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Schlimbach-Orgel braucht Hilfe

Organist Christian von Blohn kämpft um den Erhalt der Schlimbach-Orgel in der Engelbertskirche, denn in ihrem Inneren breitet sich Schimmel aus. Foto: Cornelia Jung
Organist Christian von Blohn kämpft um den Erhalt der Schlimbach-Orgel in der Engelbertskirche, denn in ihrem Inneren breitet sich Schimmel aus. Foto: Cornelia Jung FOTO: Cornelia Jung
St Ingbert. Der Königin der Instrumente geht es nicht gut: Seit fünf Jahren ist die Reinigung der Schlimbach-Orgel in der Alten Kirche überfällig. Jetzt ist Schimmelbefall festgestellt worden. Doch für Reinigung und Sanierung fehlt das Geld. Cornelia Jung

Der Orgel in der Alten Kirche geht es nicht gut. Selbst Organist Christian von Blohn spürt deren "Schmerz", wenn er die verstimmte "Königin der Instrumente" spielt. Denn nicht nur, dass die alle 20 Jahre anstehende Reinigung des 1874 gebauten Instrumentes seit fünf Jahren überfällig ist, hört man an den mit ihr gespielten Melodien, sondern man sieht neben dem Staub auch, wo das größere Problem liegt. Denn im Herbst war festgestellt worden, das sich in ihrem Inneren Schimmel ausbreitet. Von Blohn ist entsetzt, doch wundern tut es ihn nicht. Viele Orgeln teilen das Problem der spätromantischen Orgel aus der Engelbertskirche. "Der größte Feind der Orgel ist die Kirchenheizung. Zu Gottesdiensten und anderen Veranstaltungen wird schnell hochgeheizt und genauso schnell kühlt es wieder ab. Die Feuchtigkeit kann dadurch nicht entweichen und das macht dem Instrument zu schaffen. Das Material fängt an zu arbeiten, es entstehen Risse ", erklärt der Kirchenmusiker dieses Phänomen. Damit sei das komplette Instrument gefährdet.



Dabei "ging" es dem von Orgelbaumeister Gustav Schlimbach gebauten Instrument bisher vergleichsweise gut, mit Ausnahme des Jahres 1917, als ihre Pfeifen der Rüstungsindustrie zum Opfer fielen. Mitte der 50er Jahre wurde die Orgel klanglich aufgehellt, weil die damalige Orgelbewegung das "trendy" fand, wie von Blohn aus der Orgel-Chronik erzählt: "Man hat versucht, sie zu barockisieren, dabei hat man auch viel kaputt gemacht." Die Firma Mayer aus Heusweiler hat die Orgel 1991 wieder in einen annähernden Originalzustand zurück versetzt. Seitdem ist an ihr nicht mehr viel gemacht worden.

Dass ein solches Instrument es verdient hat, weiter gespielt zu werden, ist das Eine, sein Kulturwert das Andere. Wie von Blohn sagt, hat Schlimbach zehn Orgeln im Saarland gebaut, von denen die St. Ingberter die einzige und größte ist, die noch halbwegs im ursprünglichen Zustand ist. Außerdem sei die Orgel die besterhaltene romantische Orgel in unserem Bundesland, weswegen ihr Wert gar nicht hoch genug einzuschätzen sei. Er nennt sie voller Ehrfurcht eine "Denkmalorgel", eine der wichtigsten im Saarland. 23 Register hast sie und allein deren Reinigung, für die sie auseinander genommen werden müsse, könne 23 000 Euro kosten. Die Hoffnung von Blohns ist es, Reinigung und Sanierung verbinden zu können, doch das Geld fehlt. Früher habe es beim Bistum Speyer einen Orgel-Etat gegeben, der ersatzlos gestrichen wurde. Mit einem Gutachten fürs Landesdenkmalamt hoffe die Gemeinde auf Förderung und Zuschüsse für eine "professionelle Behandlung" der Orgel . Es ist ein Hilferuf in höchster Not. Eigentlich "müsste die Entschimmelung sofort her, denn jeder Tag ist ein verlorener", findet von Blohn. Man solle ihn nicht falsch verstehen, bittet er, als er sagt, dass die Orgel zu mehr taugt, als nur im Gottesdienst gespielt zu werden. Sollte die Orgel sauber sein und vom Schimmel befreit werden können, würde der Organist sie gern aus ihrem Schattendasein herausholen und sie in den erfolgreichen Orgelzyklus integrieren, für den derzeit lediglich die Orgeln von St. Hildegard und St. Josef erklingen. "Die St. Ingberter wissen gar nicht, was für ein wertvolles Instrument sie da haben. Die Stadt sollte das zu ihrer Sache machen. Das ist ja keine katholische Geschichte, sondern das ist ein wichtiges Kulturgut".