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Tag der Nachhaltigkeit
Der Förster erklärt die Waldwirtschaft

Förster Michael Weber erklärt dem neunjährigen Milon Fionn Schmitutz, woran man erkennt, dass ein Baum nach den Sicherheitsbestimmungen gefällt wurde.
Förster Michael Weber erklärt dem neunjährigen Milon Fionn Schmitutz, woran man erkennt, dass ein Baum nach den Sicherheitsbestimmungen gefällt wurde. FOTO: Michael Aubert
St. Ingbert. Wie nachhaltig ist die Arbeit im Saarforst? Diese Frage beantwortete Revierförster Michael Weber mit vielen Details bei einer Waldwanderung. Von Michael Aubert

Zum Tag der Nachhaltigkeit haben vergangenen Mittwochnachmittag alle Revierförster des Saarforsts zu einem Informationstag eingeladen. Eine Waldwanderung sollte es sein. Um Interessierten die vielfältige und vielschichtige Arbeit der hiesigen Förster vorzustellen. Um aufzuklären, Missverständnisse auszuräumen und gleichzeitig auch um Verständnis zu werben. Fragen zu beantworten, die vielen schon seit Jahren unter den Nägeln brennen. So war Förster Michael Weber, der das Revier St. Ingbert Süd mit etwa 1000 Hektar Staatswald und weiteren 400 Hektar Stadtwald „bewirtschaftet“, fast schon ein wenig überrascht, dass sich nicht mehr als vier Erwachsene und ein neunjähriger Junge auf dem Staffelparkplatz einfanden, um die Gelegenheit wahrzunehmen.


Wenig nachhaltig der Umstand, dass auf dem Parkplatz neben jeder Menge Verpackunsmüll auch ein altes Waschbecken, ein Stuhl sowie zwei große alte Kanister „entsorgt“ wurden. Für Weber ein schneller Einstieg in seine – in diesem Fall unschöne – Arbeit. Denn jährlich müsse der Saarforst für die illegale Müllentsorgung mehrere hunderttausend Euro aufwenden. Ein Punkt, der neben Ärger und Geld auch noch Zeit kostet. Zeit, die der Förster mit dem „I love Forst“-Button am Hut lieber für die Hege, Pflege und Bewirtschaftung seines Waldes stecken würde.

Diesbezüglich ärgert er sich immer über Aussagen, die dem Saarforst und seinen Förstern reine Profitgier unterstellten. Denn naturnahe Waldwirtschaft bedeutet natürlich Holzgewinnung. Nur eben auf eine andere Art als dies lange Jahre der Fall war. „Der Wald war schon immer ein Wirtschaftsfaktor“, sagt Weber. Man müsse sich zuhause nur mal umsehen, was alles aus Holz gefertigt ist: Tische, Stühle, Schränke, bis hin zum Papier. Die Forst- und Holzwirtschaft, sagt Weber, sei mit 1,8 Millionen Beschäftigten das zweitgrößte Cluster nach der Metallindustrie. Alleine aus dem Forstgebiet St. Ingbert Süd würden jährlich etwa 7700 Festmeter Holz geschlagen (Zirka 6500 Festmeter aus dem Staatswald und etwa 1200 aus dem Stadtwald).

Aber, so Weber: „Die Forstwirtschaft im Saarland ist nachhaltig. Wir ernten nie mehr als auch tatsächlich nachwächst.“ Nach Angaben des Saarforstes würden vom jährlichen Zuwachs an Holz nur 60 Prozent genutzt. Demnach habe das Saarland vor etwa 30 Jahren als erstes Bundesland eine naturnahe Waldwirtschaft per Verordnung festgeschrieben. Es gehe darum, den Wald als Wirtschafts-, Lebens- und Erholungsraum zu erhalten. „Unsere Arbeit ist im Grunde ein Dreiklang: aus Nutzen, Schutz und Erholung“, sagt Weber: „Es geht darum, das Gleichgewicht zu halten.“ Diesbezüglich spielt die Vielfalt der Bäume ebenso eine Rolle wie deren Alter oder unterschiedliche Wachstumsphasen: Standortheimische Mischwälder statt Reinbestände. Dauerwaldstrukturen mit Einzelbaumnutzung statt Kahlschlag. Kein Chemieeinsatz und: menschliche Eingriffe so weit als möglich einschränken. „Die Natur kann es eigentlich am besten“, sagt Weber. Nur müsse man sie auch lassen.

Und manchmal lenken. So werden abgestorbene Bäume als Lebensraum für Insekten, Vögel und andere kleine Tiere oftmals stehen gelassen – solange sie niemanden gefährden. Ebenso wie alle Äste, die im Durchschnitt kleiner sind als zehn Zentimeter. Nicht nur, um Lebensräume zu schaffen, sondern auch, um dem Wald und seinem Boden wichtige Nährstoffe zurückzuführen. „Es kann natürlich sein, dass es dadurch etwas unaufgeräumt und chaotisch aussieht“, sagt Weber, „hat aber schon seinen Sinn.“



Wenn es um die Auswahl der Bäume geht, muss Weber auch in den natürlichen Prozess eingreifen. Wenn Weber etwa eine Eiche als Zukunftsbaum auserkoren und mit einem Punkt versehen hat, die vor einer „dominanten Buche“ geschützt werden muss. Die Buche muss dann weichen und wird – mit einem diagonalen Strich markiert – bei nächster Gelegenheit gefällt. Die Rückegassen, die zum Abtransport der Bäume aus dem Wald nötig sind, werden mit zwei waagrechten Strichen an den Bäumen markiert. Im Saarland beträgt der Mindestabstand dieser Rückegassen untereinander mindestens 40 Meter. Nicht 20 Meter, wie in anderen Bundesländern üblich. So ist das im Saarland „geerntete“ Holz zwar etwas teurer, dafür wird der Waldboden, der als Wasserspeicher so wichtig ist, vor Verdichtung geschützt. Nachhaltig eben.

Förster Michael Weber erklärt beim Tag der Nachhaltigkeit des Saarforsts die Markierungen an den Bäumen und die Vorgehensweise der hiesigen Förster.
Förster Michael Weber erklärt beim Tag der Nachhaltigkeit des Saarforsts die Markierungen an den Bäumen und die Vorgehensweise der hiesigen Förster. FOTO: Michael Aubert