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Kinowerkstatt
„Gundi“, Machos und ein Heldenpaar

Der Barde Gundermann mit seiner Conny.
Der Barde Gundermann mit seiner Conny. FOTO: Verleiher / Diverse
St. Ingbert. Die Kinowerkstatt St. Ingbert zeigt noch einmal den beliebten „Gundermann“ und den neuesten Coup von Regisseur Detlev Buck. red

Wegen großer Nachfrage wurde „Gundermann“ verlängert und läuft am Freitag, 28. September, um 20 Uhr noch einmal in der Kinowerkstatt. Andreas Dresens Film wurde gerade als herausragende Filmproduktion mit dem „Gilde Filmpreis“ ausgezeichnet. Mit feinem Gespür, Zärtlichkeit und Humor wirft Regisseur Andreas Dresen in „Gundermann“ einen Blick auf das Leben von Gerhard „Gundi“ Gundermann, einem der prägendsten Künstler der Nachwendezeit. Er starb 1998, mit gerade einmal 43 Jahren. Das Drehbuch stammt von Laila Stieler. Die Hauptrolle spielt Alexander Scheer, der alle Lieder im Film selbst eingesungen hat. Anna Unterberger steht als seine Frau Conny Gundermann vor der Kamera. In weiteren Rollen sind unter anderem Axel Prahl, Thorsten Merten, Bjarne Mädel, Milan Peschel, Kathrin Angerer und Peter Sodann zu sehen.


Gundermann brannte für seine DDR und war umso enttäuschter vom real existierenden Sozialismus. Er habe aufs richtige Pferd gesetzt, leider habe es nicht gewonnen, sagt Gundermann und „von jedem Tag will ich was haben, was ich nicht vergesse...“ Ein bisschen Glück genoss aber auch Gundermann: Da ist ja noch die nimmer endende Liebesgeschichte mit Conny, die er nach sehnsüchtigen Wartejahren einem Bandkollegen ausspannt – auch nicht gerade ein feiner Charakterzug. Und da sind vor allem die 18 neu bearbeiteten Gundermann-Lieder, die der phänomenale Hauptdarsteller Alexander Scheer allesamt selbst singt und dazu Gitarre spielt. „Gundermann“ erzählt nicht nur von Gerhard Gundermann, sondern auch von dessen Musik.

Der neue Film von Detlev Buck: „Asphaltgorillas“ (Deutschland 2018) mit Samuel Schneider, Ella Rumpf (Tiger Girl), Jannis Niewöhner, Kida Khodr Ramadan, Stefanie Giesinger, Georg Friedrich, Erdogan Atalay, Oktay Özdemir, Uisenma Borchu, Stipe Erceg, (103 Minuten. FSK: 12) läuft am Samstag, 29. September, um 20 Uhr.



Mit „Asphaltgorillas“, der Verfilmung einer Kurzgeschichte aus Ferdinand von Schirachs – und zwar „Der Schlüssel“ aus dessen Erzählungsband „Schuld“ – hat sich Detlev Buck ein echtes Kontrastprogramm zu seinen weichgespülten, supererfolgreichen „Bibi & Tina“-Popmusicals gesucht.

Nach vier „Bibi & Tina“-Filmen muss es für den Filmemacher Buck wie eine Befreiung gewesen sein, diesen schmutzigen, kleinen Gangsterfilm zu drehen, mit Neonschrift und klischeehafter Rotlichtriege, die vielleicht gar nicht so sehr Klischee ist, mit einem verfressenen Dobermann und einem vollgekackten Lambo-Luxussportwagen, mit einer mongolischen Killerlady und einem sehr aparten Heldenpaar, das einen ganz außer Atem geraten lässt. „Lambos“, sündhaft teure Lamborghinis also, sind wichtig für die Story um großmäulige Kleinganoven und Klischeerapper vom Kotti, Berlin.

Bucks Verwechslungsspiel mit blauem und goldenem Lambo, echtem und falschem Geld, miesen Machos und wahren Heldinnen ist ein cleverer, rotziger Spaß, den auch Danny Boyle oder Guy Ritchie hätten drehen können mit der wohl poetischsten brutalen „Prügelei“ der letzten Kinojahre.

Kida Khodr Ramadan (links) als El Keitar, Samuel Schneider als Atris und Ella Rumpf als Marie in einer Szene des Films „Asphaltgorillas“.
Kida Khodr Ramadan (links) als El Keitar, Samuel Schneider als Atris und Ella Rumpf als Marie in einer Szene des Films „Asphaltgorillas“. FOTO: dpa / -