerk bewertete, der dem Stadtrat schon vor vierzehn Tagen vorlag. "Im vorliegenden Verfahren gibt es aus Sicht des Landesdenkmalamtes zur Genehmigung des Abbruchs keine Alternative", hieß es dort. Aus Schneiders Antworten auf etliche Fragen aus Reihen des Stadtrats konnte man ansonsten einen eher eingeschränkten Handlungsspielraum für den Denkmalschutz entnehmen.

Kernproblem bei der Sanierung des Becker-Schornsteins bleibt deren Finanzierung. So gilt weiterhin die Kostenschätzung des Innovationspark-Chefs. Demnach kostet eine Sanierung 480 000 Euro, der Abbruch 120 000 Euro. Die Idee, die Sanierung durch einen Finanzierungs-Mix zu stemmen, blieb hingegen vage. Denn nach Angaben des Vertreters des Landesdenkmalamtes könnten Denkmalschutz-Mittel erst im Laufe dieses Jahres für 2014 beantragt werden. Ob sie dann fließen, sei unsicher. Offen blieb auch die von mehreren Stadtrats-Fraktionen ins Gespräch gebrachte Variante, den Schornstein notfallmäßig zu sichern, um Zeit für die Finanzierung einer grundlegenden Instandsetzung zu gewinnen. Eine solche "Interims-Lösung" hatte das Landesdenkmalamt nicht geprüft.

Wohl auch weil man bei den Fakten auf der Stelle tritt, glich die Debatte der Stadtratsmitglieder einem "Schwarzer-Peter-Spiel", wie es Rainer Hoffmann (UCD) formulierte. Der Schwarze Peter wanderte zwischen zwei Lagern hin und her. Die einen plädierten für den Abriss des Schornsteins - mit Verweis auf das fehlende Geld und die wirtschaftliche Unzumutbarkeit seines Erhalts. Die anderen sahen sich einer Mehrheit der St. Ingberter verpflichtet, die den Schornstein gerne bewahrt sähe. Daher dürfe es keine falsche Eile geben.

Mit seinem Votum hat der St. Ingberter Stadtrat die Verantwortung für den Verkehrssicherungspflicht und den Erhalt des Becker-Schornsteins alleine an den Besitzer des Innovationsparks zurückgegeben. Wie Stefan Braun damit umgeht, ließ er gestern offen. Gegenüber der SZ zeigte er sich "schwer enttäuscht über die mangelhafte Vorbereitung" der Stadtrats-Entscheidung. Zu seinen weiteren Schritten in Sachen Schornstein werde er sich noch öffentlich äußern.



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