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Sorge um die Zukunft der Dörfer

In zehn Jahren ist aus der Babyboomer-Generation eine Oma-Opa-Generation geworden. Nach 1964 gingen die Geburtenzahlen nur noch bergab. Das hat gravierende Auswirkungen vor allem auf den ländlichen Raum. Foto: dpa
In zehn Jahren ist aus der Babyboomer-Generation eine Oma-Opa-Generation geworden. Nach 1964 gingen die Geburtenzahlen nur noch bergab. Das hat gravierende Auswirkungen vor allem auf den ländlichen Raum. Foto: dpa FOTO: dpa
Homburg/St Ingbert. In 20 Jahren hat sich der Saarpfalz-Kreis verändert: Viele junge Menschen sind weg, vorwiegend alte Menschen wohnen noch in den Dörfern. Damit es weiterhin eine Grundversorgung und eine verkehrstechnische Anbindung gibt, muss sich der Kreis etwas einfallen lassen. Christine Maack

. Die Bevölkerung in der Saarpfalz schrumpft. Das ist Fakt und lässt sich auch nicht mehr abwenden. Denn schon vor 30 Jahren wurden diejenigen Kinder nicht mehr geboren, die jetzt wiederum Kinder bekommen müssten. Hört sich kompliziert an, ist aber eine mathematisch eindeutig beweisbare Tatsache und deshalb nicht mit Hoffnungen und Wünschen zu bemänteln.


Die Einwohnerzahl in der Saarpfalz erreichte 1996 mit 158 400 ihren höchsten Stand. Seitdem ist sie laut Zensus um 13 000 Einwohner zurückgegangen. Bis zum Jahr 2030 wird mit einem weiteren Rückgang um rund 15 Prozent gerechnet. "Wir wissen, dass es so kommen wird und müssen uns auf neue Formen des Zusammenlebens einstellen", betonte Landrat Theophil Gallo , "der Geburtenrückgang ist absehbar, deshalb brauchen wir uns von einem demographisch geschrumpften Saarpfalz-Kreis nicht überraschen lassen, sondern können jetzt aktiv die Zukunft gestalten."

Es wird erwartet, dass bis 2030 die Bevölkerung im Saarpfalz-Kreis unter 20 Jahren um rund 30 Prozent abnehmen, gleichzeitig die Zahl der über 80-Jährigen aber um rund 34 Prozent ansteigen wird. Auf den "Baby-Boom" der 70er folgt ab den 2020ern ein "Oma-Opa-Boom", der die Anforderungen an die Leistungen der Daseinsvorsorge nachhaltig verändern wird.

Zum Auftakt des Schwerpunktes Demographie , den sich der Landrat für seine Amtszeit gesetzt hat, wird am 15. September in der Aula des Homburger Mannlich-Gymnasiums ein so genannter Demographie-Gipfel stattfinden. Im Februar 2015 hatte schon einmal eine solche Veranstaltung in der Saarpfalz stattgefunden. Dabei hatte Professor Olaf Kühne, der lange im Saarland tätig war und nun an der Fachhochschule Weihenstephan unterrichtet, klar gemacht, dass man sich mit dem demographischen Wandel "alternativlos auseinander setzen" müsse. Diesmal steht der Gipfel unter dem Motto "Gemeinsam den Wandel gestalten". Es geht darum, wie man den ländlichen Raum lebendig erhalten könne, mit Handwerk, mit Bildungsangeboten und natürlich mit Mobilität. Es war noch nie ein Katzensprung, von Peppenkum oder Brenschelbach bis nach Homburg oder Saarbrücken zu kommen. Doch so lange ein Familienmitglied über ein Auto verfügt, ist es machbar. Auch hier wird sich einiges ändern: die Kinder sind weggezogen, die "Alten" können die weiten Strecken nicht mehr fahren - was soll nun werden? Nicht jeder wolle oder könne sein Haus verlassen, um in ein stadtnahes Seniorenheim zu ziehen, so Gallo. Wie kann man als Kreis zusammen mit dem öffentlichen Nahverkehr auf diese Situation eingehen?

Immerhin mangelt es nicht an Geld, es sei gelungen, "1,65 Millionen Euro Fördergeld in den Saarpfalz-Kreis zu lotsen", so Gallo, "ab Herbst 2016 werden wir Menschen im öffentlichen Nahverkehr unterstützen und den Aufbau einer Leitstelle für lebenslanges Lernen vorantreiben können." Im übrigen steht der Saarpfalz-Kreis mit seinem Bemühen, den Schrumpfkurs einigermaßen sozialverträglich zu gestalten, nicht alleine da.



Auf Anregung von Homburg wird der Landkreistag des Saarlandes eine Arbeitsgemeinschaft Demographie und Regionalentwicklung gründen. Fachleute aus allen Regionen des Landes kommen zusammen, um sich Lösungen zu überlegen. Vor allem die beiden Kreise St. Wendel und Merzig haben ein Interesse daran, denn sie sind in weiten Teilen noch ländlicher strukturiert als die Saarpfalz.

Es ist schön, wenn man eine Kita auf den Weg bringen kann, wie kürzlich hier in Ommersheim. Aber die Kinderzahl reicht nicht aus. Bildmitte mit weißem Hemd: Landrat Gallo. Foto: Erich Schwarz
Es ist schön, wenn man eine Kita auf den Weg bringen kann, wie kürzlich hier in Ommersheim. Aber die Kinderzahl reicht nicht aus. Bildmitte mit weißem Hemd: Landrat Gallo. Foto: Erich Schwarz FOTO: Erich Schwarz