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Grüne Neune
Ein Kussmund in Gips festgehalten

Grüne Neune-Inhaberin Andrea Martin, Gipstraum-Inhaberin Nicole Thoma-Weil, Manuela und Michael Steffen, die Bürgermeisterin Nadine Müller und der Beigeordnete der Stadt Sulzbach, Alfred Herr, bei der Spendensammelaktion in der „Grünen Neune“.
Grüne Neune-Inhaberin Andrea Martin, Gipstraum-Inhaberin Nicole Thoma-Weil, Manuela und Michael Steffen, die Bürgermeisterin Nadine Müller und der Beigeordnete der Stadt Sulzbach, Alfred Herr, bei der Spendensammelaktion in der „Grünen Neune“. FOTO: Jörg Martin
St. Ingbert. Den Opfern eines Brandes wurde jetzt mit Gipsabdrücken geholfen. Das Kreativcafé „Grünen Neune“ hatte die Aktion organisiert. Von Jörg Martin

  Das Schicksal schlägt manchmal mehr als brutal zu. Diesen Eindruck konnte man vor allem am Sonntag gewinnen, wenn man im Kreativcafé „Grüne Neune“ in der Ludwigstraße mit Manuela Steffen sprach. Sie und ihre Familie wurden Opfer eines Brandes, dessen Schaden nur zum Teil über Versicherungsleistungen abgedeckt ist.


Café-Inhaberin Andrea Martin und Nicole Thoma-Weil, die Betreiber von Gipstraum aus Bildstock, hatten deshalb ganztägig zu einer Benefizaktion eingeladen. Die Gastronomin stellte ihr Lokal kostenlos für die Gipsabdruck-Aktion „Kussmund“ von Thoma-Weil zur Verfügung und spendete den Verkaufserlös von eigens hergestellten Herz-Muffins für den guten Zweck. Manuela Steffen aus Neuweiler ringt immer noch sehr um Fassung, wenn sie über das, was am 10. Juli geschah, sprechen muss. Sie gerät dabei leicht ins Stocken. Schnell fließen Tränen. Die Wohnung, in der sie mit ihrem Mann und den vier Kindern bis zum Sommer in der Brunnenstraße wohnte, wurde ein Raub der Flammen. Auch alles andere, wie Einrichtung und persönliche Dinge, fielen dem Löschwasser und dem Rauchgestank zum Opfer. Die Familie stand vor dem nichts. Vater Michael bekam davon zunächst nichts mit, da er sich auf der Arbeit befand.

Zuerst kamen die Eltern mit den beiden Kindern nebst den erst wenige Wochen alten Zwillingen bei der Tante unter. Zuvor hatte die Stadt Sulzbach als Übergangslösung eine Hotelübernachtung übernommen. Sechs Personen in einem Dachgeschoss-Zimmer – mehr als eine Herausforderung. Doch, Hauptsache ein Dach über dem Kopf. Ihr Eigenes wurde nämlich kernsaniert. Die Baumaßnahme macht den Steffens aktuell Sorgen. Seit acht Wochen ruhen die Arbeiten einer St. Ingberter Brandschadensfirma. Obwohl man immer wieder anruft, so Manuela Steffen, ziehe sich alles hin. Bis Weihnachten, so sei den Brandopfern versprochen worden, könnten sie wieder in ihr Haus zurück. Das Ziel scheint fraglich.



Da war der Scheck, den der Sulzbacher Beigeordnete Alfred Herr (CDU) am Sonntagmittag überreichte, ein freudiges Ereignis. Herr, der selbst in Neuweiler wohnt, glaubte bislang, es sei in Sachen Schadensregulierung alles geregelt. Er versprach, in den Vereinen, im Stadtteil und im Stadtrat Sammelaktionen durchzuführen. Die St. Ingberter Bürgermeisterin Nadine Müller (CDU) erwägt an der Rohrbacher Schule, deren Leitung sie innehat, eine Kleidersammelaktion zu initiieren. „Das ist eine fantastische Idee“, freute sich Alfred Herr. Manuela Steffen nickt. Wieder fließen Tränen. Die Frau bringt, genau wie ihr Mann, kein Wort heraus. Die Steffens sind dankbar für Hilfe. Das Hilfsangebot von Nicole Thoma-Weil, die sie schon vorher kannte, eine Benefizaktion mit Lippenabdrücken aus Gips durchzuführen, wollte sie zunächst gar nicht annehmen. „Man schämt sich“, sagt die Mutter leise. Irgendwann stimmte sie doch zu.

Die Aktion kam am Sonntag gut an und wird deshalb in der kommenden Woche, am Mittwoch und Donnerstag, 24. und 25. Oktober, in der Zeit von jeweils zehn bis 14 Uhr in der „Grünen Neune“ wiederholt, erklärte Andrea Martin.