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Stolpersteine
Sechs neue Stolpersteine für St. Ingbert

Gunter Demnig bei der Verlegung des Steines für Änne Meier in der Albert-Weisgerber-Allee.
Gunter Demnig bei der Verlegung des Steines für Änne Meier in der Albert-Weisgerber-Allee. FOTO: Selina Summer
St. Ingbert. Gunter Demnig verlegte in der Mittelstadt weitere Goldplatten zum Gedenken an die Opfer der NS-Zeit. Von Selina Carolin Summer

Stolpersteine setzen Zeichen. Gegen Ausgrenzung und Vertreibung, zur Erinnerung und gegen das Vergessen so vieler Schicksale während der NS-Diktatur. Nicht nur Juden, sondern auch Homosexuelle, „Zigeuner“, politisch Verfolgte oder Zeugen Jehovas wurden zu Opfern. Die goldenen Platten, eingelassen in die Gehwege vor den letzten Wohnorten, sind Erinnerung, Ehrung und Mahnmal zugleich.


Wer die eingravierten Namen und Daten lesen möchte, muss sich verbeugen. Auch das Schicksal zahlreicher St. Ingberter lag lange im Dunkeln. Es wurde sich kaum damit auseinandergesetzt, wer die waren, die damals kämpften, Widerstand leisteten und auch starben. Es gab eine Schülerarbeit des AMG über St. Ingberter Juden und den Ausstellungskatalog zur Widerstandskämpferin Änne Meier auf dem Buchmarkt, Tropfen auf den heißen Stein. Vertreibung, Verfolgung und Ermordung, die viel zu sehr in Vergessenheit gerieten.

Bis der Stadtrat 2014 beschloss, die Geschichten der betroffenen St. Ingberter aufzuarbeiten, sie zu dokumentieren und und mithilfe des Gedenkprojektes „Stolpersteine“ von Gunter Demnig zurück in die Köpfe zu holen. Die „Stolpersteine“ gelten als größtes, dezentrales Mahnmal der Welt.



Über 70  000 wurden europaweit inzwischen gesetzt. In der Biosphärenstadt übernahm das Stadtarchiv Umsetzung und Forschungsarbeit und schnell sammelten sich ganze Ordner an. Vieles wurde nach Ende des Zweiten Weltkrieges vernichtet, doch einige Dokumente blieben erhalten.

Zuletzt wurden 2016 insgesamt 16 weitere „Stolpersteine“ verlegt. Vor den letzten Wohnhäusern der Opfer erinnern sie an ihre Geschichten.

Dieser Tage erfolgte schließlich die Verlegung sechs weiterer „Stolpersteine“. An vier Standorten erinnern sie nun an Johanna Henn, die der Euthanasie zum Opfer fiel (Richard-Wagner-Straße), die jüdische Familie Singer (in der Ensheimer Straße) sowie die beiden Widerstandskämpfer Änne Meier (Albert-Weisgerber-Allee) und Jakob Kennerknecht (in der Wiesenstraße). Finanziert wird das Projekt dank Geldspenden. Im Falle von Änne Meier zum Beispiel durch die Pfadfinder, denen sie angehörte. Unter den Gästen waren auch jene, die die Geehrten noch persönlich kannten. Darunter Gaby Klees. Sie begleitete mit Gitarre und Gesang die feierliche Steinsetzung. Gesetzt wurden die Steine von Demnig persönlich. Auch Landrat Theophil Gallo und Oberbürgermeister Wagner nahmen an den Feierlichkeiten teil. „Es ist wichtig, diese Menschen in Erinnerung zu bewahren, die sich so für andere eingesetzt und ihnen geholfen haben“, sagte Gallo. Wagner pflichtete ihm bei: „Wir müssen dafür Sorge tragen, dass nichts in Gang kommt, was wir nicht wollen. Was schon mal da war.“

Nach der Verlegung des Stolpersteins schallten unter gemeinsamem Gesang „Die Gedanken sind frei“ und „Die Moorsoldaten“ durch die St. Ingberter Straßen. An den Steinen legten die Gäste danach weiße Rosen nieder und stellten Kerzen auf.