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Kolumne zum Biospärenfest in St. Ingbert
Die Biosphäre zeigt gerade viele ihrer Facetten

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Im schnöden Alltag lässt es sich noch immer kaum feststellen, wie es die St. Ingberter Bewohner mit der Biosphäre halten und ob die Zugehörigkeiten zu dem Bliesgau-Reservat schon ein Teil ihrer Identität geworden ist.

An diesem Wochenende wird St. Ingbert aber unstrittig Biosphärenstadt, ja sogar Biosphärenhauptstadt sein. Das Biosphärenfest, das an diesem Sonntag in der Gustav-Clauss-Anlage gefeiert wird, nimmt eindrucksvolle Ausmaße an. Zig Vereine und Organisationen, jede Menge Programm auf zwei Bühnen, summa summarum 120 verschiedene Angebote im Stadtpark. Wer die Biosphäre erleben und irgendetwas zu ihr wissen will, wird bei dem Ereignis in St. Ingbert bestens bedient.


Mit dieser Vielfalt ist das Thema Biosphäre aber vorübergehend wohl abgegrast. Zumindest den Biosphären-Politikern in St. Ingbert scheint erst einmal die Luft ausgegangen zu sein angesichts des großen Trubels ums Biosphärenfest. So sollte laut Sitzungskalender am kommenden Donnerstag der St. Ingberter Stadtratsausschuss tagen, der neben Finanzen und Wirtschaft auch für die Biosphäre zuständig ist. Doch die Sitzung fällt flach. Die Absage erfolgte „in Ermangelung von Tagesordnungspunkten“, wie die Verwaltung den Stadtratsmitgliedern mitteilte.

An anderer Stelle hat St. Ingbert in den vergangenen Wochen dem Biosphären-Gedanken eher einen Bärendienst erwiesen. Das Beweidungsprojekt im Elstersteinpark hatte das Zeug, ein Beispiel für einen nachhaltigen Umgang mit der Natur zu geben. Doch jetzt ist aus dem Vorzeigeprojekt eine echte Peinlichkeit für die Biosphärenstadt geworden. Spätestens seit in dieser Woche bekannt wurde, welches Schicksal die Ziegen ereilt hat, die auf den Parkwiesen weiden sollten, muss man leider konstatieren: Hier wurde ein ganzes Vorhaben geschlachtet. Und das auch wegen fehlender Überzeugung. Wer die Worte Nachhaltigkeit und Biosphäre im Munde führt, muss sie auch in der Praxis ernst nehmen und darf nicht schon bei leichtem Gegenwind ohne ernsthafte Kompromisssuche kapitulieren.



Und eines ist leider auch typisch für den Zustand der politischen Streitkultur in Biosphärenstadt St. Ingbert. Jetzt soll wieder die Kommunalaufsicht klären, was eigentlich ohne Geheiß von oben Aufgabe der Stadtverwaltung und der kommunalpolitischen Gremien wäre. Das Projekt im Elsternsteinpark ist nicht an zu hohen und zu langen oder falsch platzierten Zäunen gescheitert. Und auch nicht am Geruch von Schafen und Ziegen. Sondern an einer fehlenden (einheitlichen) St. Ingberter Position, die man hätte mit der erforderlichen Überzeugung gegenüber unzufriedenen Bürgern vertreten können. Die Kommunalaufsicht kann jetzt vielleicht beschreiben, was wer hätte besser machen müssen. Retten wird das Landesverwaltungsamt das Beweidungsprojekt aber nicht. Doch vermutlich war genau das gewollt. Mit dem Einschalten der Kommunalaufsicht soll der Elstersteinpark nicht wiederbelebt, sondern nachhaltig auf Eis gelegt werden.