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Neuer Männerchor
Sänger sind wieder heiß auf die Zukunft

Viel Lust auf Neues und eine sängerische Zukunft in St. Ingbert: Einige Sänger des neuen Chores „Männersache“ mit ihrem Leiter Friedel Hary (im Vordergrund mit Noten) und den beiden Initiatoren Heribert Wallacher und Uwe Meisenheimer (links und rechts daneben) vor dem Probenlokal.
Viel Lust auf Neues und eine sängerische Zukunft in St. Ingbert: Einige Sänger des neuen Chores „Männersache“ mit ihrem Leiter Friedel Hary (im Vordergrund mit Noten) und den beiden Initiatoren Heribert Wallacher und Uwe Meisenheimer (links und rechts daneben) vor dem Probenlokal. FOTO: Cornelia Jung
St. Ingbert. Die Vorsitzenden der beiden Traditions-Männerchöre in St. Ingbert freuen sich auf viel Neues mit dem Chor „Männersache“. Von Cornelia Jung

Der demografische Wandel macht auch vor den Chören nicht halt. „Chorsterben ist derzeit in aller Munde. Gerade bei den Männerchören ist das so“, sagt mit Uwe Meisenheimer einer, der es wissen muss. Denn er singt seit Jahren im Männergesangverein Josefstal. „Wir gelten als antiquiert und altmodisch. Wir sind nicht alt, aber das merkt keiner, weil keiner mehr zu uns kommt.“ Dabei gebe es genügend jüngere Männer, die gerne singen, wie er glaubt. Aber allein der Name Männergesangverein sei dazu angetan, die potenziell Sangeswilligen vom Schritt in den Verein abzuhalten.



Brauchtumspflege, Rituale, „angegraute“ Lieder und alte Traditionen – das würden manche wohl mit der Bezeichnung verbinden. „Da existieren noch viele Vorurteile“, stimmt ihm Heribert Wallacher zu, der beim „Frohsinn“ singt, ebenfalls ein in die Jahre gekommener Männerchor. Beide wollen für mehr Attraktivität ihres Hobbys sorgen, dem sie noch lange in der Gemeinschaft frönen wollen. Das gehe aber nur, wenn die Mitgliederzahlen wieder steigen oder, noch besser, Sängernachwuchs hinzukommt. Man wolle jüngere Männer zum Singen in der Gemeinschaft animieren, weshalb das „angestaubte Image“ etwas aufpoliert werden soll. Frische, modernere Texte und etwas unkonventionellere Auftritte stellen sich die beiden vor.

Innerhalb ihrer bereits seit Jahrzehnten bestehenden Chöre ist dies nur schwer möglich, denn einige der jahrelangen Sänger sind mit ihrem Chor verwachsen und meist auch mit dem Repertoire. Da ist es schwierig, alte Pfade zu verlassen. „Wir haben in unseren Chören alle das gleiche Problem, dass kaum noch neue Sänger nachkommen. Deshalb sind wir aufeinander zugegangen und haben miteinander geredet“, erzählen die beiden St. Ingberter von einem Brainstorming mit ihren Chorleitern, in dessen Ergebnis der Versuch zur „Rettung des Männergesangs“ gestartet werden sollte.

Um neue Wege zu gehen, holten sich Wallacher und Meisenheimer Friedel Hary, einen erfahrenen Chorleiter, ins Boot und machten ihre Idee zur „Männersache“. Und das ist auch Name des neu aus der Taufe gehobenen Männerchores, der bereits drei Mal geprobt hat und in dem sich bisher 25 Sänger der beiden Chöre versammeln, die Lust auf Neues haben, sowie ein neuer, gerade mal 22 Jahre alt. „Dass gerade unsere beiden MGVs zusammenkommen macht Sinn, denn wir sind die beiden präsentesten in der Stadt“, so Wallacher. „Wer wenn nicht wir“, ergänzt sein Kollege Meisenheimer, „wir als Vorsitzende der beiden großen St. Ingberter Männerchöre sehen uns in der Verantwortung, dass es weitergeht. Die sängerische Zukunft geht nur gemeinsam.“

Mit dem Format wolle man jüngere Männer ansprechen, die bisher im stillen Kämmerlein sangen, weil bisher einfach der passende Rahmen fehlte. Jeder junge Sänger wird mit offenen Armen empfangen, doch „jung“ ist relativ. Meisenheimer selbst ist 57, Wallacher 53 und Hary, der den Ton angibt, auch schon 64 Jahre alt. Trotzdem freut man sich besonders über Gesangstalente, die den allgemeinen Altersdurchschnitt drücken und neue Ideen einbringen. Es geht weniger ums Alter als um den frischen Wind, der durch die Notenblätter wehen soll. Hary gefiel die (Männer-)Sache, wie er sagt, und hat seinerseits schon Pläne für die Präsentation beim ersten Auftritt: aktuelle Titel, eine neue Bühnenaufstellung, mehr Bewegung. Und vor allem - weg vom Notenblatt.

Wichtig ist den Initiatoren, dass dieser Chor als Kind ihrer beiden traditionellen Vereine diesen keineswegs Konkurrenz machen will. Schließlich geht es in aller Interesse darum, eine in die Jahre gekommene Spezies, die des Chorsängers, vorm Aussterben zu bewahren. Man sei mit 125 Jahren MGV „Frohsinn“ und 112 Jahren MGV Josefstal in einem Alter, wo man auch mal an (sängerischen) Nachwuchs denken müsse, finden die beiden St. Ingberter Sänger.

Unterstützung vom Kreischorverband haben sie, den Segen ihrer Kameraden von beiden Männerchören ebenso. „Wir sind angetreten, was für die Zukunft zu schaffen. Wir sind heiß und wollen anfangen“, sagen die beiden, „und zwar jetzt. Wir wollen nicht erst abwarten bis es mal eine Förderung gibt.“

Der Chor „Männersache“ probt einmal im Monat immer samstags im „Karls-
berg-Fass“ in der Ludwigstraße 11 in St. Ingbert. Die nächste Probe ist am kommenden Samstag, 9. Dezember, um 14 Uhr.