| 20:28 Uhr

Närrischer Saarpfalz-Kreis
Schlachtrufe von „Di-La-Hei“ bis „Sack zu“

Die Juniorengarde des KC Hassel nahm die Besucher des Närrischen Saarpfalz-Kreises mit auf Deutschlandreise.
Die Juniorengarde des KC Hassel nahm die Besucher des Närrischen Saarpfalz-Kreises mit auf Deutschlandreise. FOTO: Cornelia Jung
St. Ingbert. Das Beste aus der Saarpfälzischen Fastnacht bot die Narrenschau beim „Närrischen Saarpfalz-Kreis“ in St. Ingbert. Von Cornelia Jung

Jedes Jahr geht der „Närrische Saarpfalz-Kreis“, der 2011 aus der Taufe gehoben wurde, den Kappensitzungen in der Region voraus. Hier finden die Narren zusammen, um sich mit den tänzerischen oder Büttenreden-Highlights ihrer jeweiligen Vereine in der St. Ingberter Stadthalle auf die Hochzeit der Session einzustimmen. So auch am vergangenen Samstag.


Mittlerweile haben sich 20 Vereine diesem Format angeschlossen. Aus 34 Aufführungsvorschlägen von 17 in diesem Jahr zur „Zentral“-Veranstaltung gemeldeten Vereinen wählte der Programmausschuss 25 aus, welche in mehr als fünf Stunden das Publikum von den Stühlen rissen, zum Mitschunkeln und -singen animierten, an die Gewehre riefen und dafür sorgten, dass nicht zu knapp Raketen gezündet wurden. So bekamen die närrischen Gäste Einblick in die Vielfalt der saarpfälzischen Fastnacht mit all ihren Facetten. Ein farbenprächtiges Bild, das von den Kostümen der Garden, Funkenmariechen und der Schautänzerinnen und -tänzern bereits beim Einmarsch gemalt wurde.

Nicht nur die Uniformen, Orden und Kappen der einzelnen Vereine unterschieden sich, sondern auch deren Schlachtrufe von „Di la Hei“ (Die Blätsch Bexbach), „Sack zu“ (Die Sackschisser Ommersheim) über „Nix wie druff“ (Blieskasteler Karnevalsgesellschaft) bis hin zum allgemeingültigen und weitverbreitete „Alleh Hopp“. Zum Anheizen der Stimmung warfen die „Moonlights“ den Schunkler „Es gibt kein Bier auf Hawaii“ ins Rennen, gefolgt von der Antwort auf diesen Zustand, dem „Münchner Hofbräuhaus“. Einer der Moderatoren, Marco Hillinger von den „Pulverblättcher“ aus Blickweiler, war bereits zu Beginn auf Betriebstemperatur: „Ich han schon 50 Grad.“ Zeit also für den ersten Flachwitz, wie Co-Moderator Wolfgang Blatt befand.



Wirbelwind Jolina Clemens, Jugendmariechen aus Hillingers Verein, meisterte ihren Part souverän, hatte erschwerte Bedingungen. Sie war die erste im Programmablauf, dazu noch allein und überhaupt erstmals „vor so vielen Leuten auf der Bühne“. Sie eröffnete die närrische Reise durch den Saarpfalz-Kreis und brach das Eis für den Schautanz der Hasseler Juniorengarde, die die Grenzen überschritten und gleich auf Deutschlandreise gingen. Die Oberwürzbacher Maul-
esel schickten Roboter ins Rennen, die Kirkeler Burgnarren erzählten tänzerisch ihre ganz eigene Version vom „Dschungelbuch“, die Rohrbacher Sandmännchen feierten mit ihrer Oma „sechs mal elften“ Geburtstag und gaben tanzend Zahnpflegetipps, die Ehrengarde der Dengmerter Narrezunft marschierte (n)irgendwohin, während die Blieskasteler Aktiven durch die Zeit reisten und Urmenschen, Dinos, Mozart und den Wilden Westen auf die Bühne holten.

Losgelöst von der Erde schwebte das Rubenheimer Männerballett durch den Raum, die Rohrbacher Stampesstrampler zeigten, was man (nicht nur) bei schlechtem Wetter noch alles mit einem Schirm anstellen kann, die Bexbacher Aktiven „paarschippten“ und zu guter Letzt kämpften die Bebelsheimer „Blumenjungs“ noch mit den Mongolen.

Wolfgang Blatt dagegen, seit 1994 Regionalvertreter des Saarpfalz-Kreises, seit 45 Jahren in der Fastnacht aktiv und davon vier Jahrzehnte Vorstandsarbeit, kämpfte mit den Tränen. Extra für ihn nämlich hatte der Präsident des Bundes Deutscher Karneval (BDK), Klaus-Ludwig Fess, einen 500 Kilometer-Umweg auf sich genommen, um auf der Fahrt von Bonn nach Aachen noch in St. Ingbert vorbeizuschauen. Das hatte einen guten Grund, denn er ehrte „Herz-Blatt“ für seine langjährigen Verdienste um die saarländische Fasenacht mit dem BDK-Verdienstorden in Gold mit Brillanten, der höchsten deutschen Auszeichnung für Karnevalisten. Blatt war gerührt, ja sprachlos und verabschiedete sich nicht nur als Moderator der Veranstaltung sondern nach sieben Jahren auch als Vorsitzender des Närrischen Saarpfalz-Kreises.

Für ihn ging an diesem Abend mit einem langanhaltenden Applaus der Vorhang in der Halbzeit der Fastnachtsveranstaltung zu. Doch zu dieser Zeit waren die Amtsgeschäfte als Sitzungspräsident bereits an Elmar Becker von der Blieskasteler KG „Nix wie druff“ übergeben, der die zweite Hälfte moderierte. The show must go on, auch nach Amtsübergaben unter Narren. Es war trotz des Abschieds von Hillinger und Blatt ein super Abend. Mit vielen tollen Darbietungen und emotionalen Momenten.

Die Juniorengarde des KC Hassel nahm die Besucher des Närrischen Saarpfalz-Kreises mit auf Deutschlandreise.Foto: Cornelia Jung
Die Juniorengarde des KC Hassel nahm die Besucher des Närrischen Saarpfalz-Kreises mit auf Deutschlandreise.Foto: Cornelia Jung FOTO: Cornelia Jung
Wolfgang Blatt (Bildmitte, mit Urkunde) bekam vom Bund Deutscher Karneval (BDK) die für einen „Narren“ höchste Auszeichung, für deren Verleihung BDK-Präsident Klaus-Ludwig Fess (links) extra einen großen Umweg in Kauf nahm. Blatt wird „eingerahmt“ vom Präsident des Vereins Saarländischer Karnevalvereine, Hans-Werner Strauß (rechts) und dessen Vizepräsident Stefan Regert (links).
Wolfgang Blatt (Bildmitte, mit Urkunde) bekam vom Bund Deutscher Karneval (BDK) die für einen „Narren“ höchste Auszeichung, für deren Verleihung BDK-Präsident Klaus-Ludwig Fess (links) extra einen großen Umweg in Kauf nahm. Blatt wird „eingerahmt“ vom Präsident des Vereins Saarländischer Karnevalvereine, Hans-Werner Strauß (rechts) und dessen Vizepräsident Stefan Regert (links). FOTO: Cornelia Jung