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OB bittet Händler um Verständnis

St Ingbert. Möbel Herzer konnte seinen Umsatz stabil halten. 30 Prozent Einbußen verzeichnet Björn Martin vom gleichnamigen Blumengeschäft. Der OB erklärte jetzt die Baustellen vor den Türen der Händler. Es wurde einige Jahre nicht in die Kanäle und den Tiefbau investiert. Cornelia Jung

. Vor einigen Tagen besuchte Oberbürgermeister Hans Wagner gemeinsam mit Wirtschaftsförderer Thomas Debrand und dessen Stellvertreterin Martina Quirin das Geschäft "Möbel Herzer" am Theodor-Heuss-Platz. Der OB wollte sich dort mit einigen der durch die umliegenden Baustellen betroffenen Händlern treffen. Andreas Herzer ist einer von ihnen, der von den Arbeiten vor "seiner" Haustür betroffen ist. "Es wurde einige Jahre nicht in die Kanäle und den Tiefbau investiert", sagte Wagner über die Gründe für die vielen Baugruben in St. Ingbert , "bei Kamerabefahrungen hat man gesehen, dass Kanäle zum Teil schon durchgebrochen sind." Hier habe man die Verpflichtung, rechtzeitig zu reagieren, bevor es größere Schäden gibt. "Da haben wir jetzt den Schwarzen Peter", versucht der Oberbürgermeister zu erläutern, warum gerade in seiner Amtszeit soviel "gebuddelt" wird. Die Baustellen seien nicht nur für die Autofahrer schlecht, sondern auch für die ortsansässigen Händler . Wagner bietet bei Problemen unbürokratische Hilfe an: "Ein Anruf oder eine Mail genügen. Was wir machen können, das machen wir."

Herzer, der das Angebot bereits in Anspruch nahm, weil ein Anlieferer nicht vorfahren konnte, lobte die schnelle Reaktion. Ein Problem, das sich hätte auswachsen können, war durch gute Kommunikation innerhalb von weniger als zwei Stunden gelöst. Bei dem Vor-Ort-Termin im Einrichtungsgeschäft wurde ihm unbürokratisch ein Schild zugesagt, das Ortsfremde darauf hinweist, dass sie an der Baustelle links vorbeifahren können, um zu den Kundenparkplätzen zu gelangen. Andreas Herzer konnte mit der Verdoppelung der Werbekosten, Marketingkampagnen und Rabatten seinen Umsatz stabil halten, auch deshalb, weil er Stammkunden hat und auch bei Kunden zu Hause berät. Anders sieht das schon beim Blumengeschäft gegenüber aus.

"Wir haben 30 Prozent Einbußen", sagt Björn Martin vom gleichnamigen Blumengeschäft. Vor allem die Laufkundschaft fehle wegen der eingeschränkten Parkmöglichkeiten. Die Händler wünschen sich von Stadtverwaltung und Baubetrieb vor allem, dass man sie rechtzeitig über geplante Bauarbeiten informiert.

Im Großen und Ganzen laufen die Arbeiten "vorbildlich", wie Andreas Herzer beobachtet. Trotz Einschränkung hat er Verständnis für Lärm, Dreck und behinderte Zuwegung: "Gut, dass hier was gemacht wird. Man muss das konstruktiv sehen. Wenn dem Großbach, der notwendige Abfluss fehlt, dann würde das ganze Wiesental absaufen."

Dass eine solche Situation für den Betriebswirt Herzer mit seinen hochwertigen Möbeln keine Option ist, ist verständlich. Er und Oberbürgermeister Wagner zeigten sich angesichts der vor dem Schaufenster bei Minusgraden arbeitenden Männer optimistisch, dass die Baumaßnahmen an dieser Stelle in einem halben Jahr Geschichte sind. Herzer sieht die Situation pragmatisch: "Jetzt machen wir uns erstmal für Ostern hübsch."