| 21:54 Uhr

Stadtrat St. Ingbert
Sind die Kanäle in der Stadt breit genug?

Eine kurzfristige Erweiterung oder ein Neubau der Abwasserkanäle, wie sie hier vor einigen Jahren bei einer Baustelle in der Ludwigsstraße in St. Ingbert zu sehen war, ist derzeit nicht möglich.
Eine kurzfristige Erweiterung oder ein Neubau der Abwasserkanäle, wie sie hier vor einigen Jahren bei einer Baustelle in der Ludwigsstraße in St. Ingbert zu sehen war, ist derzeit nicht möglich. FOTO: Manfred Schetting
St. Ingbert. Wieso die Kanäle nicht breiter sein dürfen und wofür man Starkregenkarten braucht, das wurde jetzt im Stadtrat ausführlich erklärt. Von Selina Carolin Summer

Hohe Niederschlagsmengen in kurzer Zeit. St. Ingbert erlebte einen so genannten „Starkregen“ am 1. Juni dieses Jahres. Überflutete Keller, überschwemmte Straßen und überlaufende Kanäle sind nur einige wenige Folgen eines solchen Wetterphänomens. Und die Gefahr solcher katastrophaler Starkregen nimmt aufgrund der Klimaveränderungen in Zukunft weiter zu.


Nach den aktuellen Ereignissen wurde nun die Frage nach Vergrößerung des Kanalsystems und Rückhalteanlagen laut. Bei der Sonder-Sitzung zum Thema Starkregen vergangenen Mittwoch kam dieses Thema ausführlich zur Sprache.

Das dargelegte Fazit war klar und deutlich: „Nüchtern betrachtet, ist dies weder nachhaltig oder wirtschaftlich ratsam noch – bei besonders heftigem Starkregen – ein nennenswerter Schutzgewinn“, fasste Oberbürgermeister Hans Wagner zusammen. Zudem sei es nur eine Teillösung. Die Wassermassen überlasten die Abflüsse von Straßen und Dächern lange bevor der Kanal erreicht werde. Normale Abwasserkanäle können solche Starkregenmassen schlicht nicht bewältigen. Das Kanalsystem ist auf „Durchschnittsregen“ ausgelegt. Größere Durchmesser würden in der überwiegenden Zeit nicht funktionieren, da sie nicht ausreichend durchspült werden und somit die Feststoffe im Abwasser nicht ausreichend abtransportiert werden. Während Trockenzeiten verursache das schnell eine fortschreitende Korrosion und starke Geruchsbildung.



Ein weiterer Punkt sind die verrohrten und eng bebauten Bachläufe in St. Ingbert. Sie sind nicht in der Lage große Wassermassen weiter- und abzuleiten. Eine kurzfristige Erweiterung oder ein Neubau der Abwasserkanäle ist also nicht möglich. Sehr wohl aber eine optimierter Einsatz.

Schon seit dem Jahr 2004 werden Außengebiete identifiziert, die dafür geeignet sind, Regenwasser zurückzuhalten. So fließt das Wasser bei starken Niederschlägen verzögert ins Kanalnetz. Bei Neubauten und der Erschließung von Neubaugebieten wird auf eine Rückhaltung des Regenwassers auf den Grundstücken geachtet. Rückhaltebecken, private Stauraumkanäle, Teiche, Regenüberlaufbecken und weitere Möglichkeiten sind hier gegeben. Private Entsiegelungsmaßnahmen werden seit 2002 durch ein städtisches Förderprogramm mit Geldern des Ministeriums für Umwelt gefördert.

Zudem führen der Abwasserbetrieb und der Entsorgungsverband Saar derzeit verschiedene Untersuchungen im Stadtgebiet durch, um die Erstellung einer Starkregen-Gefahrenkarte und für weitere Planungen im Kanalnetz zu ermöglichen, ein digitaler Geländescan für das Straßennetz ist in Arbeit und das Ministerium für Umwelt und Verbraucherschutz des Saarlandes arbeitet an einem Leitfaden für die Erstellung von Starkregengefahrenkarten.

Dieser und einige weitere Untersuchungen sollen die Basis zur Entscheidung darstellen, welches Verfahren zur Erstellung von Starkregenkarten für das Gebiet der Stadt sinnvoll ist. Über diese Gefahrenkarte können dann Bereiche ermittelt werden, in denen eine Bebauung nicht empfohlen wird oder besondere Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden sollten.