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Neue Debatte um Dach über Fußgängerzone

St Ingbert. Eine alte Vision hat einen neuen Fürsprecher. OB Wagner hielte es für eine gute Idee, wenn eine Überdachung für „Centerflair“ in der St. Ingberter Fußgängerzone sorgen würde. Noch handelt es sich bei einer Neugestaltung der in der Jahre gekommenen „Gudd Stubb“ um Gedankenspiele. Von SZ-RedakteurManfred Schetting

. Eine Überdachung für Teile der Fußgängerzone war in St. Ingbert schon einmal ein großes Thema. 2003, im damaligen OB-Wahlkampf. Andreas Gaa, Vorsitzender der damals nicht im Stadtrat vertretenen FDP, brachte das Thema in die Kommunalpolitik und regte als ersten Schritt eine überdachte Pavillonfläche bei der Alten Kirche an. Der SPD-Kandidat Elmar Peiffer griff die Idee auf, machte sie zu seinem Vorschlag und nannte eine Glaspassage in der Innenstadt von St. Veit in Kärnten als gestalterisches Vorbild. Mit Peiffers Niederlage bei der OB-Wahl war ein Dach über St. Ingberts "Gudd Stubb" allerdings wieder vom Tisch.

Seit einigen Wochen wird aber wieder eine Debatte um eine Überdachung für die Fußgängerzone geführt. Mitte Januar war eine in Teilen überdachte Fußgängerzone ein Thema beim Wirtschaftdialog zur Innenstadt, zu dem die Stadt St. Ingbert Vertreter von Handel und Politik ins Rathaus eingeladen hatte. Insbesondere Oberbürgermeister Hans Wagner hat dabei laut darüber nachgedacht, dass eine wetterunabhängige Lösung im Zentrum mehr Kunden nach St. Ingbert locken könnte. Gegenüber der SZ hat der OB diese aus seiner Sicht gute Idee nochmals näher erläutert: "Das kann eine Einkaufsatmosphäre wie in einem Center schaffen - und das wäre ohne ECE möglich."

Dass alle Geschäfte einen Vorteil hätten und nicht nur ein Großinvestor, hätte besonderen Charme. Wagner macht allerdings auch deutlich, dass die Stadt das Thema Überdachung nicht im Alleingang angehen werde. "Wenn die Kaufmannschaft sowie Handel und Gewerbe ein entsprechendes Signal geben, könnten weitere Überlegungen starten." Eine solche Zustimmung wäre auch Voraussetzung für ein Gutachten, das die Stadt in Auftrag geben könnte, um herausfinden, wie eine Überdachung genau aussähe und welche Kosten für sie anfielen. Bei den Kosten strebt Wagner eine Finanzierung mit drei Partnern an: "Stadt, Kaufmannschaft und Hausbesitzer in der Fußgängerzone sollten sich das teilen."

Wie eine Überdachung der Fußgängerzone aussehen könnte, zeigt sich der OB noch völlig offen. "Ich bin momentan noch in einer Ideensammelphase." Zu diesen Ideen zähle etwa eine Entwurfskizze, die von einem Architekten stammt. Denkbar seien auch transparente Faltdächer in Leichtbauweise, zu denen er sich schon verschiedene Firmenprospekte besorgt hat. Generell schwebe ihm eine die Fußgängerzone überspannende Konstruktion vor, die dem unterschiedlichen Verlauf der dortigen Fassaden entspräche.

Ähnliche Ideen verfolgt seit einiger Zeit auch der St. Ingberter Gerhard Kettner. Der Privatmann sehe in einer Überdachung der Innenstadt für St. Ingbert ein "Alleinstellungsmerkmal im Saarland". Sein Gestaltungsfavorit wären die Faltdächer einer Firma aus dem Siegerland, mit denen etwa der Siebenbrunnenplatz in Wien überdacht worden ist.

Egal welche Gedankenspiele man auch anstellt, bis die Überlegungen zu einer Überdachung wirklich konkreter würden, werde es nach Einschätzung von OB Wagner noch dauern. "Aus persönlichen Gesprächen mit Geschäftsleuten weiß ich es schon: ein solches Projekt braucht Zeit." Und wohl auch Überzeugungsarbeit. So stellt Nico Ganster, der Vorsitzende von Handel und Gewerbe in St. Ingbert, die Frage, inwieweit eine Überdachung umsetzbar und finanzierbar wäre. In jedem Fall richtig sei es aber, sich generell Gedanken über eine Modernisierung der Fußgängerzone zu machen. St. Ingberts "gudd Stubb" sei inzwischen etwas in die Jahre gekommen und brauche den einen oder anderen neuen Impuls.