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Wasserqualität
Sorgen vor einer Zeit ohne Pumpen

Für die Stellungnahme der Stadtwerke St. Ingbert zur beabsichtigten Grubenwasserflutung musste deren Geschäftsführer Hubert Wagner unzählige Gutachten lesen, um sich ein umfassendes Bild über die Auswirkungen des Wasseranstiegs zu verschaffen.
Für die Stellungnahme der Stadtwerke St. Ingbert zur beabsichtigten Grubenwasserflutung musste deren Geschäftsführer Hubert Wagner unzählige Gutachten lesen, um sich ein umfassendes Bild über die Auswirkungen des Wasseranstiegs zu verschaffen. FOTO: Cornelia Jung
St. Ingbert. So wollen die Stadtwerke verhindern, dass sich in St. Ingberter Brunnen Gruben- und Grundwasser mischt. Von Cornelia Jung

Regelmäßig fanden und finden in saarländischen Kommunen Infoveranstaltungen statt, die sich mit dem geplanten Grubenwasseranstieg, den die RAG für die aufgegebenen Kohlegruben plant, beschäftigen. Beim Oberbergamt sind mehr als 1000 Einwendungen gegen die geplante Grubenflutung eingegangen, wozu noch die Schreiben der Kommunen kommen. Am Montag vergangener Woche lief die Frist aus, bis zu der Betroffene schriftlich ihre Bedenken gegen einen möglichen Anstieg des Grubenwassers einreichen konnten.



Auch der St. Ingberter Stadtrat hatte sich dagegen entschieden, die Pumpen, die das Grubenwasser „in Schach“ halten, abzustellen. In einem ersten Schritt war geplant, das Wasser an den Standorten Duhamel und Reden auf 320 Meter unter Normalnull ansteigen zu lassen. Wie es in einem Gutachten hieß, können bereits in dieser ersten und erst recht in der zweiten Phase, in der das Wasser in die Flüsse und Bäche abgeleitet werden soll, Trinkwasserbeeinträchtigungen, Erdbeben und Oberflächenveränderungen nicht ausgeschlossen werden. Die St. Ingberter wären durch ihre „Anbindung“ ans Scheidter und Spiesermühltal wegen der möglichen negativen Beeinflussung der Trinkwasserbrunnen ebenfalls betroffen. Aus diesem Grund musste sich auch der Geschäftsführer der Stadtwerke St. Ingbert mit diesem Thema auseinandersetzen.

Rund 1000 Seiten galt es zu lesen, um sich über den gutachterlichen Stand zu informieren, der mittlerweile zu den Folgen des Wasseranstiegs vorliegt, und infolgedessen eine Stellungnahme zu formulieren. „Was uns hier betrifft, so könnte es unter Umständen zu einer Vermischung von Gruben- und Grundwasser kommen“, sagt Hubert Wagner, „ich glaube, uns ist erst jetzt so richtig bewusst geworden, was es eigentlich heißt, die Pumpen dauerhaft abzustellen.“ Deshalb sei es gut, dieses Thema zu behandeln. „Man muss sich aber durchaus die Frage stellen, ob es sinnvoll ist, die Pumpen ewig laufen zu lassen. Schließlich ist es eine Ewigkeitslast, die wir nachfolgenden Generationen hinterlassen.“

Dass es ein komplexes Thema ist, zeigt die Tatsache, dass es einerseits fast nicht zumutbar scheint, die teure und energieintensive Hebung des Grubenwassers ewig zu finanzieren und Unmengen Energie dafür aufzuwenden, andererseits man aber genau dies vorerst tun muss, um vor allem eine Verunreinigung des Trinkwassers auszuschließen. Die Zahlen: Das Abpumpen kostet jährlich rund 15 Millionen Euro, der Kohlendioxidausstoß für die Erzeugung der Energie zur Trockenhaltung der Saargruben mit leistungsstarker Technik kommt in einer Zeitspanne von zwölf Jahren dem von 65 000 Pkw gleich. Eigentlich widerstrebt es Wagner, unseren Nachkommen diese Last zu hinterlassen, auf der anderen Seite gebe es Hohlräume und Klüfte, wo man nicht gesichert wisse, wie das Wasser zirkuliere.

Mit Schreiben vom Oberbergamt wurden auch die Stadtwerke aufgefordert, ihre Stellungnahme und Bedenken zum Planfeststellungverfahren mit Umweltverträglichkeitsprüfung zur Hebung und Einleitung von Grubenwasser abzugeben. Als verantwortungsvoller Wasserversorger habe man sich eingehend damit beschäftigt und sei zu dem Schluss gekommen „dass man das Abstellen der Pumpen nicht zulassen kann, solange nicht nachgewiesen ist, dass es zu keiner Schädigung kommt“.

In den letzten Jahrzehnten sei vieles dokumentiert worden, was den Untertage-Bergbau betrifft, aber das gelte nicht für die ganze Zeitspanne von 250 Jahren. „Der Bergbau hat uns im Saarland Wohlstand gebracht, nun hinterlässt er uns Probleme. Es ist gut, sich jetzt Gedanken zu machen, denn das Problem löst sich nicht von allein.“ Stadtwerke-Mitarbeiter hätten versucht, sich aus einem „Wust“ von Gutachten und Stellungnahmen eine Meinung zu bilden. Nach der Lektüre kam Wagner zu dem Schluss, dass man jegliches Risiko ausschließen müsse, und sei es auch noch so klein. Eine hochsensible Geschichte sei das. „Wenn es erstmal zu einer Verunreinigung gekommen ist, können wir das dann noch rückgängig machen?“, ist die Frage, die den Stadtwerke-Chef umtreibt. Und deshalb zieht er den Schluss: „Nach heutigen Erkenntnissen kann ich den Grubenflutungsplänen nicht zustimmen.“ Derzeit bräuchten die St. Ingberter sich keine Gedanken zu machen, da zuerst ein Planfeststellungsverfahren durchgeführt werden müsse. „Und sollte es doch zur Flutung kommen, haben wir das Oberbergamt aufgefordert, bestimmte Auflagen in die Genehmigung aufzunehmen.“ Dann müssten zusätzliche Bohrungen abgeteuft werden, um bereits im Vorfeld reagieren zu können, denn wenn man beim Monitoring an den heute vorhandenen Brunnen Grundwasserverunreinigungen feststelle, könne es bereits zu spät sein.