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Mythen aus der Pfalz
Wilde Ritter und ein liebestrunkener Bayer

In Rheinzabern grub man eine antike Geschirrfabrik aus: Terra Sigillata, die schicken, leicht glänzenden Teller und Schalen der Römer, wurden hier hergestellt.
In Rheinzabern grub man eine antike Geschirrfabrik aus: Terra Sigillata, die schicken, leicht glänzenden Teller und Schalen der Römer, wurden hier hergestellt. FOTO: VG Jockgrim
Mit dem neuen Heft „Mystery“ kann man in der Pfalz auf eine sagenumwobene Entdeckungsreise gehen und vieles dabei lernen. Von Christine Maack

Wie haben die Römer ihr Tongeschirr so schön glänzend hingekriegt? Und wie hat Christian IV. von der Pfalz dafür gesorgt, dass sein Porzellan so schön zart und weiß wurde? Was bewog den Bayern Ludwig I., ausgerechnet in den Weinbergen der Pfalz bei Edenkoben sein Liebesnest mit Lola Montez aufzuschlagen, die eigentlich aus Irland stammte, sich aber als spanische Tänzerin ausgab?


Weniger zartfühlend ging es auf den Burgen und Festungen im Dahner Land zu, insbesondere Burg Nanstein gelangte zu trauriger Berühmtheit, weil in einem Kellerloch, der so genannten Todeskammer, der Ritter Franz von Sickingen 1523 seinen Verletzungen erlag. Er sei „mit eiserner Rüstung und harter Hand als Warlord mit seiner Söldnertruppe durch Teutschland gebraust“, schreibt Autor Harald Hartusch. Eine spannende Geschichte, die vor allem zur Auffrischung des Gedächtnisses dient, wenn man alles vergessen hat, was man mal über den wilden Franz von Sickingen gelernt hat.

Erinnerungen an Sagen und Heimatgeschichten auffrischen: Das trifft auf das gesamte, sorgfältig gemachte Heft zu, das unter dem Titel „Mystery, die großen Mythen der Pfalz“ im M+H Verlag erschienen ist. Üblicherweise ist man vom M+H Verlag gewohnt, dass der Schwerpunkt eher auf ebenso nützliche wie informative Wanderhefte gelegt wird. Man erfährt, welche Premiumstrecken man zwischen Mosel, Hunsrück, Saar, Bliesgau und Dahner Felsenland zurücklegen kann, wie schwierig sie einzustufen sind und ob sie für Familien oder eher für durchtrainierte Sportler zu empfehlen sind.



Doch im neuen „Mystery“-Heft kommen zu den Wanderwegen noch Geschichten hinzu, die man am Wegesrand entdecken kann. Oder es werden wichtige Kulturdenkmäler vorgestellt, die sich für einen Tagesausflug eignen, wie zum Beispiel das faszinierende Terra-Sigillata-Museum in Rheinzabern (Verbandsgemeinde Jockgrim), in dem Kinder auch mal die antiken Tonöfen und Ziegel berühren dürfen. An Tipps, wie man anschließend bei gutem Pfälzer Wein (für die Eltern) und Traditionsgerichten wie „Saumagen“ oder „Schiefer Sack“ den Tag ausklingen lassen kann, fehlt es nicht.

Beim Durchblättern des neuen Heftes findet man viele Anregungen, auch bei kühlem Herbstwetter den einen oder anderen Ort zu besuchen oder auch mal im Advent einen stimmungsvollen Ausflug ins Nachbarbundesland zu machen.

Die Geschichten, die Harald Hartusch ausgegraben und nacherzählt hat, sind vielfältig, es geht um keltische Quellheiligtümer wie im Wald von Kindsbach, um vorchristliche Hinkelsteine, um berühmte Gestalten der Ritter- und Heldensagen, zum Beispiel um Walther und Hildegund aus dem Walthari-Lied, die im Wasgenwald auf Hagen von Tronje treffen, der Walther zum Kampf herausfordern muss und dabei ein Auge verliert – eine legendäre Verletzung, die ihm im Nibelungenlied bekanntlich seine unheimliche Aura verleiht.

Der Klassiker fehlt natürlich nicht: Burg Trifels mitsamt der Geschichte um Richard Löwenherz, der hier gefangen saß, während sein fieser Bruder John in England nach der Macht griff und Robin Hood Gold und Geld sammelte, um den geliebten König Richard wieder frei zu bekommen. Soweit zur Legende. Dass die historische Wahrheit etwas anders aussah: Auch darauf geht Hartusch ausführlich ein.

Harald Hartusch: „Mystery – Die großen Mythen der Pfalz“, M+H Verlag,
ISBN 978-3-9820344-0-9, 16,80 Euro, im Buchhandel erhältlich. Infos unter: