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Nachhaltigkeit
St. Ingbert geht als Modellkommune mit gutem Beispiel voran

St. Ingbert wurde als Modellkommune in das Projekt „Global nachhaltige Kommunen im Saarland“ aufgenommen. Ideen von Bürgern zur Nachhaltigkeit gibt es genug, wie dieses Banner im Rathaus zeigt.
St. Ingbert wurde als Modellkommune in das Projekt „Global nachhaltige Kommunen im Saarland“ aufgenommen. Ideen von Bürgern zur Nachhaltigkeit gibt es genug, wie dieses Banner im Rathaus zeigt. FOTO: Cornelia Jung
St. Ingbert. Als Biosphärenstadt, die sich der Nachhaltigkeit verschrieben hat, schlägt St. Ingbert nun ein weiteres Kapitel auf. Denn die Stadt hat sich auf das Projekt „Global nachhaltige Kommunen im Saarland“ beworben und ist als eine von zehn Kommunen und drei Landkreisen als Modellkommune ausgewählt worden.

Ina Klein vom projektbegleitenden Institut für angewandtes Stoffstrommanagement IfaS vom Umweltcampus Birkenfeld erläuterte bei der Sitzung des Ausschusses für Finanzen, Wirtschaft und Biosphäre, was die Wahl für St. Ingbert bedeutet. Projekthintergrund sei es zum einen, entsprechend den 17 nachhaltigen Entwicklungszielen der Agenda 2030 der Vereinten Nationen sowie der Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung die Nachhaltigkeit in den saarländischen Kommunen durch Aktionsprogramme zu verankern. Dabei sollen die Modellkommunen mit Städten und Gemeinden des „globalen Südens“, also Entwicklungs- und Schwellenländern, Partnerschaften eingehen und sie bei der Umsetzung der Agenda-Ziele unterstützen. Für St. Ingbert könnte dies beispielsweise heißen, die Partnerschaft mit N‘Diaganiao im Senegal noch einmal aufzufrischen und zu intensivieren.


Mit diesem Geist der neuen globalen Partnerschaft sollen die Begrifflichkeiten von Geber- und Nehmer-Ländern oder von Erster, Zweiter oder gar Dritter Welt der Vergangenheit angehören. Dabei wird bei den einzelnen Kommunen alles auf den Prüfstand gestellt. „Wir fordern alles ein, was beim Thema Nachhaltigkeit von Belang ist, beispielsweise auch, wenn ein Klimaschutzkonzept vorhanden ist“, so Klein. Man werde St. Ingberts Stärken und Schwächen gegenüberstellen und „jeden Fördertopf anzapfen“, von denen es derzeit viele gebe. Das Eruieren der Fördermöglichkeiten und das Schreiben der Anträge sei die Dienstleistung des Instituts an die Modellkommunen. Das Projekt dauere eineinhalb Jahre und schließe mit einer Dokumentation beziehungsweise einer Veröffentlichung des Erreichten ab.

Jetzt befinde man sich in einer Kick-off-Phase, die von einer Bestandsaufnahme abgelöst wird. Die Verwaltung will sich vor allem der „nachhaltigen Beschaffung“, beispielsweise von Büromaterial oder Reinigungsmitteln, im Rathaus widmen. „Wir wollen, dass die Nachhaltigkeitsstrategie nicht nur auf dem Papier steht, sondern gelebt wird und einen Werbeeffekt hat“, sagte Ina Klein bei ihrem Vortrag. In jeder Kommune müsse zur Verwirklichung der Ziele ein Kernteam, bestehend aus Bürgermeister, kommunalen Mitarbeitern sowie zwei Kommunalberatern des IfaS, gebildet werden, in dem man sich regelmäßig intensiv über die Ziele und die Ausrichtung abstimmt. Außerdem soll das Kernteam den Nachhaltigkeitsprozess vor Ort steuern. Es stellt seine Ideen dem Nachhaltigkeitsrat vor, der sich wiederum aus Verwaltungsmitarbeitern, Vertretern der lokalen Wirtschaft, Bürgern und Vereinen zusammensetzt und als Multiplikator in die Bevölkerung dienen soll.

Bis Mitte Juli stehen nun die Erstgespräche von Stadtverwaltung und IfaS an. Mit Hilfe von Fragebögen, auf denen Ist- und Soll-Zustand in Sachen Nachhaltigkeit eingefordert wird, wird von Juli bis Oktober dieses Jahres eine Analyse der Leitlinien und Nachhaltigkeitsstrategien durch das Institut erfolgen und danach Maßnahmevorschläge unterbreitet. In einer zweiten Projektphase geht es dann daran, die Ideen und Vorschläge auf den Weg zu bringen.

Das Projekt begleitet St. Ingbert auch bei der Bewerbung um den Nachhaltigkeitspreis und es soll Aktivitäten hervorbringen oder unterstützen, die nicht im Sande verlaufen. Mit seiner Hilfe hoffe man auch, Struktur in alle Bemühungen um die Nachhaltigkeit zu bringen, wie Oberbürgermeister Hans Wagner im Ausschuss sagte. „2030 ist eine Vision, darauf sollten wir uns einlassen“, sagte Mathilde Thiel (SPD) nach der Präsentation.