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Schams
Aus einem Projekt wird großes Theater

Hannah Jungfleisch, Christina Wieth und Anne Jungfleisch zusammen mit dem Plakat zu ihrem aktuellen Projekt „Integrama“.
Hannah Jungfleisch, Christina Wieth und Anne Jungfleisch zusammen mit dem Plakat zu ihrem aktuellen Projekt „Integrama“. FOTO: Selina Summer
St. Ingbert. Das integrative Musiktheater „Schams“ wurde für den deutschen Integrationspreis nominiert und befindet sich nun in der heißen Phase des Vorentscheids auf der Suche nach möglichst vielen Unterstützern.

„Schams“ ist den St. Ingbertern inzwischen ein Begriff. Was als Plan für ein aus Ärmel geschütteltes Theaterprojekt des Netzwerks für Flüchtlinge begann, hat sich in den letzten zwei Jahren zu einem erfolgreichen und professionellen integrativen Musiktheater entwickelt. Bereits das Stück „Nie wieder Hass“, in dem es um die Flucht aus dem Kriegsgebiet, die Erlebnisse und Ängste syrischer Flüchtlinge und ihre Ankunft in Deutschland ging, war ein großer Erfolg. Bis nach Dinslaken und nach Frankfurt ins Gallus Theater führten die Auftritte die 30 Schauspieler unterschiedlicher Nationen im Alter von 7 bis 51 Jahren. Menschen berühren, ihnen zeigen, was es bedeutet geflohen zu sein, das haben sie geschafft. Das Publikum zu berühren, sie mitfühlen zu lassen, ist ein Ziel, dass „Schams“ immer wieder von neuem erreicht. Nicht zuletzt ist „Nie wieder Hass“ auch für die Mitwirkenden eine Bewältigung dessen, was sie erlebt haben. Traumatherapie auf der Bühne.


Mit ihrem neuen Projekt knüpft „Schams“ an genau dieser Stelle an. In „Integrama“ stehen die Höhen und Tiefen der Integration im Mittelpunkt. Kulturelle und religiöse Traditionen werden hierbei genauso zum Thema wie Sprachbarrieren und Vorurteile. Auf der Bühne steht im Fokus, was den Alltag der Menschen prägt. „Dazu gehört auch die Rolle der Frau sowie die prekäre politische Situation in Deutschland“, betont Christina Wieht, die erste Vorsitzende des Netzwerks für Flüchtlinge in St. Ingbert. Denn schließlich sind alle, Schauspieler wie Zuschauer, Teil der Integration. „Schams“ steht für ein gemeinsames Miteinander, gegen Parallelgesellschaften. „Schauspiel, Tanz und Gesang: Von der Seele auf die Bühne, von der Bühne ins Herz.“ Lautet das Motto der Gruppe.

Ein großer Plan für ein großes Projekt. Hinter den Darstellern steht nicht nur das vierköpfige Orgateam mit den beiden Schauspielerischen Leiter Mwoloud Daoud und Johannes Becher, sondern auch ein Tanzlehrer und ein Fachmann für den musikalischen und technischen Part. Es werden Honorare gezahlt, Kostüme geschneidert und Bühnen gemietet. „Schams“ ist bundesweit angekommen. Das zeigt auch die Nominierung für den deutschen Integrationspreis. Hier gehören sie zu den 34 Teams, die sich nun in der ersten heißen Phase des Vorentscheids befinden. Denn nominiert zu sein heißt nicht, sich zurücklehnen zu können. In die nächste Runde kommt nur, wer möglichst viele Unterstützer findet. In einer Crowdfunding-Aktion, einer online-Spendensammlung sozusagen, auf der Internetseite „Startnext“ müssen die Teams mindestens 10 000 Euro Unterstützungsgelder für ihre Projekte sammeln. Zeit dafür haben sie bis zum 9. Mai. Unterstützung ist gefragt und hier gilt: Klein Vieh macht auch Mist! „Schon ab einer einmaligen Spende von 5 Euro ist man dabei und trägt seinen Teil zum Erfolg von „Schams“ bei“, erklärt Anne Jungfleisch vom Orga-Team. Denn nicht nur der reine Euro-Betrag falle ins Gewicht, sondern auch die Zahl der Unterstützer. Die Projekte, die von den meisten Personen unterstützt wurden, bekommen von der Hertie-Stiftung einen weiteren Zuschuss.



„Mitzumachen ist denkbar einfach“, weißt Christina Wieht hin „Und wer Fragen oder Probleme hat, darf sich gerne jederzeit bei uns melden.“ Auf der Internetseite des Projektes findet man gleich auf der Startseite den Link „Projekt unterstützen“ und wird von dort zu Startnext weitergeleitet. Wer spendet, geht auch nicht leer aus. Je nach Höhe des Betrages gibt es ein Sependendankeschön. Dazu gehören Eintrittskarten zu „Integrama“, die DVD zu „Nie wieder Hass“, zwei Stunden Workshop zum Traditionstanz Dabke gemeinsam mit den Schauspielern und vieles mehr. Erreicht „Schams“ das Sammelziel, gelangt die Gruppe in die nächste Auswahlrunde. Dort entscheidet dann eine Jury, welche Teams den deutschen Integrationspreis letztendlich erhalten.

Und was passiert mit dem Geld? Der beim Crowdfunding gesammelte Betrag soll der Gruppe helfen, auf große Tournee zu gehen. „Außerdem wünschen wir uns, bald auch kostenfrei an Schulen und bei Jugendprojekten auftreten zu können“, erzählt Orga-Team Mitglied Hannah Jungfleisch. Aktuell sei das leider noch nicht möglich. „Als gemeinnütziges Projekt bekommen wir Fördergelder, aber leider können die nicht alles abdecken“, so Christa Wieth. „Unterstützung ist und bleibt extrem wichtig.“ Und dieser Satz gilt wohl auf allen Ebenen unserer Gesellschaft.

Informationen zu „Schams“ findet man online auf: https://www.schams386.de. Bei allen Fragen und Problemen steht das Orgateam außerdem unter E-Mail: schams386@gmail.com, oder der bei Christina Wieth, Tel. (0176) 32 89 12 18.