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Special Olympics
Im Schwimmbad auf Medaillenjagd

Jörg Ragutzki war der älteste Teilnehmer des Schwimmfestes, machte aber den Jüngeren bei der Luftmatratzen-Gaudi-Staffel noch was vor.
Jörg Ragutzki war der älteste Teilnehmer des Schwimmfestes, machte aber den Jüngeren bei der Luftmatratzen-Gaudi-Staffel noch was vor. FOTO: Cornelia Jung
HOmburg/St. Ingbert. Zum zehnten Mal fand ein Schwimmfest im Rahmen der Special Olympics im St. Ingberter „blau“ statt.

Bei diesem saarländischen Schwimmfest „mit Handicap“, das am vergangenen Mittwoch zum zehnten Mal im „blau“ veranstaltet wurde, steht entsprechend seines Namens der olympische Gedanke an erster Stelle. „Fair dabei sein ist alles“, könnte man ihn kurz zusammenfassen. Nur, dass bei diesen ganz besonderen Special Olympics nicht Menschen verschiedener Länder ihre Kräfte messen, sondern viele Teilnehmer aus unterschiedlichen Einrichtungen wie den Förderschulen geistige Entwicklung des Saarlandes, Regelschulen und Werkstätten für Behinderte. Ebenfalls besonders: Groß und Klein, jung und etwas älter, Mädchen und Jungs, Männer und Frauen kämpften entsprechend ihres jeweiligen Leistungsvermögens um Meter und Sekunden.


Man ist fast versucht zu sagen, dass die Schwimmer im Wettkampf in Freistil, Brust oder Rücken nicht gegeneinander, sondern miteinander antraten. Wird doch die einzigartige Atmosphäre der Special Olympics von einem sehr kollegialen Sportsgeist getragen. Man feuerte sich, unabhängig von der Mannschaftszugehörigkeit, gegenseitig an und gab sich Tipps, wie im Wasser eventuell noch ein bisschen Zeit gut gemacht werden kann. Natürlich wurden alle Sieger der 32 Läufe gleichermaßen mit Applaus bedacht. „Hier geht es um den Spaß, aber natürlich auch um Leistung, denn unsere Athleten machen tatsächlich einen Unterschied zwischen Gold und ,Holz‘“, sagte Maria Kaiser, Sport- und Pressekoordinatorin von Special Olympics Saarland, „die Stimmung ist hervorragend und alle Athleten sind mit Feuereifer dabei.“

Die jüngste Wasserratte war acht Jahre alt, der älteste Schwimmer 55. Es war Jörg Ragutzki von der WZB, der Werkstatt für Behinderte der Lebenshilfe in Spiesen, der bei der Siegerehrung zu 50 MeterFreistil sogar ganz oben auf dem Siegertreppchen stand. Neben dem Schwimmwettbewerb wurde ein kostenloses Gesundheitsprogramm mit Kontrolluntersuchungen für alle Athleten angeboten, das zur Verbesserung von Gesundheit und Lebensqualität der Sportler beitragen soll. Teilnehmer und Trainer wurden mit Hilfe vieler Veranschaulichungen von fachärztlichem Personal mit Informationen, in diesem Jahr zum Thema Mund- und Fußgesundheit, versorgt, der vorhandene Gesundheitszustand der Athleten geprüft und gegebenenfalls notwendige Weiterbehandlungen empfohlen.



Um ihre Kraft, Beweglichkeit und Fitness zu testen, standen die Athleten sogar Schlange. „Sie nehmen das sehr ernst“, sagte Ulla Jung, Dozentin an der Fachschule für Physiotherapie der SHG Bildung in Saarbrücken. Mit diesem Assessment-Center, wie es Maria Kaiser nannte, den über die Bahnen gespannten Wimpeln aus aller Herren Länder und den 166 Athleten war dieses zehnte Schwimmfest schon eines der ganz großen, denn angefangen hatte alles mit nur 43 Schwimmern. Nach der Siegerehrung gab es, sozusagen als Bonus für die Teilnehmer, noch eine inklusive Luftmatratzen-Gaudi-Staffel obendrauf. Ein Schüler oder eine Schülerin des Leibniz-Gymnasiums St. Ingbert bildete mit drei Athleten der einzelnen Einrichtungen eine Mannschaft. Gerade da zeigte sich, dass die Technik und Übung den Meister macht und nicht per se der Schwimmer der Beste ist, der ohne Behinderung an den Start ging.