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Polizei
Polizei erwischt mehrere Gurtmuffel

Gurt im Reisebus ARCHIV - Eine junge Frau schnallt sich in einem Reisebus am 29.10.2009 in Leipzig mit einem Beckengurt an. Der Grund f¬ar eine hohe Zahl von Toten und_Schwerverletzten bei Busungl¬acken ist nach Ansicht des ADAC vor allem, dass sich viele_Passagiere nicht anschnallen.  Foto: Hendrik Schmidt  +++(c) dpa - Bildfunk+++
Gurt im Reisebus ARCHIV - Eine junge Frau schnallt sich in einem Reisebus am 29.10.2009 in Leipzig mit einem Beckengurt an. Der Grund f¬ar eine hohe Zahl von Toten und_Schwerverletzten bei Busungl¬acken ist nach Ansicht des ADAC vor allem, dass sich viele_Passagiere nicht anschnallen. Foto: Hendrik Schmidt +++(c) dpa - Bildfunk+++ FOTO: picture alliance / dpa / Hendrik Schmidt
SaaRpfalz-Kreis. Bei einer Aktionswoche mit Kontrollen hatten im Saarpfalz-Kreis auch viele Autofahrer während der Fahrt ein Handy am Ohr.

Die Zahlen sind überraschend: Bei vielen Verkehrsüberwachungsaktionen der Polizei fallen verstärkt Gurtmuffel und Handy-Verstöße am Steuer auf. Allein jetzt bei der landesweiten Schwerpunkt-Kontrolle „Aktion Gurt und Handy“ wurden mehr als 14 000 Autofahrer überprüft: über 1000 waren nicht angeschnallt und 1100 telefonierten während der Fahrt (wir berichteten). Auf Anfrage erklärte Polizeikommissar Malte Krämer von der Homburger Inspektion, dass in der Region Homburg mehr als 200 Kfz überprüft wurden. Dabei war jeder dritte Fahrer nicht angeschnallt – zum Teil mit ungesicherten Kindern an Bord. Zudem hielten sich 20 Fahrer nicht an das Handy-Verbot während der Fahrt. Experten meinen, dass moderne Fahrzeuge in der Regel eine Erinnerungsfunktion haben, die aber häufig einfach ausgetrickst werde. „Lebensgefährlich“, warnt die Polizei.


Sie hat festgestellt, dass auf Kurzstrecken oder in Tempo-30-Zonen die Anschnall-Quote wesentlich geringer ist. Bei Fahrten auf der Autobahn hingegen liegt sie bei nahezu 100 Prozent. Das wird offenbar als gefährlicher eingeschätzt. Dabei sind auch schon bei Unfällen mit wenig Tempo schwere Verletzungen möglich. Crashtests zeigen, dass bei einem Frontalaufprall mit 30 Stundenkilometern so hohe Kräfte wirken, dass sich ein Autoinsasse nicht mehr mit den Händen abstützen kann. Nach aktuellen Zahlen, ermittelt vom Auto Club Europa (ACE) mit dem Deutschen Verkehrssicherheitsrat, heißt es: „Zwanzig Prozent der im Straßenverkehr tödlich Verunglückten trugen zum Zeitpunkt des Unfalls keinen Gurt“. Die meisten Autos sind heutzutage mit einer akustischen Anschnall-Erinnerung ausgestattet. Diese „lebensnotwendige Sicherheitseinrichtung“ werde aber nicht selten über verschiedene Wege ausgehebelt. So wird der Sicherheitsgurt zwar in die Halterung gesteckt, dann setzen sich die Fahrer aber darauf. Oder er wird nicht ordnungsgemäß über die Schulter angelegt, sondern unter den Arm geschoben.

In Deutschland wurde die Gurtpflicht 1974 festgelegt, sie wird aber erst seit dem Jahr 1984 bei Missachtung mit einem Bußgeld geahndet. Seit 1979 ist auch die Anschnallpflicht hinten im Auto verpflichtend. Im Bußgeldkatalog gibt es dazu Regelungen: Fährt ein Pkw-Fahrer mit dem Auto im Verkehr, ohne den Gurt anzulegen, hat der Fahrer mit einem Bußgeld in Höhe von 30 Euro zu rechnen. Für Kinder sind die Regelungen nach dem Verkehrsrecht noch strenger. Zwar wird dem Fahrer kein Fahrverbot erteilt, aber neben dem Bußgeld von 60 Euro bekommt er zusätzlich einen Punkt in Flensburg. Dieser Punkt wiegt nach dem reformierten Punktesystem dabei umso schwerer, da bei acht Punkten bereits der Führerschein entzogen wird.

(jkn)