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Pflanzaktion
Kinder pflanzen Bäume für mehr Vielfalt

Das sind nur einige der Helfer, die am Donnerstag auf der städtischen Streuobstwiese beim Pflanzen der jungen Bäume geholfen haben.
Das sind nur einige der Helfer, die am Donnerstag auf der städtischen Streuobstwiese beim Pflanzen der jungen Bäume geholfen haben. FOTO: Cornelia Jung
St. Ingbert. Etwa 60 Kinder der Albert-Weisgerber-Schule halfen am Donnerstag beim Pflanzen 15 junger Obstäume auf der stadt- eigenen Streuobstwiese.

Streuobstwiesen sind in der Biosphäre landschaftsprägend, doch es werden wegen des hohen Pflegeaufwandes immer weniger. Für die Stadt St. Ingbert ist die Pflege der stadteigenen Streuobstwiese im Rohrbachtal ein wichtiger Beitrag zur biologischen Vielfalt.


„Einige alte Bäume müssen dort ausgetauscht werden, und es sollten wieder alte Obstbaumsorten gepflanzt werden“, sagte Monika Conrad, die „Biosphärenbeauftragte“ der Stadt. Für das Pflanzen von 25 Bäumen suchte sie sich Helfer in der Stadtgärtnerei, den Obst- und Gartenbauvereinen (OGV) Rohrbach und Hassel, dem Naturschutzbund (Nabu) sowie der Albert-Weisgerber-Schule. Doch mit allen 60 Schülern der 4. Klasse hatte sie am Donnerstagmorgen auf der Wiese Auf der Spick dann doch nicht gerechnet. Weil wegen des Streiks im öffentlichen Dienst nicht so viel städtisches Fachpersonal verfügbar war, wurden nur 15 der aus einer pfälzischen Baumschule stammenden Obstbäume gesetzt.

Doch es blieb für die Kinder und ihre „Vorarbeiter“ immer noch jede Menge zu tun. Damit die Kirsch-, Apfel- und Birnbäume gut gedeihen, waren von städtischen Mitarbeitern entsprechend tiefe Pflanzlöcher vorbereitet worden, in die die Bäume gesetzt und Baumpfähle gerammt werden mussten, damit die noch jungen Stämmchen Halt haben und gerade wachsen. In der Garten-AG ihrer Schule waren die Kinder im Vorfeld schon fleißig und hatten Körbe aus Hasendraht für die Wurzelballen gefertigt, damit Wühlmäuse keine Chance haben, die jungen Bäume anzuknabbern. Von Siegbert Unbehend vom OGV Hassel gab es für Lehrer und Eltern Gratis-Tipps zum Obstbaumschnitt im heimischen Garten.



Als die Kinder im Erdreich einen Regenwurm ausmachten, wurde der kleine „Bodenlockerer“ zum Gegenstand einer Fragerunde, bei der die Schüler noch einiges lernen konnten. Und sie erfuhren auch etwas zur Veredlung ihrer Obstbäume. Ein Teil der Streuobstwiese wird seit Jahren vom Nabu betreut, der sich dazu verpflichtet hat, in den nächsten zwei Jahren für den Erziehungsschnitt der neuen Bäume zu sorgen.

Helmut Graf vom Nabu begrüßte die Obstbaum-Pflanzaktion mit den Kindern. „Es soll eine Streuobstbaumwiese werden, die nicht nur Früchte bringt, sondern auch für Insekten da ist“, sagte er. Denn Ziel des Nabu ist es, unter anderem durch seltenes Mähen zu erreichen, dass die Wiese, die man von der Straße zwischen Rohrbach und St. Ingbert aus sieht, magerer wird und zum Blühen verschiedener Blumensorten angeregt wird.

Eine kleine Schlüsselblumenecke gebe es schon. Auch mit Vogelhäuschen und einer Wildbienennisthilfe soll der Vielfalt auf der Grünfläche Vorschub geleistet werden. Mit Blick auf die vielen kleinen Pflanzhelfer sagte Graf: „Man sollte die Kinder viel mehr in die Natur entführen und erklären, dass nur eine intakte Natur uns ernährt – und warum es immer wichtiger wird, sie zu erhalten.“ Die Früchte ihrer Arbeit können die Kinder eines Tages ernten. Damit sie sich schon jetzt darauf freuen können, durften sie sich als Belohnung bei den einheimischen Äpfeln bedienen, die der in der Nähe gelegene Edeka-Markt zur Verfügung gestellt hatte.

Oberbürgermeister Hans Wagner griff an diesem Tag auch zur Schaufel, nachdem er sich bei den vielen Helfern bedankt hatte. „Ihr tut hier nicht nur was für die Stadt, sondern vor allem für die Natur. Mit dem Pflanzen der Streuobstwiese habt ihr die Möglichkeit, selbst Lebensmittel zu produzieren.“ Mit dieser Vorstellung im Blick waren die jungen Gärtner später beim Angießen ihrer Bäume umso emsiger.