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Weisgerber-Wettbewerb
Absage für Wettbewerb mit Kunststudenten

Auch der für einen Studierenden-Wettbewerb ins Auge gefasste Kreisverkehr in der Ensheimer Straße war aus Sicht der Hochschule für Bildende Künste Saar ein eher schwieriger Standort für die Kunst im öffentlichen Raum.
Auch der für einen Studierenden-Wettbewerb ins Auge gefasste Kreisverkehr in der Ensheimer Straße war aus Sicht der Hochschule für Bildende Künste Saar ein eher schwieriger Standort für die Kunst im öffentlichen Raum. FOTO: Cornelia Jung
St. Ingbert. Einen Dämpfer hat das Kunstprojekt erhalten, das an Albert Weisgerber erinnern soll. Die HBK will den geplanten Wettbewerb nicht. Von Manfred Schetting

Anfang Juni hatte Oberbürgermeister Hans Wagner die Idee eines neue Kunstwerks öffentlich gemacht, das in St. Ingbert an Albert Weisgeber erinnern soll. Für das im Kuratorium der Weisgerber-Stiftzung erdachte Vorhaben war ein Wettbewerb geplant, in dem Studierende der Hochschule der Bildenden Künste Saar (HBK) künstlerische Entwürfe beisteuern (wir berichteten). Doch einen solchen Wettbewerb für das Weisgerber-Andenken wird es nicht geben. Wie Matthias Winzen, Professor an der HBK, der SZ sagte, habe das Rektorat der Hochschule der Stadt St. Ingbert in der vergangenen Woche in einem Schreiben mitgeteilt, dass man in der jetzigen Lage von einen Wettbewerb für die Kunst-Studierenden absehen werde. „Kunst im öffentlichen Raum ist von Haus aus immer umstritten“, betont Prof. Winzen. „Hier wurde das Vorhaben aber schon vor einem Wettbewerb zerredet.“ Studierende jetzt in einen solchen Wettbewerb eintreten zu lassen, noch dazu für einem so „schweren Standort“ wie dem Kreisel in der Ensheimer Straße, sei daher unverantwortlich.



Matthias Winzen macht auch keinen Hehl daraus, wer aus seiner Sicht einen Weisgerber-Kunstwettbewerb schon im frühesten Stadium in einem zweifelhaften Licht erscheinen ließ: der St. Ingberter Oberbürgermeister. Konkret verweist der Kunst-Professor auf einen Beitrag im SR-Fernsehen. Im „Aktuellen Bericht“ vom 14. Juni habe Hans Wagner unter anderem bedauert, dass der Wettbewerb nur für HBK-Studierende auszuschreiben und nicht öffentlich. „Ausschließlich die HBK-Studierenden einzubeziehen, war aber der eigene Vorschlag des OB für diese Kunst im öffentlichen Raum“, so Winzen. Des Weiteren sei der Hinweis, die Stadt St. Ingbert hätte sich vertraglich verpflichtet, der HBK 600 000 Euro zu zahlen, keineswegs richtig. Tatsächlich seien dem (An-)Institutes für kuratorische Theorie und Praxis der Hochschule der Bildenden Künste Saar, das Professor Matthias Winzen leitet, lediglich 20 000 Euro jährlich zugesagt worden, damit dessen Studenten Ausstellungen in einem neuen Museum Sankt Ingbert vorbereiten. Dieser Vertrag wurde zwischen Stadt und HBK 2010 geschlossen und endete im Dezember 2015. Die Summe von 600 000 Euro sei dabei allenfalls eine Hochrechnung dessen gewesen, was es die Stadt gekostet hätte, wenn es fünf Jahre in Folge eine große Ausstellung in der Alten Baumwollspinnerei gegeben hätte. Dass der mangelnde Baufortschritt in der Baumwollspinnerei diese verhindert habe, sei nicht der HBK anzulasten, so Winzen. Im Gegenteil habe sein Institut ab 2011 von sich auf die zugesicherten 20 000 Euro jährlich verzichtet, weil Ausstellungstermine in der Baumwollspinnerei nicht absehbar waren. Und auch nach Ende des Kooperationsvertrages habe er der Stadt St. Ingbert mehrfach Vorschläge für eine mögliche Zusammenarbeit gemacht. Auch diese seien Ausdruck der Grundhaltung der HBK, die St. Ingbert nach wie vor „konstruktiv gesonnen“ sei.

Wie Winzen weiter erläutert, seien 2010 tatsächlich 30 000 Euro von der Stadt St. Ingbert auf dem Konto seines Instituts eingegangen. Für dieses Geld habe dieses jedoch auch eine Leistung erbracht, sagt der Professor. Eine Ausstellung „Deutsche Malerei im internationalen Kontext“ sei komplett kuratiert gewesen, aus bekannten Gründen habe es eine solche Werkschau leider nie gegeben.

Obwohl juristisch nicht dazu verpflichtet, wäre die HBK dennoch bereitet, diese 30 000 Euro in ein Kunst-Projekt in St. Ingbert einzubringen. Denn die Hochschule hat der Stadt St. Ingbert nicht nur eine Absage für einen Weisgerber-Wettbewerb erteilt, sondern auch eine Alternative vorgeschlagen. „Wir könnten uns bei entsprechenden Verabredungen mit der Stadt ein Kinder-Kunst-Camp in St. Ingbert vorstellen“, so Winzen. Das Camp soll in den Sommerferien stattfinden und insbesondere Schüler ansprechen die nicht in Urlaub fahren. Ein solches Angebot hielte der Professor aus drei Gründen sinnvoll. Erstens könnte es bei Kindern und Jugendlichen eine künstlerische Beschäftigung mit Bezug zu Albert Weisgerber ermöglichen. Zweitens wäre ein solches Camp kultur- wie sozialpolitisch vorteilhaft. Drittens würde es auch für HBK-Studierende aus den Bereichen Museumspädagogik und Kunsterziehung einen attraktiven Praxisbezug schaffen.

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