| 18:51 Uhr

Filmfestival in der Mittelstadt
St. Ingbert rollt den grünen Teppich aus

Die St. Ingberter Jörn Michaely (links) und Fabian Roschy sind Sandkastenfreunde – und seit Jahren in der Filmszene aktiv. Im Juni veranstalten sie das bundesweit ausgeschriebene Festival „Filmreif!“ in der Mittelstadt.
Die St. Ingberter Jörn Michaely (links) und Fabian Roschy sind Sandkastenfreunde – und seit Jahren in der Filmszene aktiv. Im Juni veranstalten sie das bundesweit ausgeschriebene Festival „Filmreif!“ in der Mittelstadt. FOTO: Tobias Fuchs
St. Ingbert. Im Juni findet in der Mittelstadt erstmals das Nachwuchsfestival „Filmreif!“ statt. Heute endet die Bewerbungsfrist. Von Tobias Fuchs

Jörn Michaely wünscht sich einen grünen Teppich. Ob das Budget dafür reicht? Das weiß der Jung-Regisseur aus St. Ingbert noch nicht. Fest steht: Vom 7. bis 10. Juni verwandeln Michaely und seine Mitstreiter die Mittelstadt in eine Filmstadt. Sie haben „Filmreif!“, das Nachwuchsfestival des Bundesverbandes Deutscher Film-Autoren (BDFA), nach St. Ingbert geholt – für dieses und die nächsten Jahre. Bis zur Premiere stehen für die Festivalmacher noch viele Entscheidungen an. Nicht nur, was die Farbe des Teppichs angeht, auf dem sie Talente aus ganz Deutschland empfangen wollen. Grün soll er sein, um die Veranstaltung im Biosphärenreservat zu verorten. Deshalb wird es auch eigens einen Nachhaltigkeitspreis zu gewinnen geben.


Ab heute gehen die Planungen in die heiße Phase. In der Nacht auf Donnerstag endet die Bewerbungsfrist für die Festivalteilnahme. Gezeigt werden Kurzfilme, höchstens 20 Minuten lang. Ansonsten gibt es wenige Vorgaben. Eine betrifft das Alter. Wer in St. Ingbert dabei sein möchte, darf höchstens 29 Jahre alt sein. Damit auch Talente eine Chance haben, die nicht volljährig sind und noch keinen Studienplatz an einer Filmhochschule ergattert haben. 60 Produktionen werden bei „Filmreif!“ zu sehen sein. Gesamtdauer: 800 Minuten. Anfang dieser Woche gab bereits 280 Einsendungen, gut 15 Filme am Tag. Tendenz steigend. Daneben bietet das Festival einen eigenen Wettbewerb für Drehbücher.

Wie kommt man dazu, so etwas auf die Beine zu stellen? Michaely wollte schon länger Veranstalter werden. Vor drei Jahren rief er seinen Freund Fabian Roschy an. Und sagte: Lass’ uns ein Festival machen. Eines, an dem der 23-Jährige selbst teilgenommen hätte. Michaely und Ruschy kennen sich seit dem Kindergarten, später besuchten sie gemeinsam das Albertus-Magnus-Gymnasium. In St. Ingbert drehte Michaely seine ersten Filme, beim Max-Ophüls-Festival in Saarbrücken machte er vor Jahren mit dem Kurzfilm „Leon lügt“ auf sich aufmerksam. Roschy unterstützte ihn bei all seinen Projekten. So wie jetzt beim Festival. Michaely übernahm die künstlerische Leitung, während Roschy für die Organisation verantwortlich ist. Mitterweile umfasst ihr Team zehn Ehrenamtliche. Ihr Plan: „Wir wollen eine Lücke in der Region schließen“, sagt Michaely. Das Ophüls-Festival richtet sich an Filmemacher, die auf der Karriereleiter schon ein paar Sprossen genommen haben. Nach St. Ingbert soll kommen, wer Talent hat, aber am Anfang steht.

Das Filmfestival nach St. Ingbert zu bringen, war eine strategische Entscheidung. „Es gibt hier eine Kinokultur“, erklärt Michaely. Ein bisschen Lokalpatriotismus sei auch dabei gewesen. Roschy nennt einen praktischen Grund: „Wir haben hier den Heimvorteil.“ In der Mittelstadt kennen sie alles und jeden. Bei der Kommune fand das Festival schnell eine positive Resonanz, zu den wichtigsten Sponsoren gehört der Verein zur Förderung der sozialen und kulturellen Belange in der Mittelstadt St. Ingbert – früher in der Lokalpolitik als „Spendenverein“ bekannt.

Die Schauplätze des Festivals werden sich über die Innenstadt verteilen: Die Kinowerkstatt im Juz zählt dazu, das Kinocenter Neues Regina, die Stadthalle, auch der Felsenkeller im Haus Deuchler. Und dann wäre da noch: der St. Ingberter Marktplatz, der laut Roschy ein „Magnet“ werden, möglichst viele Menschen anziehen soll. Hier planen die Festivalmacher ein Freiluft-Kino.



An diesem Wochenende steht aber zunächst die Filmauswahl an, bald sollen die Teilnehmer feststehen. Vielleicht bleibt dann auch noch Zeit, den grünen Teppich für das Festival zu finden.