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Nur echte Gangster tragen Pullunder

St Ingbert. Einer der neuen Helden der deutschen Rap-Musik kommt aus St. Ingbert. DCVDNS hat sich mit seinem außergewöhnlichen Stil und humorvollen Texten heimlich in die oft bierernste Rap-Szene geschlichen. Von SZ-Redakteur Florian Rech

Wie sieht ein echter deutscher Gangster-Rapper aus? Dicke Muskeln unter einem Tanktop oder einem Kapuzenpulli? Tätowierter Körper und protziger Goldschmuck? Was für den Rest der Republik gilt, hat im "Problembezirk St. Ingbert Mitte" keine Bedeutung. Hier trägt ein echter Gangster Hornbrille, ein schickes Markenhemd und einen ferrariroten Lacoste-Pullunder. Mit seinem ungewöhnlichen Kleidungsstil und seinen ironischen, humorvollen Liedtexten hat sich der St. Ingberter DCVDNS zu einem der Shootingstars der deutschen Rapszene entwickelt. Mit Witz rappt der 25-Jährige über Drogenhandel und sein Gangster- und Zuhälterleben.

Privates bleibt geheim



Er pflegt sein Image auch auf der Bühne und in Interviews. Seine Videos auf der Internetplattform Youtube gefallen Hunderttausenden von Fans. Sein Debütalbum "Brille" fand reißenden Absatz, er schaffte es in die Show des Entertainers Stefan Raab und geht auf Tour mit Szenegrößen wie Kool Savas. Privates gibt DCVDNS ungern von sich preis. "Ich mag es nicht, wenn plötzlich irgendwelche Leute vor meiner Haustür stehen und was von mir wollen", sagt er. Auch Interviews gibt der nach eigenen Angaben studierte Zahnarzt nur ungern, weil er seine "Antworten hasst". "Bekannt sein nervt", sagt DCVDNS, "aber es ist immer noch besser als arbeiten gehen."

Seit er Stefan Raab in dessen Sendung seinen roten Pullunder geschenkt hat, kann er etwas aufatmen: "Ich werde jetzt weniger erkannt." Fragt man den Gangster-Rapper nach seinem ungewöhnlichen Kleidungsstil und unterstellt ihm, dass er mit Stil und Texten die deutsche Rap-Szene parodieren will, ist DCVDNS schnell entnervt: "Picasso hat auch niemand gefragt: ‚Warum machst du das so?' Er hat's einfach gemacht. Die Leute können in meine Musik hineininterpretieren, was sie wollen."

Für den St. Ingberter ist seine Musik ganz normaler Gangster-Rap. "Ich mach, was ich will und brauche auf nichts Rücksicht zu nehmen. Das meiste in meinen Texten meine ich ernst. Viele verstehen das nicht. Aber erklären will ich mich nicht. Wer sich dauernd erklärt, wird uninteressant." Seine Rolle, sagt er, sei viel weniger Rolle, als man vielleicht glaubt: "Das ist mein natürlicher eigener Humor." Sein Humor bringt ihm nicht nur Freunde ein. Tausende eingefleischter Rap-Fans hassen den Stil von DCVDNS und teilen es dem St. Ingberter auch regelmäßig mit. "Unter meinen Videos stehen dann Kommentare wie, ‚Du schwuler Seehund' oder ‚Du bist ja hobbylos‘", sagt der 25-Jährige.

Was heißt DCVDNS eigentlich? In den vergangenen Jahren seines kometenhaften Aufstiegs in der Rap-Szene wurde viel darüber spekuliert, und der Rapper selbst hat die Gerüchteküche auch noch kräftig angeheizt. Heißt es: "Der Coole von der neuen Schule"? Oder hat DCVDNS die Buchstaben einfach nur gedankenlos auf seine Tastatur gehackt? Alles falsch. "Das sind meine Initialen. Bürgerlich heiße ich: Dominik Christoph von der Nordsee", behauptet der Gangster-Rapper nun. Am 26. September tritt der St. Ingberter für das Saarland bei Stefan Raabs Bundesvision Song Contest an.

Mit seiner Heimat verbindet DCVDNS viel. Er ist hier aufgewachsen und lebt immer noch im Saarland. Zur Heimatstadt St. Ingbert hat der 25-Jährige ein zwiespältiges Verhältnis. "Wenn man kein Hobby hat, ist hier Langeweile angesagt. Früher war hier mehr los." Die St. Ingberter Hip-Hop-Szene, die sogenannten 386er (Nach den Endziffern der St. Ingberter Postleitzahl), verbrachte ihre Zeit oft an der ehemaligen Baustahl-Gewebehalle am Drahtwerk Nord. Hier waren Skater und Sprüher unter sich.

Eine Spießbürgerstadt

Für DCVDNS ist St. Ingbert eine typische "Spießbürgerstadt", und er erzählt von einem Aufstand, den er auslöste, weil er auf einem Behindertenparkplatz parkte. Auf der anderen Seite taucht die Mittelstadt immer wieder in seinen Musikvideos auf, und er sagt: "Wenn ich im Saarland bleibe, dann in St. Ingbert." Auf der Webseite der Stadt im Online-Lexikon Wikipedia findet sich unter der Rubrik "bekannte Bürger" der Eintrag DCVDNS. "Früher habe ich mich zum Spaß selbst hier eingetragen", sagt der Rapper, "das wurde dann sofort wieder gelöscht." Heute hat es der St. Ingberter ohne eigenes Zutun auf die Wiki-Liste der berühmten Stadtsöhne gebracht. "Eigentlich würde ich den Eintrag gerne löschen lassen", sagt der 25-Jährige.

Auch die Musiker, die mit DCVDNS auf der Bühne stehen - Wolfgang H. und Hermann Weiss - sind alte Freunde aus der Mittelstadt. Mit seiner Musik weitermachen will DCVDNS so lange, wie es geht. Was danach kommen soll, weiß er noch nicht. Nur eins ist ihm wichtig: "Ich will immer mein eigener Chef sein." > : Weiterer Bericht