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Orakel für den Betrachter

St Ingbert. Mit Gemälden auf Büttenkarton und Forex-Platten bestreitet Max G. Grand-Montagne eine neue Ausstellung in St. Ingbert. Der Titel lautet „Mikado“, angelehnt an das Spiel mit den Stäbchen, die orakelhaft und scheinbar willkürlich fallen. Maria Herrndobler

Plakatives auf ein Minimum reduziert, dabei heiter und grafisch ausbalanciert. So präsentieren sich die Bilder von Max G. Grand-Montagne in seiner neuen Ausstellung. Rot und schwarz sind die Farben, die sich in immer anderen Formen aneinander anlehnen, sich queren oder einzeln Position beziehen. Dazu ein "Leberfleck" des Künstlers in Form eines roten kleinen Quadrates, das auf jedem Bild zu sehen ist.

Ohne Passpartout



"Die richtige Stelle für das kleine Quadrat zu finden, dauert mitunter lange, es gibt nur einen richtigen Platz dafür auf jedem Bild, den muss ich finden", so Grand-Montagne. Er arbeitet vorzugsweise auf Büttenkarton oder auf modernen Forex-Platten in Holzschnitt-Technik unter Ausnutzung des vollen Blattes, ohne Passpartout. Für diese Ausstellung hat er sich ausschließlich auf quadratische Formate festgelegt.

Seiner neuen Ausstellung gibt er den Namen "Mikado" in Anspielung an das alte Spiel mit den bunten Stäbchen. Sie fallen orakelhaft und scheinbar willkürlich. Seine Hauptmotive Linien, Bögen und Kreise in rot oder schwarz sind zwar so gewollt, aber die Grenzen lassen sich nicht immer genau definieren. Der Betrachter kann dabei sein eigenes Orakel lesen, sich mit der Komposition auseinander setzen. Die Orakel fallen aber ziemlich sicher positiv aus, denn die Bilder strahlen Ruhe und Harmonie aus, sie sind eine optische Augenweide und tragen zum Teil französische Bezeichnungen wie "Santé, Dance, Capricieux, Carré, Caprice oder Elysée". Er will damit einmal seine Verbundenheit zu Frankreich zeigen, aber auch der Leichtigkeit, Grazie und Eleganz seiner Werke einen Namen geben. Wichtig ist ihm vor allem auch die Weitergabe der Freude, die er selbst beim Arbeiten an seinen Werken empfindet. Das Konkret-Minimalistische ist für ihn zudem ein Mittel gegen die Übersättigung, die inzwischen in vielen Bereichen vorhanden ist.

Mit seinen schwarzen Holzskulpturen bleibt er seinem Bestreben nach Schönheit in seiner Einfachheit treu. Auch hier herrschen klare Formen vor, dazu ein tiefes Schwarz und natürlich der quadratische "Leberfleck", auf dem schwarzen Holz allerdings in weiß.

Max G. Grand-Montagne stellt seit sechs Jahren in den angemieteten Räumen über der "Café-Stube" aus, meist eigene Werke, aber auch zusammen mit anderen Künstlern. So hat er erst vor wenigen Wochen eine Ausstellung mit Werken von Albert Weisgerber mit großem Erfolg in seinen Räumen organisiert. Grand-Montagne ist 1941 in St. Ingbert geboren und studierte an der Kunstakademie in Trier Malerei und Grafik. Seine Werke sind unter anderem in Museen in China und Malaysia oder der Saarländischen Landesbank zu sehen.

Die Ausstellung Mikado läuft bis Sonntag, 19. April, im Kunstraum Max G., Rickertstraße 1. Geöffnet ist von Montag bis Samstag von 9 bis 17 Uhr, sonntags von 14 bis 17 Uhr. Der Künstler ist samstags von 11 bis 13 Uhr anwesend. Kleinformatige Werke (20 mal 20 cm) ohne Rahmen auf Büttenkarton kosten zum Beispiel 80 Euro.