| 00:00 Uhr

Stadt und Land – Hand in Hand

Saarpfalz-Kreis. Über drei Millionen Euro an sogenannten „Leader“-Fördermitteln von Europäischer Union und Land sind seit 2007 in zahlreiche Projekte in der Biosphäre Bliesgau geflossen. Rund zwei Millionen Euro sind in der jetzt beginnenden zweiten Förderperiode für neue Ideen zu erwarten. SZ-Serie, Teil 6 und Schluss: Die neue Förderperiode steht an. bea

Bereits vor Anerkennung des Bliesgau als Biosphärenreservat durch die Unesco wurde die Region als zusammenhängende Fläche innerhalb des EU-Förderprogrammes "Leader" betrachtet und profitierte bis zum vergangenen Jahr von über drei Millionen Euro an Zuschüssen für unterschiedliche Projekte, die unsere Zeitung in dieser kleinen Serie skizziert hat. Während Homburg und Bexbach seit 2009 mit kleinen Flächenanteilen zwar zur Biosphäre Bliesgau gehören, waren die beiden Kommunen indes bei der "Leader"-Fördergebietskulisse außen vor. Das könnte sich nun ändern, falls die aktuellen Planungen für die neue Förderperiode umgesetzt werden.

"Als Konsequenz würden dann künftig die Städte Homburg und Bexbach zur "Leader"-Region Biosphärenreservat Bliesgau dazu gehören", sagt Hans-Ulrich Thalhofer, Regionalmanager der LAG Biosphärenreservat Bliesgau . Beide erfüllen laut Ausschreibungstext in Hinsicht auf die Bevölkerungsdichte die Voraussetzungen, um berücksichtigt zu werden. Bislang hatte es im Saarland drei Leader-Regionen gegeben. Auf dem Weg hin zu den Fördermitteln hatten sie sich einem Wettbewerb stellen müssen. Einen solchen Wettbewerb gab es auch für die neue Förderperiode 2014 bis 2020. Das Biosphärenreservat Bliesgau ist wieder dabei, die Region St. Wendeler Land, der um den Saargau erweiterte Warndt und auch der Landkreis Merzig-Wadern (siehe Infobox). Thalhofer: "Da mehr Regionen dabei sind, rechnen wir mit weniger Mitteln für den Bliesgau, so dass wir keine großen Sprünge machen können."

Doch unabhängig davon, ob Sprünge groß oder klein sind, kommt es immer noch auf die Qualität und Wirkung der möglichen Einzelprojekte an. "Die LAG hat eine Lokale Entwicklungsstrategie (LES) für den Zeitraum bis 2020 formuliert, die vor der Entscheidung beim Ministerium für Umwelt und Verbraucherschutz vorliegen musste", so LAG-Vorsitzende Doris Gaa. Die Mitgliederversammlung ist dabei dem Vorstand einstimmig in seinem Vorschlag gefolgt, die Weichen für eine noch stärkere Verzahnung von ländlichen und städtischen Gebieten zu stellen. Das Leitmotiv der LES bringt das deutlich zum Ausdruck: "Stadt und Land - Hand in Hand". In vielen Sitzungen waren hierzu Ideen gesammelt und unterschiedlichen Handlungsfeldern zugeordnet worden. "Bei der LAG Biosphärenreservat sind rund 70 Ideen für Leader-Projekte aufgelaufen, die in die Entwicklungsstrategie eingeflossen sind. Gemeinsamer Nenner aller Ideen ist die Interaktion zwischen Stadt und Land", so Thalhofer. Definiert wurden vier Handlungsfelder, in denen die eher ländlichen Regionen mit den Stadtgebieten zusammenarbeiten können. So bei der "Erzeugung regionaler Produkte" auf dem Land und ihrer Vermarktung in der Stadt. Hier können Wertschöpfungsketten entstehen, etwa unter Einbindung der Gastronomie. Die Instandsetzung von Wegen, der Erhalt von Garten- und Parkanlagen, die Beweidung von Grünflächen, die Nutzung von Streuobstwiesen und die Umnutzung von Gebäuden im ländlichen wie auch städtischen Raum sind dem Handlungsfeld "Inwertsetzung der Kulturlandschaft" zugeordnet. Breiten Raum erhält das Handlungsfeld "Energie und Klimaschutz".

Hier geht es zum Beispiel um die Nutzung von Grünschnitt in den Kommunen, Güllevergärung, Holznutzung und Energiepflanzenanbau zum Ausbau der regenerativen Energien, aber auch um Energieeffizienz bei der Gebäudesanierung und umweltverträgliche Mobilität. Fokussiert wird in der neuen Entwicklungsstrategie auch auf "Bildungsangebote für nachhaltige Entwicklung", um Menschen aller Generationen für die regionale Zukunft und die Bewahrung ihres Lebensraumes zu sensibilisieren. "An Bedeutung wird diesmal auch die Zusammenarbeit mit den Nachbarn gewinnen", so Thalhofer. Ganz im Sinne der Frankreich-Strategie will die LAG Biosphärenreservat Bliesgau bereits begonnene Projekte etwa im Bereich der Lebensmittelerzeugung und -vermarktung, sowie Handwerk und Tourismus weiterentwickeln und ausbauen.

Über allen Aktivitäten wird auch künftig das Sinnbild des "Mobile" als beratendes Projekt schweben und verdeutlichen, dass alle Handlungsfelder im Zusammenwirken ausbalanciert sind. Als Fazit zieht Thalhofer zum gegenwärtigen Zeitpunkt: "Es sind tolle Handlungsfelder und ebenso tolle Projekte, die wir in der Lokalen Entwicklungsstrategie berücksichtigt haben."


Zum Thema:

HintergrundDamit das Biosphärenreservat Bliesgau von Fördermitteln der Europäischen Union aus dem Leader-Programm profitieren kann, wurde 2007 die Lokale Aktionsgruppe Biosphärenreservat Bliesgau (LAG) als eigenständiger Verein mit Verwaltungen, Vereinen und Verbänden sowie Unternehmen als Mitgliedern gegründet. Die LAG entscheidet über die Zuteilung der Fördermittel . Infos: www.biosphaere-bliesgau.eu/index.php/de/lag/lokale-aktionsgruppe . Interessenten und Ideengeber wenden sich an Hans-Ulrich Thalhofer, Telefon (0681) 5 80 91 78, E-Mail: u.thalhofer@hwk-saarland.de. bea

Zum Thema:

Auf einen BlickDie Biosphäre Bliesgau wird erneut in das EU-Förderprogramm Leader aufgenommen und erhält, so wie erwartet, bis 2020 Fördermittel in Höhe von zwei Millionen Euro . Das entschied in der vergangenen Woche eine Fach-Kommission unter Vorsitz von Minister Reinhold Jost , teilte das Ministerium mit. Die Biosphäre Bliesgau habe mit ihrer lokalen Entwicklungsstrategie überzeugt. Gleiches gilt für die anderen Leader-Regionen im Saarland: St. Wendeler Land, Landkreis Merzig-Wadern und Warndt-Saargau. Die Fördermittel stammen überwiegend von der EU, zu einem Viertel aus Landesmitteln. bea